Einsturz: Kevin K. (17) wurde von den Trümmern sofort getötet. Staatsanwalt ermittelt noch gegen Unbekannt.

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Feuerwehrleute bergen die Leiche des 17-jährigen Kevin K. aus den Trümmern des eingestürzten Stadtarchivs in Köln. Der Bäckerlehrling hatte im Nachbarhaus gewohnt, das ebenfalls zusammengebrochen war.

Feuerwehrleute bergen die Leiche des 17-jährigen Kevin K. aus den Trümmern des eingestürzten Stadtarchivs in Köln. Der Bäckerlehrling hatte im Nachbarhaus gewohnt, das ebenfalls zusammengebrochen war.

dpa

Feuerwehrleute bergen die Leiche des 17-jährigen Kevin K. aus den Trümmern des eingestürzten Stadtarchivs in Köln. Der Bäckerlehrling hatte im Nachbarhaus gewohnt, das ebenfalls zusammengebrochen war.

Köln. Was viele befürchtet haben, ist traurige Gewissheit geworden: Der Einsturz des Historischen Kölner Stadtarchivs hat auch Menschenleben gekostet. Sonntagmorgen fanden die Einsatzkräfte die Leiche von Kevin K. Der 17-Jährige wohnte in der Severinstraße im Dachgeschoss von Haus Nummer 230, das bei der Katastrophe ebenfalls zusammengebrochen war. Der Bäckerlehrling lag wohl im Bett, um sich nach seiner Nachtschicht auszuschlafen, als er von den Trümmern getroffen wurde. Nach Polizeiangaben war er sofort tot. Von Kevins Nachbarn Khalil G. (24), fehlte am Sonntagnachmittag noch jede Spur.

Die Leiche hat in dichtem Schutt unterhalb des Kellers des eingestürzten Gebäudes gelegen. "Zunächst ragte eine Hand aus den Trümmern, dann legten die Einsatzkräfte den Kopf, die Arme und den ganzen Leichnam frei", sagt ein Polizeisprecher. Dem vorläufigen Obduktionsergebnis zufolge ist der Jugendliche durch die herabfallenden Trümmer sofort getötet worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach Angaben von Sprecher Günther Feld nun auch wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt.

Auswärtige Experten halten Vorsicht der Kölner Retter für übertreiben

Den "Krater" oder den "Trümmerkegel" nennen die Kölner das Loch an der Severinstraße, das bis oben hin mit Steinen, Geröll, Brettern und anderen Bestandteilen einer ehemals wohlgeordneten Welt gefüllt ist. Vor einer Woche stand hier noch alles: Das Archiv, in dem jede Urkunde der Stadtgeschichte ihren Platz hatte, und die beiden Nachbarhäuser, wo unter anderem Kevin und Khalil sich ihre "Buden" eingerichtet hatten. Khalil, ein Design-Student, hatte sich an jenem Dienstag krankgemeldet und war vermutlich ins Bett gegangen, um sich auszukurieren. Als alles rundherum zusammenbricht, kommt für ihn und Kevin jede Warnung zu spät.

Mehr als 400 Tonnen Schutt haben die Feuerwehrleute nach und nach mit dem Bagger, kleinere Teile aber auch mit der Hand, beiseite geschafft. Spürhunde laufen über das Trümmerfeld, manchmal bellen sie. "Die Tiere schlagen jedoch bei allem an, was nach Mensch riecht", erklärte ein Feuerwehrsprecher. Auch bei Kleidungsstücken oder Kissen.

Die Ungeduld ist groß. Schließlich konnte erst drei Tage nach dem Unglück überhaupt erst mit der Suche nach den Vermissten begonnen werden. Auswärtige Experten melden sich zu Wort und kritisieren "übertriebene Gefahrenvorsorge". Die Retter hätten zu lange gezaudert.

"Wer für welche Schäden zahlt, kann man noch nicht sagen. Und es bringt auch nichts, die einzelnen Versicherungssummen zu betrachten", sagt Kölns Stadtdirektor Guido Kahlen. "Wir haben mit den Versicherungen eine Arbeitsgemeinschaft gegründet." Mit der Provinzialversicherung hat es eine Begehung am Unglücksort in dem Bereich gegeben, in dem das Historische Archiv der Stadt stand. "Es gibt ein Bündel von Risiken und auch ein Bündel von Versicherungen. Die Arbeitsgemeinschaft soll das analysieren."

Kahlen erwartet, dass die Regulierung ähnlich erfolgt wie nach dem Brand in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar im September 2004. "Dort hat es vier Jahre und vier Monate nach dem Unglück eine außergerichtliche Einigung gegeben", sagte Kahlen. Herausgekommen sei eine zweistellige Millionensumme.

Die Stadtwerke Köln, zu denen die Verkehrs-Betriebe gehören, haben einen Hilfsfond in Höhe von einer Million Euro eingerichtet. Unbürokratisch soll diese Soforthilfe den Betroffenen zur Verfügung gestellt werden. 10 000 Euro soll jede Person erhalten, die bei dem Unglück ihr Hab und Gut verloren hat. "Im Einzelfall kann das auch mehr sein, vor allem bei Geschäftsleuten", so KVB-Chef Jürgen Fenske, "die Haftpflicht zahlt nur den Zeitwert. Wir werden aber andere Regelungen finden, wenn nötig über Kulanz." Die Stadtwerke behalten sich aber vor, das Geld für den Fond "mit versicherungs- und haftungsrechtlichen Ansprüchen zu verrechnen".

Feuerwehrsprecher Daniel Leupold bleibt ganz ruhig, wenn man ihn darauf anspricht. "Ich versichere Ihnen, der Weg, den wir gehen, ist der einzig gangbare", sagt er. "Man hat da immer diese Bilder aus Erdbebengebieten in Entwicklungsländern vor Augen mit irgendwelchen Laien, die in den Trümmern buddeln. Das ist unverantwortlich." An der Kölner Unglücksstelle waren mehrere Hausruinen vom Einsturz bedroht - sie mussten erst abgerissen werden. Außerdem war der Boden so instabil, dass fast 2000 Kubikmeter Beton eingefüllt werden mussten, damit er nicht wegsackte.

Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB), Bauherrin der U-Bahn, haben bisher keinerlei Versäumnisse eingestanden. Für Projektleiter Rolf Papst war der Einsturz "eine nicht aufgeklärte Havarie, die sich in keinster Weise angekündigt hat". KVB-Chef Jürgen Fenske entschuldigte sich am Sonntag allerdings im Namen seines Unternehmens: "Die KVB will sich entschuldigen bei den Angehörigen des Opfers - der Opfer - und bei all denjenigen, die sich nun Sorgen machen in Köln."

Ab Montag sollen die weiträumigen Absperrungen zurückgefahren werden. "Das öffentliche Leben soll so gut wie möglich wieder seinen normalen Weg nehmen", sagt der Leitende Polizeidirektor Dieter Klinger.

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