Einbrüche sind für alle Menschen ein Ärgernis. Wird allerdings eine Kirche als «Tatort» ausgewählt, erscheint das besonders verwerflich. Dennoch: Hunderte Gotteshäuser werden Jahr für Jahr von Dieben heimgesucht. Sie stehlen vieles - sogar Blitzableiter.

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Einbrecher machen auch vor Kirchentüren nicht Halt. 2009 brachen Diebe in Hilden die Tür zur Sakristei auf und stahlen Kelche. Foto: Archiv

Einbrecher machen auch vor Kirchentüren nicht Halt. 2009 brachen Diebe in Hilden die Tür zur Sakristei auf und stahlen Kelche. Foto: Archiv

Thome, D. (dth)

Einbrecher machen auch vor Kirchentüren nicht Halt. 2009 brachen Diebe in Hilden die Tür zur Sakristei auf und stahlen Kelche. Foto: Archiv

Düsseldorf (dpa) - Hier ein Kreuz, dort eine Tasche, ein Kranz oder eine teure Bibel - Einbrecher machen auch vor Gotteshäusern nicht Halt. Nach einer Statistik der Polizei NRW sind im vergangenen Jahr insgesamt 661 Kirchen auf Beutezügen meist unbekannter Einbrecher heimgesucht worden.

Aufgeklärt wurde nur etwa jeder siebte Fall (14,8 Prozent). Laut Statistik richteten die Einbrechen einen Schaden von mehr als 580 000 Euro an, seit 2010 sind es sogar insgesamt über 2,55 Millionen Euro. Das Landeskriminalamt (LKA), das neben den Einbrüchen auch die Diebstähle registriert, spricht für 2013 sogar von fast 1300 Straftaten in Kirchen.

Für 2014 liegen dem LKA noch keine Zahlen vor. Gestohlen wird eigentlich alles - von Bargeld aus Opferstöcken bis hin zu Kunst und sakralen Gegenstände. In Bonn wurde eine wertvolle Marien-Ikone aus dem 17. Jahrhundert aus einer katholischen Kirche gestohlen - nicht zu ersten Mal: Sie soll im 19. Jahrhundert schon einmal aus einem Kloster entwendet worden sein. Der Dieb habe sie bald zurück gebracht, weil ihn schwere Krankheit und Elend getroffen hätten.

Für Aufsehen sorgte auch der Diebstahl eines mittelalterlichen Stiftskreuzes aus der Kirche im münsterländischen Borghorst. Die abgetauchten Täter sind der Polizei zwar namentlich bekannt, von ihnen und dem aus dem 11. Jahrhundert stammenden Kunstwerk fehlt aber nach wie vor jede Spur.

In Erkelenz am Niederrhein klaute ein spielsüchtiger Mann aus Hückelhoven aus einer katholischen Kirche vier sakrale Holzfiguren und ein Altarkreuz. Wert: insgesamt etwa 60 000 Euro. Der 48-Jährige wurde am vergangenen Mittwoch zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Ungewöhnlich ist eine weitere Tat aus Bochum: Dort montierten Metalldiebe je 25 Meter Blitzableiter und Regenfallrohre aus Kupfer von einer Kirche ab.

Ziele der Beutezüge sind vor allem katholische Kirchen. «Möglicherweise liegt das daran, dass evangelische Kirchen in unseren Breitengraden aufgrund reformierter Prägung eher karg und schmucklos in der Ausstattung sind», sagte Jens Peter Iven, der Sprecher der Evangelischen Kirche im Rheinland. «Wir sind halt die Kirche des Wortes und keine Kirche der Kunstschätze.»

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