Die Britin Beckie Williams siegt gegen das Kaufhaus, das Übergrößen teurer verkaufte. Nun kosten alle Körbchen gleich viel.

London. Die Aussicht, eine junge Frau mit großem Busen auf einer Hauptversammlung über Körbchengrößen debattieren zu sehen, mag manchen Aktienbesitzer erfreut haben. Der Chef der britischen Kaufhauskette Marks & Spencer konnte dem jedoch offenbar nicht viel abgewinnen. Nach einer Kampagne einer Britin gegen den Aufpreis für BHs in Übergrößen räumte der Warenhausgigant nun seine Niederlage ein: Von diesem Wochenende an kosten große BHs nicht mehr als kleine. Die Debatte über das Für und Wider großer Brüste bleibt jedoch weiter in vollem Gange.

3,40 Pfund-Anteil als Eintrittskarte zur Hauptversammlung

Anführerin des Körbchenkampfes ist Beckie Williams. Die 26-Jährige aus dem Seebad Brighton hatte die Internetkampagne "Busts 4 Justice" (in etwa: Busen für Gerechtigkeit) ins Leben gerufen und schnell mehr als 13000 Anhängerinnen sowie die Boulevardpresse hinter sich versammelt. Sie alle fanden es unfair, dass Marks & Spencer für Büstenhalter ab Körbchengröße DD einen Aufpreis von zwei Pfund (rund 2,20 Euro) kassierte. Für größere Hosen müsste man ja auch nicht mehr bezahlen, so das Argument der Busen-Freundinnen.

Weil die Firma, die jede Minute 45 BHs verkauft, aber nicht an ihrer Preispolitik rütteln wollte, kaufte sich Williams eine Aktie von Marks & Spencer. Mit dem Anteil von 3,40 Pfund wollte sie sich Zugang zu der Hauptversammlung im Juli verschaffen und Unternehmenschef Stuart Rose mit dem "umfangreichen" Problem konfrontieren. "Sie wollen mir nicht als Kundin zuhören, aber vielleicht hören sie mir als Anteilseignerin zu", warnte Williams, die angeblich selbst Körbchengröße F trägt. Andere Unterwäschehäuser, die keinen Körbchen-Aufpreis erheben, witterten die Gunst der Stunde und zeterten über die "Diskriminierung" von Frauen mit großem Busen. In Internetforen drückten Betroffene ihren Unmut aus: "Warum werden wir für etwas bestraft, das uns die Natur gegeben hat?", hieß es in einem Kommentar.

Marks & Spencer betonte zwar, dass große Größen bessere Verarbeitung bräuchten als kleine. "Das ist genau wie mit größeren, technisch optimierten Autos", sprang dem Haus Michelle Mone von der Unterwäschefirma Ultimo zur Seite, "die sind auch teurer." Prominente Seite-Eins -Mädchen protestierten dagegen, und andere Firmen nutzten die Gelegenheit, um werbewirksam ihre BH-Preise für Übergrößen zu reduzieren.

Und so lenkte Marks & Spencer letztlich ein und entschuldigte sich für die Preispolitik. Freilich nicht, ohne neue BH-Sonderangebote zu machen, die als "Entschädigung" anzusehen seien. 3,3Millionen Euro dürften dem Konzern jetzt durch die Abschaffung des Zwei-Pfund-Aufschlages entgehen.

Die mit großer Oberweite gesegnete Damenwelt triumphiert derweil. "Ich könnte schreien vor Glück", sagte Beckie Williams gestern. Ultimo, die gar vier Pfund extra für alle BHs über Doppel-D berechnen, ist das nächste Angriffsziel der Aktivistin. Sie sagt: "Großbusige Frauen zahlen schon genug - zum Beispiel durch ewige Rückenschmerzen."

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer