Vor 15 Jahren tauchte der Kaiman in einem Dormagener See ab.

Dormagen/Friedberg. Halb erfroren, verängstigt und hungrig - Kaiman Sammy war ein Häufchen Elend, als ihn vor 15 Jahren ein Taucher aus dem Nievenheimer See in Dormagen fischte.

Eine spektakuläre Jagd nach dem ausgebüxten Reptil mit den messerscharfen Zähnen, das in den heißen Julitagen des Sommers 1994 die Medien bundesweit in Aufregung versetzt hatte, fand ein Ende auf der Toilette des Freibades. Dort legte ein Taucher den erschöpften Kaiman mit den bernsteinfarbenen Augen nach einwöchiger Jagd ab.

Zahm wie einst, als er auch schon mal im Bett seines früheren Besitzers Jörg Zars kuscheln durfte, ist Sammy längst nicht mehr. Heute hat der berühmteste Kaiman Deutschlands auf einer "Alligator-Action-Farm" im hessischen Friedberg-Ockstadt ein Becken nur für sich. Auch dort ist er ein Star. Juniorchef René Renz: "Viele kennen ihn noch."

"Das Ungeheuer von Loch Neuss", "die Bestie vom Baggersee" - der damals rund 80 Zentimeter lange Brillenkaiman beflügelte die Fantasie im Sommer 1994. Einen Badeausflug wollte der arbeitslose Elektriker Jörg Zars mit seinem ungewöhnlichen Haustier machen, da tauchte Sammy ab. Die einwöchige "Großwildjagd" am Baggersee wurde zum Medienspektakel.

Der Strand wurde geräumt, ein Ortspolizist ging mit einem großkalibrigen Gewehr nachts auf die Pirsch, ein Schleppnetz wurde ausgelegt, Brunftrufe wurden imitiert. Doch selbst mit blutigem Rinderfilet war der freiheitsliebende Kaiman nicht zu ködern.

Ein Fan-Club bildete sich und forderte die Abschaffung der Todesstrafe für Kaimane. NRW-Innenminister Herbert Schnoor (SPD) setzte sich für den Mini-Alligator ein. Nach einer Woche kam ein Sporttaucher an den See und schnappte den kleinen Ausreißer mit der bloßen Hand.

Nach seinem Ausflug in die Freiheit begann eine Odyssee für Sammy. Zunächst wurde er in den Kölner Zoo gebracht, dann fand er Exil im Tierpark Falkenstein in Sachsen. Zwar kämpfte Jörg Zars um seinen moosgrünen Freund und durfte ihn zeitweise wieder bei sich aufnehmen, doch er scheiterte 1998 vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht.

Schweren Herzens gab der Tierpark Falkenstein seine größte Attraktion im Jahr 2006 in andere Hände - "aus Sicherheitsgründen". Sammy war wild, biss häufig zu. Schon das Saubermachen des Beckens war schwierig.

Inzwischen lebt Sammy in dem Krokodilzoo in Friedberg, ist etwa 20 Jahre alt, also immer noch ein Jungspund, und mehr als 1,60 Meter lang. Er hat ein eigenes Becken, und vielleicht bekommt er bald ein Weibchen als Gespielin. Aber da muss man vorsichtig sein: Manche Kaimane bringen ihre Weibchen um. Außerdem hätte bei einer Paarung der deutsche Staat ein Wörtchen mitzureden, denn Sammy ist ein beschlagnahmtes Tier.

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