Der Vorstand der Kölner Verkehrbetriebe, Jürgen Fenske, zeigt am 12.02.2010 in Köln in der Station Heumarkt die Stelle, an der stabilisierende Stahlbügel fehlen.
Der Vorstand der Kölner Verkehrbetriebe, Jürgen Fenske, zeigt am 12.02.2010 in Köln in der Station Heumarkt die Stelle, an der stabilisierende Stahlbügel fehlen.

Der Vorstand der Kölner Verkehrbetriebe, Jürgen Fenske, zeigt am 12.02.2010 in Köln in der Station Heumarkt die Stelle, an der stabilisierende Stahlbügel fehlen.

dpa

Der Vorstand der Kölner Verkehrbetriebe, Jürgen Fenske, zeigt am 12.02.2010 in Köln in der Station Heumarkt die Stelle, an der stabilisierende Stahlbügel fehlen.

Köln (dpa) - Nach immer neuen Berichten über Pfusch beim Kölner U-Bahnbau prüfen die Stadt Köln und der Bauherr des Großprojekts, den beteiligten Bauunternehmen zu kündigen. Bei einer Krisensitzung der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) am Dienstag ging es vor allem um die Sicherheitslage an der Baugrube Heumarkt in der Innenstadt.

Angesichts der gravierenden Unregelmäßigkeiten an mehreren Baustellen war aber auch eine Kündigung des Vertrags mit der Arbeitsgemeinschaft der Bauunternehmen Thema. Der Mannheimer Baukonzern Bilfinger Berger ist hier das federführende Unternehmen. Dort wurden drei Mitarbeiter entlassen, die in leitender Funktion an einer Baugrube tätig waren. V

orstand und Aufsichtsrat der Bauherrin KVB kritisierten erneut die unzureichende Informationspolitik der Unternehmen zur Sicherheitslage an den Kölner Baustellen. In den vergangenen Tagen und Wochen gab es immer wieder neue Berichte über Baumängel. Auch über systematischen Betrug bei dem U-Bahnbau wird spekuliert. Die Baustelle am Heumarkt könnte nach Experten-Einschätzung instabil werden, falls der Rheinpegel auf vier Meter steigt. Derzeit liegt der Pegel deutlich unter der Drei-Meter-Marke, ab dem Wochenende werden aber steigende Werte erwartet.

Nach Medienberichten soll beim U-Bahnbau systematisch betrogen worden sein. Für 28 unterirdische Schlitzwände - sie dienen der Stabilität - sollen falsche Vermessungsprotokolle angefertigt worden sein. Stabilisierende Eisenbügel fehlen an einigen Stellen in drastischen Ausmaßen: Nur 17 Prozent der vorgeschriebenen Bügel waren an den schlimmsten überprüften Stellen eingebaut, wie nun ans Licht kam. Bilfinger Berger hatte auf Fragen von KVB und Stadt bisher nur mit der Auskunft reagiert, bei den Bauprotokollen seien "vielleicht aus Software-Unverständnis" Fehler gemacht worden. Wer Schuld hat an den Missständen ist noch völlig unklar.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen in drei parallelen Fällen: Zum einen gegen Unbekannt nach dem Einsturz des Historischen Archivs am 3. März 2009. Das Unglück steht im Zusammenhang mit dem U-Bahnbau und forderte zwei Menschenleben. Ein zweites Verfahren richtet sich gegen zwei Mitarbeiter von Baufirmen. Der Verdacht laute hier auf Betrug und Fälschung technischer Aufzeichnungen, sagte Oberstaatsanwalt Günther Feld. Zudem ermittelt die Behörde "in Sachen Eisenklau" gegen rund zehn Verdächtige. In der vergangenen Wochen war aufgefallen, dass die Eisenbügel an den unterirdischen Schutzwänden an mehreren Baustellen fehlten. Sie sollen an Schrotthändler verkauft worden sein. Feld sagte, der Diebstahl sei an einer Baugrube aufgefallen. "Wir prüfen aber auch die anderen Baustellen, wo die verdächtigen Arbeiter tätig gewesen sein könnten. Es ist unklar, ob es sich hier noch um größere Ausmaße handelt."

Die KVB wollte am Abend die Ergebnisse ihrer Krisensitzung, mögliche Konsequenzen und weitere Sicherheitsmaßnahmen bekanntgeben. Ein Sprecher von Bilfinger Berger sagte, bei den drei freigestellten Mitarbeitern handele es sich nicht - entgegen einiger Medienberichte - um die "Führungsriege" des Unternehmens. Die Freistellungen seien zudem bereits vor einigen Wochen ausgesprochen worden, mit Beginn der Ermittlungen.

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