Der evangelische Pastor aus Rees ist auf dem Weg, eine Frau zu werden. Seine Gemeinde steht weiter zu ihm.

transsexuell
Die Gesichtszüge und die Kleidung von Pfarrer Hans-Gerd Spörkel sind in letzter Zeit weiblicher geworden.

Die Gesichtszüge und die Kleidung von Pfarrer Hans-Gerd Spörkel sind in letzter Zeit weiblicher geworden.

Andrea Heimann

Die Gesichtszüge und die Kleidung von Pfarrer Hans-Gerd Spörkel sind in letzter Zeit weiblicher geworden.

Rees. An seinem 50. Geburtstag sprach Hans-Gerd Spörkel (54) zum ersten Mal aus, was ihn schon sein ganzes Leben beschäftigt hatte. „Ich fühle mich in meinem Körper nicht wohl, eigentlich empfinde ich eher als Frau.“ Eine Einsicht, die alles bisher Gewesene in Frage stellte.

Alles Bisherige, das war die Arbeit als Pfarrer in seiner evangelischen Gemeinde in Rees-Haldern am Niederrhein. Dort war Spörkel eher durch ungewöhnliche Aktionen aufgefallen. Zu seinen „Da-staunst-du-Gottesdiensten“ lud er sich ungewöhnliche Gäste ein. Einmal diskutierte er in der Kirche mit einem Häftling über das Thema Freiheit.

„Ein Gefühl zwischen Befreiung und Verzweiflung“

Hans-Gerd Spörkel über sein Coming-Out vor der Gemeinde

Die Gemeinde schätzt seine unkonventionelle Art. Dass ihr Pastor transsexuell ist, auf dem Weg, eine Frau zu werden, davon wusste sie nichts. Es gab Gerüchte über ihn, der verheiratet war, inzwischen geschieden ist – aber die gibt es auf dem Land viele. Nach einem Gottesdienst am 2. Januar lud Spörkel seine Schäfchen zum Kaffee – und offenbarte sich. „Ein Gefühl zwischen Befreiung und Verzweiflung“. Trotz einzelner kritischer Stimmen, waren die Reaktionen positiv. „Das hat mich tief beeindruckt“.

Ein halbes Jahr musste Spörkel in Kur, der Leidensdruck war zu groß

Ein kleiner Trost. In den vier Jahren zwischen seinem Eingeständnis und dem öffentlichen Bekenntnis vor der Gemeinde lief es nicht gut. Euphorie innerhalb der Familie habe es nicht gerade gegeben. „Eine emotionale Achterbahnfahrt.“ Ein halbes Jahr war er arbeitsunfähig und musste sich behandeln lassen. „Privat haben sich Menschen von mir distanziert. Das hat mich getroffen.“

Auch die Frage, wie es mit seinem Dienst in der Kirche weitergeht, machte Spörkel Sorge. Vorgesetzte und Presbyterium wollen ihn weiter als Pfarrer und jetzt auch die Gemeinde. Spörkel sagt aber auch, dass es ein schwieriger und langer Entscheidungsprozess für alle Seiten gewesen sei.

Laut Weltgesundheitsorganisation ist Transsexualität, auch Transsexualismus genannt, eine Form der Geschlechtsidentitätsstörung. Die körperlichen Merkmale sind zwar eindeutig männlich oder weiblich, der Mensch empfindet sich aber als Angehöriger des anderen Geschlechts.

Woher die Identitätsstörung kommt, ist weitgehend unbekannt. Erste Anzeichen können bereits im Kindesalter auftauchen. Schätzungen gehen davon aus, dass 6000 bis 8000 Menschen in Deutschland transsexuell sind.

Das Transsexuellengesetz (TSG) gibt eine kleine Lösung (Änderung des Vornamens) vor und eine große, inklusive geschlechtsangleichender Operation und Änderung des Personenstands.

Wie weit er den Weg bis zum neuen Geschlecht gehen will, das weiß Sprökel noch nicht. Derzeit macht er eine Hormontherapie. Seine Gesichtszüge sind weiblicher geworden, sein Körper hat begonnen, sich zu verändern.

Ob am Ende des Wegs eine Operation zur Frau steht, weiß Spörkel nicht

„Ob am Ende aber eine geschlechtsangleichende Operation und ein neuer Name stehen, will ich noch nicht entscheiden.“ In Rock oder Kleid ist Spörkel nicht unterwegs, seine Kleidung sei aber weiblicher geworden.

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