Seit dem Loveparade-Unglück wird strikter kontrolliert.

Sicherheit
Mehr als 50 000 Besucher kamen zum Krefelder Flachsmarkt. Die Sicherheitsauflagen für den Veranstalter waren so streng wie nie zuvor.

Mehr als 50 000 Besucher kamen zum Krefelder Flachsmarkt. Die Sicherheitsauflagen für den Veranstalter waren so streng wie nie zuvor.

Dirk Jochmann

Mehr als 50 000 Besucher kamen zum Krefelder Flachsmarkt. Die Sicherheitsauflagen für den Veranstalter waren so streng wie nie zuvor.

Düsseldorf. Einlass-Schleusen, Fluchttreppen, Lautsprecheranlagen: Wenn im Juli rund vier Millionen Menschen auf die 110. Düsseldorfer Rheinkirmes strömen, schauen die Behörden mit Argusaugen auf das Spektakel.

Als drittgrößtes Volksfest Deutschlands steht die Kirmes unter besonderer Beobachtung. Denn im Jahr nach der Loveparade-Katastrophe müssen die Veranstalter in Sachen Sicherheit gewaltig aufrüsten. Geschätzte Mehrkosten allein in Düsseldorf: 150 000 Euro.

Auf der Rheinkirmes müssen neue Fluchtwege geschaffen werden

Bis zu 50 Security-Mitarbeiter werden die St. Sebastianus-Schützen als Veranstalter engagieren, um die Einhaltung der Auflagen sicherzustellen. Die Bierzelt-Betreiber müssen erstmals Einlass-Schleusen installieren und dürfen maximal zwei Gäste pro Quadratmeter Fläche hineinlassen. „Wir haben das zu kontrollieren und müssen notfalls eingreifen“, sagt Schützen-Chef Lothar Inden. Dabei sind die Auflagen nicht neu. „Sie werden aber erstmals 1:1 umgesetzt.“

Zwei der beliebtesten Bierzelt-Betreiber haben bereits Konsequenzen gezogen: Die Hausbrauereien Füchschen und Uerige werden mit ihren publikumsstarken Zelten diesmal fehlen (wir berichteten), andere Betreiber haben von proppenvoller Tanzfläche auf Bestuhlung umgestellt.

Damit nicht genug: Der Veranstalter muss eine zusätzliche Treppe als Fluchtweg auf den Rheindamm hinauf aufbauen, eine Notbeleuchtung für den Fall eines Stromausfalls installieren und eine Lautsprecheranlage, um die Menschen im Notfall mit Durchsagen steuern zu können.

Für den Flachsmarkt waren 80 zusätzliche Helfer nötig

Der Krefelder Flachsmarkt, Deutschlands größter Handwerkermarkt, fand am vergangenen Wochenende bereits unter den veränderten Vorzeichen statt. Mit Einlasskontrollen, Absperrungen und mehr Notausgängen war es nicht getan. 80 zusätzliche Helfer waren notwendig, um die neuen Auflagen zu erfüllen und den Andrang der 58 000 Besucher zu steuern.

Andere Veranstaltungen, wie etwa die seit sieben Jahren stattfindende Technoparty „Summer Knights“, stehen vor dem Aus. Die neue Strenge der Behörden bekamen die Organisatoren kurzfristig zu spüren: Erst am 20. Mai – zwei Monate vor der Party – forderte die städtische Bauaufsicht ein neues Brandschutzkonzept. Für die Veranstalter bedeutet das mehrere tausend Euro an Gutachterkosten.

In Wuppertal haben Stadtverwaltung und Marketinggesellschaft einen Leitfaden für Veranstalter entwickelt, um einen Überblick über alle notwendigen Genehmigungen zu geben. Außerdem haben Organisatoren von Großveranstaltungen nur noch einen Ansprechpartner: Mitarbeiter des Ordnungsamtes stellen sämtliche Kontakte zu Genehmigungsbehörden her. Red

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