Mehr als 150 Tote, 1500 Verletzte, 70000 Obdachlose und tausende zerstörte Häuser in den Abruzzen.

Mit bloßen Händen sucht dieser Mann in den Ruinen seines Hauses nach verschütteten Familienangehörigen.
Mit bloßen Händen sucht dieser Mann in den Ruinen seines Hauses nach verschütteten Familienangehörigen.

Mit bloßen Händen sucht dieser Mann in den Ruinen seines Hauses nach verschütteten Familienangehörigen.

Mit bloßen Händen sucht dieser Mann in den Ruinen seines Hauses nach verschütteten Familienangehörigen.

AFP, Bild 1 von 2

Mit bloßen Händen sucht dieser Mann in den Ruinen seines Hauses nach verschütteten Familienangehörigen.

L’Aquila. Ein verheerendes Erdbeben hat am Montag in Mittelitalien mehr als 150 Menschen in den Tod gerissen. Betroffen war vor allem die Regionalhauptstadt in den Abruzzen, L’Aquila. Nach unterschiedlichen Messungen lag die Stärke des Bebens zwischen 5,8 und 6,2 auf der Richterskala.

In dem Gebiet 100 Kilometer nordöstlich von Rom wurden Tausende Häuser zerstört oder stark beschädigt. 1500 Menschen sind verletzt, Dutzende werden noch vermisst, 70 000 sind obdachlos, schätzte der Zivilschutz. Es war das schwerste Beben in Italien seit November 1980. Damals kamen im Süden des Landes 2570 Menschen um.

Die Erdstöße überraschten die Menschen in der Nacht um 3.32 Uhr. Ganze Wohnblocks in L’Aquila klappten zusammen wie Kartenhäuser. Im historischen Zentrum der Stadt suchten Helfer auch Stunden nach dem Beben in den Trümmern nach Verschütteten. Durch Nachbeben stürzten weitere zuvor bereits beschädigte Gebäude ein.

Viele Straßen waren erst nach Stunden erreichbar. Vor den Eingängen der Krankenhäuser stauten sich Rettungsfahrzeuge. Augenzeugen berichteten von Überlebenden, die in Decken gehüllt wie in Trance durch die Straßen liefen oder auf den Plätzen und vor Supermärkten campierten. Plünderer wurden festgenommen.

In einem Ortsteil von L’Aquila bargen Feuerwehrleute ein zweijähriges Mädchen lebend aus den Trümmern. Das Kind hat sein Leben der Mutter zu verdanken, wie die Online-Ausgabe der Zeitung "Il Giornale" schreibt. Die Frau schützte das Mädchen mit ihrem Körper, als das Haus einstürzte.

"Es ist nicht Teil unserer Kultur, in seismischen Zonen der Gefahr angemessen zu bauen", kritisierte der Chef des Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie, Enzo Boschi. So seien Häuser eingestürzt, "die nicht dafür konstruiert worden sind, einen solchen - nicht besonders heftigen - Erdstoß standzuhalten". Dabei habe sein Institut eine detaillierte Karte zu der Bebengefahr erarbeitet.

Wurden Experten-Warnungen nicht ernst genommen?

Italiens Zivilschutz-Chef Guido Bertolaso wehrte sich gegen den Vorwurf, Warnungen von Experten in den Wind geschlagen zu haben. Trotz der häufiger auftretenden Erdstöße in den vergangenen Tagen sei nicht absehbar gewesen, wann es zu einem starken Beben kommen konnte, sagte Bertolaso.

Zu dem Schluss seien Fachleute gekommen. Bertolaso sprach von der "schlimmsten Tragödie seit Beginn des Jahrtausends". Aus Italiens Opposition wurde der Ruf nach seinem Rücktritt laut. Hintergrund könnten Behauptungen des Forschers Gioacchino Giuliani sein, wonach gezielte Radon-Gasmessungen vor einem solchen Beben warnen könnten. Das bestreiten viele Experten.

L’Aquila ist das Industrie- und Verwaltungszentrum der Region Abruzzen. Die Stadt hat 72000 Einwohner. Gegründet wurde der Ort im 13.Jahrhundert vom Stauferkaiser Friedrich II. Touristen schätzen den historischen Stadtkern mit Palazzi, Springbrunnen und Kirchen. Unter den beschädigten Kirchen ist auch die Kathedrale von L’Aquila.

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