IM „Hermann“ sollte über die Narren Kontakte zu Wirtschaft und Politik knüpfen.

Affäre
Die Stasi ließ auch den Rosenmontagszug filmen.

Die Stasi ließ auch den Rosenmontagszug filmen.

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Die Stasi ließ auch den Rosenmontagszug filmen.

Düsseldorf. Was steckt hinter der ansteckenden rheinischen Fröhlichkeit? Ein Geheimnis, dem die DDR-Staatssicherheit auf den Grund gehen wollte. 1988 setzte sie den Informellen Mitarbeiter (IM) „Hermann“ in Marsch, um den Düsseldorfer Karneval bespitzeln zu lassen. Der heute 62-Jährige gab sich als Schweizer Geschäftsmann aus und schlich sich in die Gerresheimer Bürgerwehr ein.

Günter Bormann, Referatsleiter der Bundesbehörde für Stasi-Unterlagen, bestätigt, dass es dort eine Akte über den Düsseldorfer Karneval gibt: „Das hört sich zunächst lustig an, ist es aber nicht. Der Staatssicherheit ging es darum, über den Karneval Kontakte zu Politik und Wirtschaft zu knüpfen.“ Ob das gelungen ist, wisse man nicht: „Hermann war ein so genannter ,Werber’, der Informationen über mögliche Ansprechpartner beschaffte. Dann übernahmen andere Stasi-Mitarbeiter die weitere Arbeit.“

Stasi erfuhr, dass man vom Feiern verquollene Augen bekommt

Was Hermann nach Ostberlin lieferte, war erstaunlich: Nachdem er sich mit einem Karnevalisten angefreundet hatte, brachte er den Mann angetrunken heim und stellte fest, dass man vom Karneval „verquollene Augen“ bekommt. Außerdem warb er einen Mann namens „Bote“ an, der für die Stasi den Düsseldorfer Rosenmontagszug filmen sollte – den man auch live im Fernsehen verfolgen konnte. „Bote“ ahnte allerdings nicht, wer seine Auftraggeber waren. Inzwischen soll „Hermann“ wieder in Leipzig leben.

„Ich habe nichts davon gespürt, dass wir damals von der Stasi beobachtet wurden“, sagt Engelbert Oxenfort, Präsident des Düsseldorfer Carnevals Comitees, der auch 1988 schon an vorderster Front im Karneval aktiv war. Er sieht das Ganze mit einem Augenzwinkern: „Immerhin ist es ja fast eine Ehre, dass die Stasi unseren Rosenmontagszug gefilmt hat. Das heißt, dass er offenbar spannender als der Kölner sein muss.“

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