155 Menschen starben bei der Brandkatastrophe vor zehn Jahren. Bis heute kämpfen Opfer und Angehörige um Gerechtigkeit.

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Nach dem Unglück von Kaprun liegen sich trauernde Angehörige an der Talstation in den Armen.

Nach dem Unglück von Kaprun liegen sich trauernde Angehörige an der Talstation in den Armen.

dpa

Nach dem Unglück von Kaprun liegen sich trauernde Angehörige an der Talstation in den Armen.

Wien. Zehn Jahre ist es her, als sich am 11. November 2000 eine Gletscherbahn im österreichischen Kaprun auf den Weg zum Kitzsteinhorn machte. Kurz nach dem Start brach ein Feuer im letzten Wagen aus, das sich schnell ausbreitete und eine Sicherheitsbremse auslöste. Mitten im Tunnel stoppte die Bahn, deren Türen sich von innen nicht öffnen ließen. Der Zug wurde zur Feuerfalle für 155 Menschen, darunter 92 Österreicher und 37 Deutsche.

16 Verantwortliche wurden angeklagt, aber freigesprochen

Im kollektiven Gedächtnis Österreichs ist das Unglück verankert als schlimmster Brand der Nachkriegsgeschichte. Viele Angehörige und die 18 Überlebenden finden keine Ruhe - wer die Verantwortung für die Katastrophe hat, wurde nie geklärt.

16 Mitarbeiter der Seilbahn und Verantwortliche von Baufirmen und Behörden wurden angeklagt, waren 2004 aber freigesprochen worden. Nach den Erkenntnissen der Richter wurde das Unglück durch einen überhitzten Heißluftofen ausgelöst. Als Öl aus dem Bremssystem austrat, entzündete sich Feuer.

"Der Unfall war voraussehbar und vermeidbar."

Hans-Joachim Keim, Gutachter

Viele Opferangehörige und Überlebende glauben, dass die österreichische Justiz versagt hat. "Die Opfer suchen nach Gerechtigkeit, nach der Übernahme von Verantwortung in Österreich", sagt etwa Bernd Geier, Sohn eines der zwölf Überlebenden. Für den deutschen Gutachter Hans-Joachim Keim steht fest: "Der Unfall war voraussehbar und vermeidbar. (...) Der Heizlüfter durfte auf keinen Fall eingebaut werden."

Seit März 2010 ist die Katastrophe in Österreich strafrechtlich verjährt, ein Zivilverfahren japanischer Opfer läuft in Berufung. Der Wiener Anwalt Gerhard Podovsovnik, der 60 Opferangehörige vertritt, kämpft um ein Wiederaufrollen des Falls. In Deutschland hat er etliche Klagen eingereicht, unter anderem gegen die vier Hauptgutachter des Prozesses. Die Expertenkommission sei befangen gewesen. "Ich glaube nicht an so viele Zufälle."

Ein Anwalt klagt weiter, einige Angehörige befremdet dieser Eifer

Gegen 9.10 Uhr meldet der Zugführer Feuer im hinteren Teil der Seilbahn. Ein überhitzter Heizstrahler hatte die Rückwand der Kabine in Brand gesetzt. Fahrgäste setzen per Handy einen Notruf ab. Türen und Fenster lassen sich von innen nicht öffnen.

Ein Mann schlägt mit einem Skistock ein Fenster ein. Dadurch können einige Urlauber aus der Bahn entkommen. Wer bergauf auf einer schmalen Nottreppe um sein Leben rennt, erstickt an den Rauchgasen im Tunnel. 18 Menschen entkommen dem Inferno.

Vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof will der Anwalt beweisen, "dass die Verfahren in Österreich nicht fair waren". Es sei Druck ausgeübt worden, Beweismittel seien vernichtet worden. Auch in den USA klagt er vor einem Zivilgericht. Manche Angehörige befremdet solcher Eifer. Sie glauben, dass er die Verhandlungen über Entschädigungen behindert habe.

Die Deutsche Barbara Mayerhofer, deren Mann und Tochter in dem Inferno starben, hofft nur, dass "die Wahrheit" ans Tageslicht kommt.

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