Migrantenkinder werden in ihrer Muttersprache gefördert, damit sie besser Deutsch lernen können.

Lehrerin Meral Uzun singt mit den Schülern Melike, Zehra, Betül, Ömer und Aleyna (v. l.) ein türkisches Lied, um das Sprachgefühl zu stärken.
Lehrerin Meral Uzun singt mit den Schülern Melike, Zehra, Betül, Ömer und Aleyna (v. l.) ein türkisches Lied, um das Sprachgefühl zu stärken.

Lehrerin Meral Uzun singt mit den Schülern Melike, Zehra, Betül, Ömer und Aleyna (v. l.) ein türkisches Lied, um das Sprachgefühl zu stärken.

Bedirhan konzentriert sich, denn die Grammatik hat ihre Tücken.

Bernd Schaller, Bild 1 von 2

Lehrerin Meral Uzun singt mit den Schülern Melike, Zehra, Betül, Ömer und Aleyna (v. l.) ein türkisches Lied, um das Sprachgefühl zu stärken.

Düsseldorf. Es ist kurz nach 14 Uhr. Meral Uzun steht vor 16aufgeweckten Grundschülern und übt mit ihnen Vokabeln. Die Mädchen und Jungen sollen beschreiben, wie das Wetter an diesem Tag ist. Bei dieser Übung geht es darum, den Wortschatz zu erweitern, erklärt die Lehrerin. Vom Wetter geht es zu den Wochentagen, dann zu den Jahreszeiten. "Und wer weiß, wie die Zeit heißt, die wir jetzt haben?" fragt Meral Uzun.

Zwei Mädchen rutschen auf ihren Stühlen herum, ein anderes malt mit Stiften abgelenkt auf einem Blatt Papier. Einen Jungen muss sie ermahnen, nicht in die Klasse zu rufen. Es ist eine Schulstunde, wie sie tausendfach an diesem Tag an deutschen Schulen abgehalten wird - mit einer Ausnahme: Sie findet auf Türkisch statt. "Kis", sagt die Lehrerin laut. Die Kinder sprechen ihr nach: "Kis. Winter."

Drei Stunden pro Woche können die Schüler an der Gemeinschaftsgrundschule Rather Kreuzweg im Düsseldorfer Norden am sogenannten muttersprachlichen Unterricht teilnehmen. Darin werden Kinder mit Migrationshintergrund in ihrer Muttersprache gefördert. Das gilt nicht nur für Mädchen und Jungen mit türkischen Eltern. "Es gibt auch Stunden auf Italienisch, Arabisch oder Albanisch", sagt die stellvertretende Schulleiterin Monika Lente.

"Die Eltern wissen, dass ihre Kinder keine Chance in unserem Land haben, wenn sie nicht richtig Deutsch sprechen."

Monika Lente, stellvertretende Schulleiterin

Die Teilnahme am Förderunterricht ist kostenlos und freiwillig. Viele der Eltern bemühen sich, ihre Kinder dort unterzubringen, sagt Lente. "Sie wissen, dass ihre Kinder keine Chance in unserem Land haben, wenn sie nicht richtig Deutsch sprechen."

Sollten sie dann nicht besser Förderunterricht in deutscher Sprache bekommen? Nein. Zuerst müssen sie ihre Muttersprache korrekt beherrschen. Denn nur wer die richtig kann, - das haben wissenschaftliche Studien belegt - kann eine zweite Sprache erlernen.

"Die Kinder sprechen ein bisschen Türkisch und ein bisschen Deutsch, aber keine der beiden Sprachen richtig", sagt Meral Uzun. Viele Eltern meinten es gut und versuchen, zu Hause Deutsch zu sprechen, obwohl sie die Sprache selbst nicht richtig beherrschen. Dabei würden viele Fehler vermittelt. "Ein Beispiel sind die Zahlen", sagt Uzun. Auf Türkisch werden die Zehnerstellen zuerst genannt. Also Zwanzigdrei und nicht Dreiundzwanzig. "Das ist ein klassischer Fehler."

Besonders beim Wortschatz hapere es. Und bei der Grammatik. "Die deutsche Grammatik ist schwer, aber auch die türkische hat ihre Tücken", sagt sie. Sie kennt die Unterschiede genau. Die 42-Jährige ist in der Türkei geboren und hat dort Türkisch und Deutsch studiert, anschließend im Türkischen Generalkonsulat Düsseldorf gearbeitet. Seit 1995 ist sie als Lehrerin tätig.

Verständnisprobleme werden in beiden Sprachen gelöst

Ihr Unterricht läuft ab, wie der ihrer deutschen Kollegen auch. Es wird erzählt und gesungen, die Schüler machen Sprechübungen und müssen Arbeiten in ihren Heften erledigen. Nur eben auf Türkisch. "Wenn es ein Problem gibt, dann lösen wir es in beiden Sprachen."

Denn viele der Kinder haben zwar noch Defizite, sind in Deutsch aber trotzdem weitaus sicherer. So wie der achtjährige Alpay. Ohne jeden Akzent erzählt er, dass ihm der Unterricht hilft. "Zuhause sprechen wir Türkisch, aber hier lerne ich es viel besser." Auch die siebenjährige Eylem hat Fortschritte gemacht. Ihre Mutter ist Deutsche, ihr Vater Türke - und manchmal wirft sie die Vokabeln durcheinander. "Seit ich hier bin, kann ich den Papa viel besser verstehen", sagt sie.

Und auch die Lehrer bemerken die Fortschritte: "Die Schüler werden selbstbewusster, weil sie mehr verstehen", sagt Lente. "Und das wirkt sich sehr schnell auf die Schulleistungen aus."

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