Im Sal. Oppenheim-Prozess verkündet das Kölner Landgericht am Donnerstag das Urteil gegen die vier früheren Bankenchefs. Die Staatsanwaltschaft will sie wegen Untreue in besonders schwerem Fall im Gefängnis sehen.

Der ehemalige Banker Matthias Graf von Krockow. Foto: Oliver Berg
Der ehemalige Banker Matthias Graf von Krockow. Foto: Oliver Berg

Der ehemalige Banker Matthias Graf von Krockow. Foto: Oliver Berg

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Der ehemalige Banker Matthias Graf von Krockow. Foto: Oliver Berg

Köln (dpa) - Im Strafprozess gegen die frühere Führung von Sal. Oppenheim steht für die vier Ex-Bankenchefs die Stunde der Wahrheit bevor. Das Kölner Landgericht verkündet an diesem Donnerstag (9.7.) nach mehr als zwei Jahren Verhandlung das Urteil. In dem spektakulären Prozess um den Niedergang der einst größten europäischen Privatbank wird dem damaligen Führungsquartett Untreue in einem besonders schweren Fall vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft fordert für alle vier eine Gefängnisstrafe.

Angeklagt sind der einstige Sprecher Matthias Graf von Krockow (66) und der Ururururenkel der Bankengründers, Christopher von Oppenheim (49). Außerdem Ex-Risikomanagement-Chef Friedrich Carl Janssen (71) und der früher für das Investmentbanking zuständige Dieter Pfundt (62). Ihr einst enger Immobilien-Geschäftspartner Josef Esch (58) muss sich nur noch wegen Verstoßes gegen das Kreditwesengesetz verantworten.

In dem Strafverfahren geht es um ein Immobiliengeschäft in Frankfurt und hohe Millionen-Kredite an den damals schon angeschlagenen und inzwischen pleitegegangenen Arcandor-Konzern. Die von den Angeklagten zu verantwortenden Transaktionen sollen hohe Millionenschäden für die Bank verursacht haben. Sal. Oppenheim war in der Finanzkrise 2008 als Arcandor-Großaktionär an den Rand des Ruins geraten und gehört heute stark verkleinert zur Deutschen Bank.

Von Krockow und von Oppenheim haben Geständnisse abgelegt. Beide bestreiten allerdings, dass es um einen besonders schweren Fall von Untreue geht. Sie hatten Reue und Bedauern geäußert und in einem der größten Wirtschaftsprozesse um Milde gebeten. In seinem Schlusswort hatte von Krockow vor einer Woche gesagt, er wolle versuchen, die Folgen des Niedergangs der Bank noch abzufedern und an das Gericht appelliert: „Ich bitte Sie, mir diese Perspektive nicht zu nehmen.“ Von Oppenheims Anwalt hatte erklärt, sein Mandat brauche zum Nachdenken nicht „die Stille einer Gefängniszelle“.

Janssen und Pfundt haben die Vorwürfe dagegen stets zurückgewiesen. Im Verfahren stellten sie sich als Randfiguren dar. Pfundt räumte zwar in seinem „letzten Wort“ Fehler ein, diese hätten aber keine „strafrechtliche Relevanz“, betonte er.

Vor einigen Monaten hatte die Vorsitzende Richterin Sabine Grobecker einen Zwischenstand mitgeteilt und betont, dass sie nach vorläufiger Bewertung alle vier Ex-Banker für schuldig hält. Sie hätten dem Geldhaus einen „Schaden im hohen zweistelligen, wenn nicht dreistelligen Millionenbereich“ zugefügt - allerdings nicht, um sich zu bereichern.

Gegen den Immobilienunternehmer Esch war ein Teil des Verfahrens - gegen Zahlung einer Geldauflage von sechs Millionen Euro - eingestellt, der Vorwurf der Beihilfe zur Untreue fallengelassen worden. Die Staatsanwaltschaft fordert für ihn lediglich eine Geldstrafe.

Für die vier Ex-Banker verlangt die Anklage Gefängnisstrafen: Von Krockow solle eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten erhalten, von Oppenheim zwei Jahre und acht Monate. Für Pfundt hält die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten für angemessen. Für Janssen plädierte sie auf drei Jahre und sechs Monate. Bis zu einer Höhe von zwei Jahren können Freiheitsstrafen zur Bewährung ausgesetzt werden.

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