Hollywoodstars und Models machen es vor: Gehen auf High Heels will gelernt sein. Eine Selbsthilfegruppe für Flachfüßler hilft.

Diese Damen bewegen sich sicher auf hohen Absätzen – alle anderen können Nachhilfe nehmen.
Diese Damen bewegen sich sicher auf hohen Absätzen – alle anderen können Nachhilfe nehmen.

Diese Damen bewegen sich sicher auf hohen Absätzen – alle anderen können Nachhilfe nehmen.

dpa

Diese Damen bewegen sich sicher auf hohen Absätzen – alle anderen können Nachhilfe nehmen.

München. Graziös schwebt sie heran, groß, aufrecht und elegant. Der Schuh macht’s möglich: High Heels können aus der tapsenden Normalfrau eine stolze Königin zaubern – wenn frau es kann. Sicherheit und Eleganz auf hohen Absätzen ist lernbar. In Kursen üben Frauen weltweit den Gang auf Stilettos – von Berlin bis London und New York.

„Was elegant aussieht, ist auch gesund“, behauptet die Münchner High-Heel-Lehrerin Edeltraud Breitenberger. Sie wendet sich an Frauen, „die ihre Weiblichkeit unterstreichen, sich beim Gehen auf höheren Absätzen im Körper zu Hause fühlen möchten“. Auch Männer lernen bei ihr laufen: Viele Herren wollen sich eleganter bewegen. „Gehen wie Richard Gere“, verspricht sie Kunden.

Also Rücken gerade, Brust raus, Kinn leicht gesenkt, die Fesseln elegant eng beisammen – so sieht der Gang bei den Profis aus. „Ihr seid Königinnen“, ruft die Bewegungstherapeutin ihren Schülerinnen zu, die die ersten Schritte wagen. „Die Brust betritt zuerst den Raum“, sagt sie. Schließlich gehe es darum, die Weiblichkeit zu unterstreichen.

„Der große Zeh ist der Boss der High Heels.“

Edeltraut Breitenberger, High-Heel-Lehrerin

Doch davor müssen die Teilnehmerinnen ganz unten anfangen, bei den Füßen: Der Kurs beginnt mit Fußmassage und Zehentraining. „Der große Zeh ist der Boss der High Heels“, erklärt Breitenberger, die auch Tango-Tänzerinnen berät. Ist er stark, hält er das Gleichgewicht.

Orthopäden warnen vor dem regelmäßigen Tragen von Schuhen mit mehr als drei Zentimetern Absatz. „Das Gangverhalten verändert sich“, sagt die Chefärztin der Klinik für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie in Bad Neustadt, Renée Andrea Fuhrmann.

Der Ansatz des Absatzes sollte leicht geschwungen sein, so dass der Stöckel direkt unter der Mitte der Ferse steht. Ist der Absatz zu weit hinten, ist ein Abrollen fast unmöglich, schlecht für die Haltung. Ab zehn Zentimetern, gemessen in der Mitte des Absatzes, beginnt laut Definition der High Heel. Schummeln mit Plateausohlen gilt nicht: Das Plateau wird abgezogen. Ab 14 Zentimetern gilt ein Schuh als Fetisch.

Das belegten Gang- oder Muskelaktionsanalysen. „Wer mehr als dreimal in der Woche High Heels trägt, der wird Probleme bekommen.“ Zehn Prozent von Fuhrmanns Patientinnen kommen mit Problemen durch Gehen auf hohem Fuß.

„Tragen von Absatzschuhen über lange Zeit kann zu Rückenschmerzen führen“, sagt die Fußchirurgin. Und Achillessehne sowie Wadenmuskulatur verkürzten sich – beim „Cinderella-Syndrom“ tut dann Gehen ohne High Heels weh. „Ich habe viele Patientinnen, die sagen: Ich kann nicht mehr flach laufen.“ Wie für Sportler sei auch für High-Heel-Läuferinnen dehnen wichtig.

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