Die Modedesigner setzen angesichts der Krise auf die Mittelklasse.

Das belgische Label "Mais il est ou le soleil?" treibt den Lagen-Look auf die Spitze.
Das belgische Label "Mais il est ou le soleil?" treibt den Lagen-Look auf die Spitze.

Das belgische Label "Mais il est ou le soleil?" treibt den Lagen-Look auf die Spitze.

Bernd Schaller

Das belgische Label "Mais il est ou le soleil?" treibt den Lagen-Look auf die Spitze.

Düsseldorf. Zwei Varianten gibt es, der aktuellen Wirtschaftskrise zu trotzen: Durchhalten mit viel Strenge und Geradlinigkeit oder aber gelassen abwartend mit einem entspannten Lächeln auf den Lippen. Für beide Typen halten die Modedesigner im kommenden Herbst das passende Rezept parat. Das zeigen die Trends, die noch bis morgen auf den Igedo Fashion Fairs in Düsseldorf zu sehen sind. Außer auf tragbare neue Mode können sich die Kunden wohl auch auf ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis freuen. Denn: Die Branche entdeckt die "bürgerliche Mitte" wieder. Galt bisher entweder sündhaft-teuer oder discount-billig als Zauberformel, soll sich das angesichts der Krise ändern. "Es war falsch, nur noch auf die Superreichen zu setzen, wir müssen das mittlere Segment zurückgewinnen", sagt Peter Paul Polte, Herausgeber der Fachzeitschrift "Textilwirtschaft".

Auf welche Mode dürfen wir uns im Herbst/Winter 2009/2010 freuen?

Drei Trends kristallisieren sich heraus: "Slow Comfort" setzt auf weiche, warme Materialien zum Wohlfühlen und Entspannen in gedeckten Farben. Gewalkte Wolle, Jersey, feiner Strick, aber auch Spitze sorgen für fließende Silhouetten. Kleider schmeicheln mit Wasserfallkragen und werden mit Raffungen drapiert, enden aber definitiv über dem Knie - ebenso wie die Röcke. Hosen werden weiter, und auch die Karottenform bekommt eine zweite Chance. "Hochwasser"-Hosen erweisen sich künftig als salonfähig: 7/8-Hosen etwa kombinieren die Designer mit Stulpen, "normale" Hosenlängen werden einfach hochgekrempelt. Ganz wichtig sind die Accessoires: Strick- und vor allem Schiebermützen müssen ebenso sein wie Soft-Veloursstiefel, die locker in Falten fallen, Fransentaschen aus Velours, Fell-Westen und dicke Wollstrümpfe.

Der zweite Trend setzt den Kontrast. Hier dominieren schmale Silhouetten und scharfe Schnitte - eben Strenge und Geradlinigkeit.

Schwarz, Grau und Dunkelbraun sind die Farben. Hosenanzüge für Damen feiern ihr Comeback; schmal und schwarz sollten sie sein. Dazu passen Rollkragenpullover, weiße Blusen oder feine Strickoberteile, die nur dezent dekoriert sind. Dafür dürfen die Accessoires um so üppiger ausfallen. Massenweise Schmuck peppt die schlichte Mode auf. Spitze Schuhe, gerne mit sehr hohem Absatz, komplettieren das Outfit.

Wer sich zwischen diesen beiden Trend-Extremen bewegen möchte, der greift auf den Brit-Style zurück. Dieser Klassiker drängt sich im kommenden Herbst wieder nach vorne. Karos, Karos und nochmals Karos lautet hier die Devise: Auf Blusen, Röcken, Strümpfen und Schals, selbst auf Röhrenjeans sind sie zu finden. Mann und Frau kommen fast nicht an ihnen vorbei.

Was bleibt im kommenden Herbst/Winter aktuell?

Kleider, Strickjacken, Röhrenjeans und lange Schaftstiefel dürfen bleiben. Auch grobe Strickpullover, dicke Schals und lässige "Boyfriend-Sakkos" schaffen den Sprung in die nächste Saison. Der Lagen-Look mit kurzen Jäckchen über Tuniken oder Kleidern passt perfekt zum neuen Wohlfühl-Trend. Er wird aufgepeppt mit Stulpen an Armen und Beinen, mit einer stärkeren Betonung der Taille sowie mit Drapierungen und Raffungen. Parka und Trenchcoat bleiben en vogue. Nicht wegzudenken bei den Schuhen sind "Chucks" und Ballerinas. Die Farben Lila und Petrol bleiben und dürfen die soften Erdtöne und das neu entdeckte Schwarz begleiten.

Von welchen Trends müssen wir uns verabschieden?

Glitzer, üppige Dekorationen und Stickereien gehören der Vergangenheit an. "Mode-Chichi geht nicht mehr", sagen die Trendexperten. Die Garderobe wird quasi von allem Überflüssigen befreit. "Alles ist falsch, was irgendwie aussieht wie schon einmal dagewesen", sagt Elke Giese vom Deutschen Mode-Institut. Keine Chance haben zudem wadenlange Röcke, die bereits in diesem Winter wie Blei in den Regalen lagen.

 

 

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