Am 13. April 1992 wurde das stärkste Erdbeben seit 1756 registriert. Eine Frau starb vor Schreck an Herzversagen, 30 Menschen wurden verletzt.

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In Bonn stürzten während des Bebens Gebäudeteile auf ein geparktes Auto.

In Heinsberg wurde bei einem Haus mit Backsteinen die Außenmauer beschädigt.

Ilka Jaroch, Bild 1 von 3

Düsseldorf. Die Geisterstunde begann am 13. April 1992 erst um 3.20 Uhr: In Küchenschränken klappert Geschirr, Schränke kippen, Stühle ruckeln durchs Zimmer. Mitten in der Nacht schrecken Zehntausende Menschen im Rheinland aus dem Schlaf und fragen: Was ist passiert?

Nach und nach verbreitet sich die Nachricht: Ein Erdbeben hat das Rheinland durchgeschüttelt – das schwerste nördlich der Alpen seit 1756. Bis nach London, Berlin und München waren die Erdstöße der Stärke 6,0 zu spüren. Wer durch den wackelnden Boden und das dunkle Grollen wach wurde, wird es sein Leben lang nicht vergessen. Im ersten Schreck dachten manche, eine Bombe sei explodiert oder ein Flugzeug abgestürzt. „Als wenn ein Güterzug durch den Keller fährt“, wurde das rollende Geräusch beschrieben.

Die Schadenssumme betrug 130 Millionen Euro

Natur
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In Bonn stürzten während des Bebens Gebäudeteile auf ein geparktes Auto.

In Heinsberg wurde bei einem Haus mit Backsteinen die Außenmauer beschädigt.

dpa, Bild 1 von 3

In Bonn stürzten während des Bebens Gebäudeteile auf ein geparktes Auto.

In Bonn starb eine 79-jährige Rentnerin an Herzversagen nach einem „Erdbebenschock“. Insgesamt wurden 7200 Gebäude beschädigt. Am Kölner Dom krachte eine 1,50 Meter große Kreuzblume aus Naturstein herab. Besonders schlimm war es im Kreis Heinsberg nahe beim Epizentrum im niederländischen Roermond: Etwa 60 Menschen wurden beiderseits der Grenze verletzt, in einigen Straßen war jedes zweite Haus beschädigt, manche mussten abgerissen werden. Unter dem Strich stand die Schadenssumme von umgerechnet 130 Millionen Euro.

Da es in der Nacht bebte, fielen die Schäden vergleichsweise gering aus

Es hätte viel schlimmer ausgehen können. Denn zur Katastrophenzeit mitten in der Nacht waren die Menschen im Bett und nicht auf der Straße, wo es Gesteinsbrocken und Ziegel hagelte. Das Erdbeben selbst ereignete sich in großer Tiefe, 17 Kilometer in der Erde, und ging deshalb relativ glimpflich aus.

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In Bonn stürzten während des Bebens Gebäudeteile auf ein geparktes Auto.

In Heinsberg wurde bei einem Haus mit Backsteinen die Außenmauer beschädigt.

dpa, Bild 1 von 3

In Heinsberg wurde bei einem Haus mit Backsteinen die Außenmauer beschädigt.

Die niederrheinische Bucht, die Senke zwischen dem Bergischen Land und der Eifel, ist wie der Oberrheingraben und die Schwäbische Alb eine Erdbebenregion. Immer wieder wird der Boden mehr oder weniger heftig von den gewaltigen tektonischen Kräften im Untergrund erschüttert. Zeitpunkt und genauer Ort können nicht vorhergesagt werden. Was die Stärke angeht, sind vergangene Ereignisse ein Richtpunkt. „Dass solche Beben in Zukunft kommen werden, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche“, sagt Prof. Klaus-G. Hinzen, Leiter der Erdbebenwarte.

Je nach Stärke und Ort könnte es künftig schlimmer aussehen

Am Niederrhein werden etwa zwei bis drei Erdbeben pro Woche aufgezeichnet. „Die meisten sind aber weit unterhalb der Fühlbarkeitsschwelle des Menschen“, sagt Klaus Lehmann, Leiter des Erdbebendienstes beim Geologischen Dienst NRW in Krefeld. Seit Beginn der Aufzeichnungen der Landesbehörde im Jahr 1980 wurden mehr als 1600 Erdbeben aufgenommen.

Je nach Stärke und Ort könnte es dann auch schlimmer ausgehen als vor 20 Jahren. Bei einem starken Beben nahe Köln halten Versicherungen Szenarien mit zweistelligen Milliardenschäden für möglich. „Dann wären auch Todesopfer zu befürchten“, sagt der Experte.

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