Mit Humor macht der Ministerpräsident bei der Verleihung des Ordens „Wider den tierischen Ernst“ die Zweifler mundtot.

„Arbeiterführer“ Jürgen Rüttgers legt zur Melodie von „YMCA“ singend sein Bekenntnis zum Land Nordrhein-Westfalen ab.
„Arbeiterführer“ Jürgen Rüttgers legt zur Melodie von „YMCA“ singend sein Bekenntnis zum Land Nordrhein-Westfalen ab.

„Arbeiterführer“ Jürgen Rüttgers legt zur Melodie von „YMCA“ singend sein Bekenntnis zum Land Nordrhein-Westfalen ab.

dpa

„Arbeiterführer“ Jürgen Rüttgers legt zur Melodie von „YMCA“ singend sein Bekenntnis zum Land Nordrhein-Westfalen ab.

Aachen. Den Zweiflern ist vor Lachen das Wort im Halse steckengeblieben: Jürgen Rüttgers hat Humor - staubtrocken, ironisch, englisch mit einer rheinischen Prise. Fast ein bisschen überraschend hat der neue Ordensritter "Wider den tierischen Ernst" am Samstag in der Bütt die feine Gesellschaft aufgemischt. "Ja, der eine oder andere hat sicherlich gedacht: Ja kann der das denn? Ich weiß es auch nicht. Aber klar ist: Ich werde jetzt hier eine Rede halten." Das klang wie eine Drohung von einem, der selbst nicht weiß, auf was er sich da eingelassen hat.

In Düsseldorf sagen sie dem Ministerpräsidenten Rüttgers (CDU) nach, dass ihm etwas Lockerheit fehle und dass er nicht richtig "menscheln" könne. In der Bütt konnte er das, mit der Schilderung seiner "Amtsausübung unter verschärften Bedingungen" - nämlich im Karneval. Und zum Schluss fragte man sich, ob dem bekennenden Frikadellen-Fan Rüttgers in der Karnevals-Session die Lust auf Fleischbällchen nicht vergeht.

In seiner Rede beschrieb er die "Chronologie des täglichen Wahnsinns" als Ministerpräsident. 8 Uhr: "Morgenappell beim Reiterkorps ,De löstige Husare’ in Godesberg. Es gibt Kölsch und Frikadellen. "Ich bedanke mich beim 2. Vorsitzenden für die sehr originelle Idee, mir eine Flasche Rüttgers Club zu schenken."

Am Abend kriecht Jürgen Rüttgers völlig geschafft zur Haustür

9 Uhr: Biwak der Düsseldorfer Hunnen: "Mir wird ein Bärenfell übergeworfen und ein Helm mit Ochsenhörnern aufgesetzt." Ernennung zum Ehrenhunnen - bei Alt und Frikadellen. 10 Uhr: Krisensituation in der alternativen Kita "Die fröhlichen Jutezwerge". "Mein Leibwächter soll die Pistole abgeben und durch die Blockflöte ersetzen." Dritte-Welt-Bier und Soja-Frikadelle. "Erste Anzeichen von Sodbrennen." Pilschen und Frikadelle bei den "jecken Metzgerwivern" in Eschweiler. (...) 1Uhr: Zuhause. "Ich krieche zur Haustür."

Als Laudator riss Vorjahresritter Mario Adorf alte Wunden auf. Mit Humor beleuchtete er Rüttgers’ umstrittene "Kinder-statt-Inder-Äußerung" im Jahr 2000, die ein Aufruf zur besseren Ausbildung von Jugendlichen gedacht sein sollte. Und er betrachtete nachsichtig Rüttgers’ Rumänen-Schelte mit Blick auf die Abwanderung des Bochumer Nokia-Werks. Was sei denn daran so schlimm, fragte Adorf. "Soll man nur, weil der Uli Hoeneß wieder ’ne rote Kopf kriegt, auf einmal nicht mehr sagen dürfen, Schalke wäre besser als Bayern?"

Unter den Fernsehsitzungen war Aachen schon immer etwas anders. An ihrem 60.Geburtstag wurde die Ordensverleihung "Wider den tierischen Ernst" noch etwas mehr Show und noch weniger klassische Sitzung. Im Kampf gegen das Quoten-Tief wurde die Werner Kimmig GmbH (Deutscher Fernsehpreis und Bambi-Verleihung) als Produzentin engagiert.

Neben rheinischen Klassikern wie "Die 4Amigos" und Jürgen Becker setzten mit der Berliner "Dschungelkönigin" Desiree Nick, dem norddeutschen Gesangsduo "Klaus und Klaus" und dem TV-Mediziner Eckhart von Hirschhausen auch Nicht-Aachener Akzente.

Am Montag um 20.15 Uhr in der ARD.

Jürgen Rüttgers in der Bütt:

"Wer vor 24 Monaten für 1158,48 Euro Aktien einer großen Bank gekauft hat, hat sich 24 Monate lang über fallende Kurse ärgern müssen. Wer von Ihnen vor 24 Monaten für 1158,48 Euro Bier gekauft hat, konnte 24 Monate lang jede Woche einen Kasten herrliches Pils genießen, war ständig heiter, hatte viel Spaß, hat den Regenwald gerettet und hatte zum jetzigen Zeitpunkt für 223 Euro Leergut."

"Wenn ein Rheinländer auf den Tisch springt und fängt an zu singen, ist Karneval. In Westfalen wird das stationär behandelt."

"Bevor ein Westfale einem das Du anbietet, muss man 20 Jahre zusammen mit dem im selben Haus gewohnt haben. Im Rheinland reicht es schon, wenn man die gleiche Tageszeitung abonniert hat."

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer