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Das Foto zeigt einen Raum für Langzeitbesuche in der Justizvollzugsanstalt Geldern (JVA) am Montag (12.04.2010). In einem ähnlichen Raum der JVA-Remscheid ist die 46-Jährige in Remscheid getötet worden.

Das Foto zeigt einen Raum für Langzeitbesuche in der Justizvollzugsanstalt Geldern (JVA) am Montag (12.04.2010). In einem ähnlichen Raum der JVA-Remscheid ist die 46-Jährige in Remscheid getötet worden.

In der JVA Remscheid Lüttringhausen wurde am Sonntag eine Besucherin getötet.

Das Foto zeigt einen Raum für Langzeitbesuche in der Justizvollzugsanstalt Geldern (JVA) am Montag (12.04.2010). In einem ähnlichen Raum der JVA-Remscheid ist die 46-Jährige in Remscheid getötet worden.

dpa, Bild 1 von 3

Das Foto zeigt einen Raum für Langzeitbesuche in der Justizvollzugsanstalt Geldern (JVA) am Montag (12.04.2010). In einem ähnlichen Raum der JVA-Remscheid ist die 46-Jährige in Remscheid getötet worden.

Remscheid (dpa/Red). In der Justizvollzugsanstalt Remscheid hat ein Häftling am Sonntag seine Freundin während der Besuchszeit getötet. Wie die Polizei am Abend mitteilte, fanden Justizbeamte nach Ablauf der Besuchszeit die 46-Jährige tot im Besucherraum. Der 50 Jahre alte Häftling war schwer verletzt. Wie das NRW-Justizministerium am Montag mitteilt, sitzt der Mann bereits seit 19 Jahren eine lebenslange Haft wegen Mordes ab.

Ein Gericht hatte den Düsseldorfer  im Januar 1992 für schuldig befunden, ein  neunjähriges Mädchen im Juni 1991 vergewaltigt und getötet zu haben. Die Leiche des Kindes war damals bei einer Gartenparty im Düsseldorfer Süden entdeckt worden.

Aufgrund der ersten Ermittlungen einer 12-köpfigen Mordkommission sei davon auszugehen, dass der 50-jährige zunächst seine Lebensgefährtin tötete und dann versuchte, sich das Leben zu nehmen, teilte die Polizei mit. Er konnte offenbar zwei Messer und einen Radmutterschlüssel in einen Besucherraum schmuggeln. Er sei vor der Tat am Sonntag in dem Langzeit-Besuchsraum im Gegensatz zu seiner Lebensgefährtin nicht durchsucht worden, dies sei auch nicht üblich, räumte Gefängnisleiterin Katja Grafweg am Montag ein. Der Täter befindet sich nun in einem Justizvollzugskrankenhaus. Die Ermittlungen der Mordkommission und der Staatsanwaltschaft Wuppertal dauern an.

In den letzten Jahren hatten wiederholt Zwischenfälle in nordrhein-westfälischen Gefängnissen für Aufsehen gesorgt. So war in Siegburg 2006 ein Häftling gefoltert und ermordet worden, in Aachen konnten im November 2009 die Schwerverbrecher Michael Heckhoff und Peter Paul Michalski aus dem Gefängnis ausbrechen. Sie konnten erst nach tagelanger Flucht wieder gefasst werden.

Die nach dem Aachener Ausbruch in die Kritik geratene nordrhein- westfälische Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) äußerte sich bestürzt über die Bluttat in der JVA Remscheid. «Das Geschehen macht mich fassungslos. Mein tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen des Opfers», sagte die Ministerin.

Sie besuchte dem NRW-Justizministerium zufolge nach Bekanntwerden der Tat die JVA Remscheid, um sich über den Stand der Ermittlungen zu informieren. «Das Geschehen muss rückhaltlos aufgeklärt werden. Und wir müssen gegebenenfalls Konsequenzen ziehen, damit sich ein solcher Vorfall nicht wiederholt», sagte Müller-Piepenkötter. Sie kündigte an, sie wolle an diesem Mittwoch dem Rechtsausschuss des Landtags über die Tat und den aktuellen Stand der Ermittlungen berichten. 

Langzeit-Besucherräume gibt es seit mehr als 20 Jahren in nordrhein-westfälischen Gefängnissen. Damals hießen sie noch «Familienbegegnungsräume». Derzeit gibt es nach Angaben des Justizministeriums in Düsseldorf solche Räume in zwölf Gefängnissen des Landes. Sie sollen den ungestörten Kontakt von Inhaftierten zu ihren Partnern ermöglichen. Auf diese Weise sollen die sozialen Beziehungen der Gefangenen während der Haftzeit unterstützt werden. Die Räume sind wohnlich ausgestattet, oft mit Couch und Kochzeile.

Vor einem Langzeitbesuch steht eine Zulassungsprüfung. Damit soll sichergestellt werden, dass die Besucher tatsächlich in enger sozialer Beziehung zu den Gefangenen stehen, um etwa Prostitution in den Räumen zu verhindern. Außerdem werden Besucher und Gefangene vor und nach einem solchen Besuch besonders streng kontrolliert, um Waffen- und Drogenschmuggel auszuschließen.

Bislang hat es in diesen Räumen nach Justizangaben zwei Vorfälle gegeben: 1994 in Dortmund und 1999 in Werl. Dabei hätten jeweils Gefangene ihre Ehefrauen angegriffen, allerdings mit glimpflicherem Ausgang als in Remscheid.

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