Ab Juli müssen sich die Autofahrer in den meisten Städten auf strengere Regeln einstellen. Jeder Verstoß kostet 80 Euro.

Umweltzone
Freie Fahrt nur noch bei Grün – das gilt ab Juli fast überall.

Freie Fahrt nur noch bei Grün – das gilt ab Juli fast überall.

dpa

Freie Fahrt nur noch bei Grün – das gilt ab Juli fast überall.

Düsseldorf. Die Luft in den nordrhein-westfälischen Städten soll besser werden. Auf Autofahrer kommen deshalb in diesem Jahr strengere Richtlinien in den Umweltzonen zu. Ab Juli dürfen in fast allen NRW-Umweltzonen nur noch Autos mit grüner Plakette fahren – Ausnahme bleiben Münster und möglicherweise Remscheid. Zu häufig wurden bisher die Grenzen für die Feinstaubbelastung in NRW durchbrochen. Laut EU-Richtlinie soll ein Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter nicht öfter als 35 Mal pro Jahr überschritten werden. Bis zum 12. Dezember gelang es sieben Städten nicht, unter diesem Wert zu bleiben, hieß es vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz. Gelsenkirchen kam gar auf 55 Überschreitungen.

Einfahrt mit Gelb nur noch in Münster und vielleicht Remscheid

Durch die Umweltzonen in Bonn, Düsseldorf, Hagen, Köln, Langenfeld, Mönchengladbach, Neuss, Wuppertal und im Ruhrgebiet sollen ab Juli nur noch Fahrzeuge mit grünem Aufkleber rollen dürfen. Für gelbe Zeichen blieben dann nur noch Münster und möglicherweise Remscheid übrig, heißt es von den Bezirksregierungen. In Krefeld und Dinslaken darf bereits seit 2012 nicht mehr mit gelben Plaketten gefahren werden.

Ob in Münster die grüne Umweltzone ebenfalls kommen wird, steht derzeit noch nicht fest. Dies werde sich erst im Laufe des neuen Jahres klären.

In Düsseldorf hatte man die Umweltzone bereits im Februar vergangenen Jahres auf 38 Prozent des Stadtgebietes ausgeweitet. Umweltamtsleiter Klaus von Zahn erklärt, dass neben Feinstaub auch Stickstoffdioxid ein großes Problem sei. „Unsere kommunalen Möglichkeiten sind nahezu erschöpft. Jetzt ist die EU gefordert, neue Vorgaben zu machen“, sagt von Zahn.

Die gesundheitlichen Folgen können schwerwiegend sein: Feinstaubteilchen sind so klein, dass sie nicht in Nase und Rachen hängenbleiben, sondern ungehindert in die Lunge gelangen. Dort können sie Entzündungen, Wucherungen, Asthma, Bronchitis oder Krebs auslösen. In bestimmten Konzentrationen führen die Teilchen auch zu Herzinfarkten.

Kritik vom ADAC, Lob vom Umweltbundesamt

Im Ruhrgebiet und in den anderen nordrhein-westfälischen Großstädten herrscht ein besonders hohes Verkehrsaufkommen. Deshalb sollen Umweltzonen dazu beitragen, dass weniger Schadstoffe in die Luft gelangen. In Deutschland gilt seit 2005 die Feinstaub-Richtlinie der Europäischen Union. Ein Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter darf nicht öfter als 35 Mal pro Jahr überschritten werden.

Wer ohne vorgeschriebene Plakette in eine Umweltzone fährt, muss derzeit noch mit einem Bußgeld von 40 Euro rechnen und mit einem Punkt in Flensburg. In Zukunft soll der Punkt wegfallen, dafür erhöht sich das Bußgeld auf dann 80 Euro.

Von Dortmund bis Duisburg erstreckt sich die Umweltzone Ruhrgebiet als größte ihrer Art in Deutschland. Die Umweltzonen gibt es in drei Stufen. Durch eine Zone der Stufe 1 dürfen fast alle Autos fahren. Bei Stufe 2 sind nur noch gelbe und grüne Plaketten zugelassen. In einer Umweltzone der Stufe 3 dürfen nur noch Fahrzeuge mit grünem Symbol fahren. Die Farbe der Plakette richtet sich nach dem Schadstoffausstoß.

In den Umweltzonen von Bonn, Düsseldorf, Hagen, Köln, Langenfeld, Mönchengladbach, Neuss, Wuppertal und im Ruhrgebiet sind Autos mit gelben Plaketten bisher zugelassen.

Der Automobilclub ADAC bezweifelt, dass Umweltzonen die richtige Lösung sind. „Wir halten die Umweltzonen nach wie vor für wirkungslos, da sie nicht zu einer nennenswerten Verbesserung der Luftqualität beitragen“, sagt Gabriele Schön vom ADAC in Köln. Auch eine Ausweitung bringe nichts. Für wirkungsvoller hält sie eine Nachrüstung bei Dieselfahrzeugen, eine Verminderung von Staus, die Förderung von alternativen Antrieben oder ein attraktives öffentliches Verkehrsnetz.

Das Umweltbundesamt hingegen sieht Verbesserungen der Luftreinheit durch die Umweltzonen. Der Fachgebietsleiter für Fragen zur Luftreinhaltung, Marcel Langner, sieht darin auch den Vorteil, dass generell schadstoffarme Wagen unterwegs sind: „Es fahren fast nur noch Autos mit grüner Plakette. Dass es so ist, ist auch ein Verdienst der Umweltzonen. Sonst wären noch viel mehr schädliche Fahrzeuge unterwegs.“

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