Das Motiv des Düsseldorfer Wagenbauers soll am 25. März an der Spitze des „March for Europe“ rollen.

Düsseldorf. Die E-Mail aus Großbritannien erreicht Jacques Tilly, den Wagenbauer des Düsseldorfer Rosenmontagszugs, gerade noch rechtzeitig. Wie nach jedem Karneval ist er gerade dabei, die Mottowagen, die wegen ihrer politischen Brisanz in diesem Jahr besonders polarisiert hatten, kaputt zu machen. Da kommt von der Insel die Bitte: Können wir die Plastik mit dem Motiv zum Brexit haben? Tilly stoppt das Werk der Zerstörung und sagt spontan zu, als er hört, was die Briten damit vorhaben: Am 25. März soll die Plastik, die die britische Premierministerin zeigt, als sie sich gerade eine Pistole mit der Aufschrift „Brexit“ in den Mund steckt, in London das Zugpferd für 100 000 Menschen sein. Als Anführer des „March for Europe“, dem Protestzug in Richtung britisches Parlament.

Die Großplastik soll den Brexit-Gegnern Schwung geben

Als Peter French, der Initiator dieses Marsches, die 4,50 Meter lange, drei Meter hohe und 2,20 Meter breite Plastik am Mittwoch in Düsseldorf in Empfang genommen hat, ist er noch zwei Stunden später im Gespräch mit unserer Zeitung ganz euphorisch: „Diese großartige Plastik wird noch mehr Leute anziehen mitzumarschieren. Wir werden sie auf einem hohen Wagen präsentieren, so dass sie von überall zu sehen sein wird.“ Und dahinter sollen sich dann die erhofften 100 000 Brexit-Gegner versammeln. Mit Spruchbannern, Europaflaggen, dem Union Jack oder auch lokalen Flaggen. Und die Politiker doch noch mal zu überzeugen versuchen. Die sogenannten „Remainer“ (Verbleiber) möchten, dass der Brexit rückgängig gemacht wird, dass die Briten doch noch in der EU bleiben.

Er habe die Plastik in der Zeitung gesehen, als auch in Großbritannien über den Düsseldorfer Karnevalszug berichtet wurde, sagt Peter French. Die müssen wir haben, habe er sofort gedacht, so etwas kenne man gar nicht auf der Insel. Auch dass der Karneval so politisch sein kann wie in Düsseldorf, habe er nicht gewusst. Und so setzt er darauf, dass die Tilly-Plastik weiteren Schwung in die Bewegung bringt. „Wir werden kämpfen und kämpfen, bis wir den Brexit stoppen“, sagt der 57-jährige Schotte. In landesweit 600 Gruppen habe die Bewegung mehr als 500 000 Mitglieder – „und wir wachsen immer weiter.“

Jacques Tilly freut sich, dass die „Remainers“ die von ihm umgesetzte Idee, den „ökonomischen Selbstmord“ darzustellen, am Leben halten. Er gibt Peter French auch die Illustration, die Zeichnung des Mottowagens, mit auf den Weg. „So kann das Motiv auf T-Shirts und Tassen gedruckt werden“, sagt Tilly.

Weiterlesen: Warum drei weitere Tilly-Plastiken nicht zerstört wurden.

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