Hoher Besuch
Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff besucht den Katastrophenort.

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff besucht den Katastrophenort.

Obdachlos gewordene Menschen kampieren in einer Sporthalle.

Zertrümmerte Häuser nach den Erdrutschen in Brasilien.

Angehörige nehmen Abschied von den Opfern der Erdrutsche bei Rio.

Die Naturkatastrophe ist die schlimmste des Landes seit Jahrzehnten.

Rettungskräfte suchen nach Opfern der Erdrutsche in Braslien. Besonders betroffen waren Teresópolis, rund 100 Kilometer von Rio entfernt, und die Stadt Nova Friburgo.

Nach heftigen Regenfällen haben sich Erdmassen gelöst und sind auf bewohntes Gebiet gestürzt.

Die Zahl der Opfer nach den Erdrutschen in Brasilien steigt.

dpa, Bild 1 von 8

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff besucht den Katastrophenort.

Rio de Janeiro (dpa) - Brasilien im Schockzustand: Bei einer der größten Unwetter-Katastrophen in der Geschichte des Landes sind im bergigen Hinterland von Rio de Janeiro mindestens 511 Menschen gestorben.

Nahezu stündlich melden die Behörden aus dem Krisengebiet der Serrana-Region höhere Opferzahlen. Nach Medienangaben werden noch hunderte Menschen vermisst. In den besonderes betroffenen Städten gab es auch am Freitag zum Teil keinen Strom. Trinkwasser und Lebensmittel wurden knapp. Helfer sprachen von chaotischen Zuständen.

Allein im Ort Nova Friburgo stieg die Zahl der Todesopfer bis Freitagmittag auf 225. In Teresópolis, rund 100 Kilometer von Rio entfernt, starben 223 Menschen. Mehr als 10 000 Menschen sind in Notunterkünften untergebracht. Hunderte Rettungskräfte waren mit Suchhunden im Einsatz. Das Militär schickte zwei Helikopter zur Unterstützung. Die Chance, noch Überlebende zu finden, sank stündlich. «Die Erde ist nach dem vielen Regen völlig aufgeweicht, und es besteht das Risiko neuer Erdrutsche», sagte ein Feuerwehrsprecher.

In dem bis zu 870 Meter über dem Meeresspiegel liegenden Katastrophengebiet bot sich ein Bild der Zerstörung. Zahllose Autos und Lastwagen wurden durch die Gewalt der Schlamm- und Gerölllawinen fortgespült, landeten wahllos auf Bäumen oder auf Hausdächern. Die Wassermassen rissen hunderte Häuser teilweise oder ganz ein. Straßen waren durch Erdrutsche blockiert.

Die rund 20 000 Einwohner zählende Stadt São José do Vale do Rio Preto war immer noch isoliert. «Das Wasser kam von Teresópolis und erreichte die Stadt mit einer brutalen Kraft, die alles zerstörte», sagte der Landtagsabgeordnete Nilton Salomão, der versuchte in die Stadt vorzudringen. Keiner wisse, wie viele Tote es dort gebe.

Anhaltende Regenfälle erschwerten die Bergungsarbeiten. In Nova Friburgo musste die Suche nach Überlebenden wegen der Gefahr neuer Erdrutsche zeitweise unterbrochen werden. Auch am Freitag gab es in der Region teils heftige Niederschläge, die nach Angaben der Meteorologen am Wochenende weiter andauern sollen. Das Rote Kreuz sprach von chaotischen Zuständen.

Experten machten das unkontrollierte Wachstum der Städte im Bergland des Bundesstaates Rio de Janeiro für das Ausmaß der Katastrophe mit verantwortlich. Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff sagte: «Die Vorbeugung ist nicht nur eine Frage des Zivilschutzes, sie ist eine Frage der Kanalisation, der Entwässerung und der Wohnungspolitik der Regierung.»

In der Hauptstadt Brásilia gingen Kondolenzschreiben aus aller Welt ein. Auch Bundespräsident Christian Wulff und Außenminister Guido Westerwelle bekundeten ihr Beileid. Er habe mit großer Bestürzung von den verheerenden Überschwemmungen erfahren, schrieb Wulff an seine Amtskollegin Rousseff. «Ich möchte Ihnen und dem brasilianischen Volk, auch im Namen meiner Landsleute, meine tiefempfundene Anteilnahme aussprechen.»

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