Das Rennen durch elf Städte braucht dickes Eis – in diesem Jahr könnte es klappen.

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Wer bei der „Elfstedentocht“ (Elf-Städte-Rennen) das Ziel in Leeuwarden erreichen möchte, muss – wie diese Niederländer – vorher fleißig trainieren.

Wer bei der „Elfstedentocht“ (Elf-Städte-Rennen) das Ziel in Leeuwarden erreichen möchte, muss – wie diese Niederländer – vorher fleißig trainieren.

dpa

Wer bei der „Elfstedentocht“ (Elf-Städte-Rennen) das Ziel in Leeuwarden erreichen möchte, muss – wie diese Niederländer – vorher fleißig trainieren.

Amsterdam. Dieser Wettbewerb ist die reine Qual. Fast 200 Kilometer lang ist die "Elfstedentocht", die Strecke wird auf Schlittschuhen gefahren, und der Rekord liegt knapp unter sieben Stunden. Das alles in eisiger Kälte, versteht sich, denn für das Rennen sind mindestens 15 Zentimeter Eis nötig. Dafür kann hier ein Rosenkohl-Züchter zum Volkshelden werden: Ein solcher gewann die bislang letzte Tocht 1997.

Den härtesten Schlittschuh-Marathon der Welt hat der Sport-Historiker Joop Voorn als "eine Art nationalen Sado-Masochismus" bezeichnete. Über zugefrorene Grachten, Flüsse und Seen durch elf Städte der Provinz Friesland führt der Wettkampf, der traditionell auch viele Zuschauer anzieht. Es gibt nur ein Problem: Mangels starker Eisdecke fällt die Tocht schon seit einer kleinen Ewigkeit meist aus.

Nicht jeder darf mitmachen, eine Auslosung bestimmt die Teilnehmer

Doch in diesem Winter scheinen die Chancen nicht schlecht zu stehen, dass die 200 Kilometer lange Strecke, die in der alten Friesen-Metropole Leeuwarden beginnt und endet, endlich wieder durchfriert. Je tiefer das Quecksilber, desto höher schlagen die Herzen der Holländer. 15 Zentimeter muss das Eis nach den Regeln der Vereinigung "De Friesische Elf Steden" mindestens dick sein.

Immerhin soll es 16 000 Läufer tragen. Unter ihnen wäre vermutlich auch wieder der prominenteste Amateursportler des Landes: Kronprinz Willem-Alexander (41) hatte die Tour schon einmal 1986 mitgemacht. Ob das Rennen stattfindet, entscheidet sich je nach Eislage kurzfristig. Ebenso wie die Frage, wer die "Tocht aller Tochten" mitlaufen darf.

300 Profi-Eisschnellläufer sind gesetzt, das Los entscheidet unter mehr als 30000 weiteren Bewerbern. "Jeder weiß doch, dass die Tocht in hundert Jahren erst 15Mal stattfinden konnte", sagt Henk de Vries, einer der vielen freiwilligen Helfer. "Wenn das Los nicht auf dich fällt, dauert es bis zur nächsten Chance vielleicht so lange, dass du gar nicht mehr in Form bist."

Vor allem Hobby-Sportler riskieren Verletzungen und Unterkühlungen

Im Friesischen Eislaufmuseum in Hindeloopen ist ein dunkelbraun angelaufener großer Zeh des Teilnehmers Tinus Udding ausgestellt. Minus 18 Grad hatte es bei der Tocht 1963 - dem Läufer, der auf Platz 31 kam, musste nach dem Rennen der Zeh amputiert werden.

Der Sportjournalist, der das Rennen der Legende nach als Pionier 1890 alleine lief, "weil er den Drang verspürte", hat zum Beweis Autogramme gesammelt. In den elf Städten musste sich jeweils ein Einwohner in das rote Notizbuch verewigen, um als Zeuge verewigt zu werden.

Und in Form sollte schon sein, wer diesen Härtetest unbeschadet bestehen will. Doch weder die Gefahr von Frostschäden, Schneeblindheit oder Knochenbrüchen auf den oft unebenen Streckenabschnitten, noch die Strapazen eines Laufes bei eisigem Nordsee-Wind, den nur die Allerbesten in Zeiten unter sieben Stunden schaffen, kann Hollands Hobby-Eisläufer abschrecken.

Aber wird es wirklich eine Tocht 2009 geben? Der Lagebericht des Königlichen Niederländischen Eislaufverbandes schien der Hoffnung ein wenig Nahrung zu geben. Die Eisdecken im Land seien weiter leicht gewachsen. Ein Sprecher des Wetterdienstes blieb aber zurückhaltend: "Es müssten noch sehr viele Tage durchgehend minus zehn Grad sein, wenn das Eis 16 000 Läufer tragen soll." Zeit ist aber weiterhin, auch im Februar hat es schon "Elfstedentochten" gegeben. Zuletzt am 26. Februar 1986.

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