Realschüler müssen Uniformen tragen. Stadt Wuppertal hat keine Bedenken, Kritik von Bürgern und Politikern.

Wuppertal. Etwas versteckt liegt das Gebäude im Wald an der Wuppertaler Stadtgrenze zu Solingen. Doch die Räumlichkeiten der neuen privaten Realschule Boltenheide können sich sehen lassen: Eine großzügige und moderne Einrichtung, viele Computerarbeitsplätze sowie ein kreativ gestalteter Kunstraum. Am Montag beginnt hier der Unterricht für die ersten 40 Kinder. Das Besondere: 90 Prozent der Schüler stammen aus türkischen Familien.

Die Schule ist im Wuppertaler Westen nicht unumstritten. Träger ist der türkische "Spektrum Bildungs- und Dialogverein" aus Solingen um den türkischen Apotheker Necattin Topel. Der Verein ist seit Jahren im Bereich Förderunterricht, Hausaufgabenhilfe sowie Elternarbeit tätig. Bürger und Politiker befürchten Probleme mit der Integration. "Für den Integrationsgedanken ist es besser, wenn alle gemeinsam unterrichtet werden", sagt Bezirksbürgermeister Heiner Fragemann (SPD). Wuppertals Schuldezernent Matthias Nocke (CDU) jedoch betont ausdrücklich: "Das ist keine Hinterhof-Koranschule, sondern das genaue Gegenteil. Für diese Schule gelten dieselben Kriterien wie für staatliche, und die Schulaufsicht überwacht das auch."

Schulleitung und Geschäftsführung verweisen denn auch auf die überkonfessionelle Ausrichtung, ein komplett deutsches Kollegium sowie Deutsch als durchgängige Unterrichtssprache. Für die Schüler sind Schuluniformen vorgeschrieben. "Wir sind eine ganz normale, staatlich anerkannte Privatschule", sagt Schulleiterin Inge Sassin. Dass im Moment überwiegend türkischstämmige Kinder angemeldet worden seien, liege an den Kontakten des Trägervereins. "Mittlerweile haben wir auch viel Interesse von deutschen Eltern und wir sind sicher, dass sich das Schülerverhältnis in Zukunft ausgleichen wird", so die Pädagogin. "Wir sind für jede Nation offen", sagt auch Geschäftsführer Orhan Yildirim.

Zuletzt gab es Verzögerungen bei der Genehmigung durch die Bezirksregierung. Hintergrund waren Brandschutz-Auflagen. Mittlerweile gab es aus Düsseldorf grünes Licht. Das Land bezahlt 85 Prozent der jährlichen Betriebskosten, die nach Aussage der Schulleitung bei rund 300 000 Euro liegen. Den Rest übernimmt der Trägerverein. Dieser hat auch den Umbau der genutzten Räumlichkeiten der Technischen Akademie bezahlt.

Für Orhan Yidirim sind Bedenken von Bürgern und Politikern durchaus nachvollziehbar, aber er wirbt um Verständnis. "Die Menschen werden uns im Laufe der Zeit besser verstehen", betont er. Für ihn sei es wichtig, mit der neuen Einrichtung Verantwortung zu übernehmen und Integration praktisch zu leben. Dabei setze man auch besonders auf den Dialog mit der Bevölkerung. "Unsere Türen stehen jederzeit offen", sagt Yildirim.

 

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