Für den Tod eines Ungeborenen muss ein Mann aus dem Münsterland fast drei Jahre hinter Gitter. Er soll der schwangeren Freundin im Streit in den Bauch geboxt haben. Auslöser: Ein männlicher Arzt hatte sie behandelt.

Prozess in Rheine
Der Angeklagte im Verhandlungssaal.

Der Angeklagte im Verhandlungssaal.

dpa

Der Angeklagte im Verhandlungssaal.

Rheine (dpa). Tödlicher Streit um Frauenarzt-Besuch: Weil er das Baby seiner Freundin im Mutterleib totgeboxt haben soll, muss ein 21-Jähriger aus dem Münsterland für zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Das Amtsgericht Rheine verurteilte den jungen Mann am Mittwoch wegen illegaler Abtreibung.

Er hatte demnach der Partnerin bei einem Streit im vergangenen März vorsätzlich einen heftigen Faustschlag in den Bauch versetzt. Die 19-Jährige war im siebten Monat. Das Baby starb zwei Tage nach einem Not-Kaiserschnitt. Auslöser des Streits war ein Frauenarzt-Besuch.

Die Schwangere hatte sich am Tag der Tat gynäkologisch untersuchen lassen - erstmals von einem Mann. «Das hat ihnen nicht gepasst», sagte der Richter beim Urteil zum Angeklagten. Der Deutsche mit afghanischen Wurzeln hatte der Freundin heftige Vorwürfe gemacht. Später kam es zum Übergriff.

Über die Tat sagte der Richter: «Dafür gab es keinen Grund und gibt es keine Rechtfertigung. Das Kind war lebensfähig. Nach allem, was wir gehört haben, wäre es gesund zur Welt gekommen.» Der junge Mann ohne Arbeit und Ausbildung hatte auf der Anklagebank die Vorwürfe zurückgewiesen. Seine Freundin habe ihn angegriffen, behauptete er. Er habe sie weggeschubst. «Ich kann nicht erklären, wie das passiert ist.» Er betonte: «Ich bin überhaupt kein strenger Moslem. Ich esse auch Schweinefleisch.»

Die Staatsanwältin zeigte sich dagegen überzeugt, dass die Behandlung der Freundin durch einen Mann in seinen Augen «nicht mit seiner Mentalität, möglicherweise auch nicht mit seiner Religion vereinbar» sei. Die 19 Jahre alte Freundin stammt aus einer deutschen, katholischen Familie. Sie war immer bei einer Frau in Behandlung gewesen. Sie habe erst im Behandlungszimmer erfahren, dass dieses Mal ein Mann den Ultraschall bediene - und habe eingewilligt.

Sie war im siebten Monat. Als ihr Partner die Praxis betreten und das gesehen habe, sei er zunächst schweigsam, später wütend gewesen. «Er war sauer, dass ein Arzt mich untersucht hat. Es war nicht das erste Mal, dass er eifersüchtig war.» Am späten Abend habe er sie besucht. Man habe gestritten. «Ich sagte: Ich will nicht mehr mit Dir zusammen sein. Da ist er ausgerastet.»

Er habe er mit der Faust in ihren Bauch geschlagen. «Er sagte: "Du wirst mein Kind nicht lebend auf die Welt bringen"», schilderte die zierliche Frau und weinte. Ein Gerichtsmediziner, der das tote Kind untersucht hat, sagte aus: «Solche Verletzungen sehen wir in der Gerichtsmedizin in der Regel nach schweren Verkehrsunfällen, an denen Schwangere beteiligt waren.»