Biomüll: Naturschützer wettern gegen die lauten „Luftbesen“, die sogar die Igel bedrohen.

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Kaum noch zu sehen ist der junge Mann, der das Laub mit einer Maschine auf einen Haufen bläst.

Kaum noch zu sehen ist der junge Mann, der das Laub mit einer Maschine auf einen Haufen bläst.

dpa

Kaum noch zu sehen ist der junge Mann, der das Laub mit einer Maschine auf einen Haufen bläst.

Düsseldorf. Eine Augenweide, aber auch eine gefährliche Rutschbahn: Der Herbst bringt Unmengen von Laub. Prächtig anzusehen, solange es in den Bäumen hängt. Doch auf Gehwegen und Straßen verschmieren die Blätter besonders bei Regen zu einer rutschigen Matsche. Darum legen die Straßenkehrer jetzt Sonderschichten ein im Kampf gegen die Blätter am Boden.

Nasse Blätter verwandeln Straßen und Schienen in Rutschbahnen

In Düsseldorf sind derzeit 280Saubermänner im Laubeinsatz. Der Kampf gegen das Laub ist aber eine Sisyphos-Arbeit: "Hat das Reinigungsteam das Ende einer Straße erreicht, kann es fast schon wieder von vorne anfangen", beschreibt der Entsorgungsbetrieb Awista den Straßenkehrer-Alltag. Vor allem wegen der Verkehrssicherheit soll das Laub rasch von der Straße kommen. Auch auf den Bahnverkehr wirkt sich der Herbst aus: Die Blätterpracht verwandelt die Schienen stellenweise in Rutschbahnen und zwingt Lokführer zu langsamerem Fahren.

Hausbesitzer wollen die "Pracht" gerne loswerden, Landwirte in Obstanlagen lassen das Laub dagegen auf dem Boden liegen, es modert und wird Humus. Der Naturschutzbund Nabu appelliert, auf Beeten oder Rabatten die Blätter zu belassen: Denn Laub sei kein Abfall, sondern ein Rohstoff.

Belastetes Laub landet in der Müllverbrennung

In jedem Fall ist es eine Tonnenlast an Blättern, die allüberall in bunten Farben zu Boden schwebt - auf Straßen, Gehwege und Grünanlagen. In Düsseldorf etwa produzieren 56 000 Straßenbäume im Jahr rund 2000 Tonnen Laub. Einmal eingesammelt, wandert der größte Teil davon wegen der Belastung durch Schwermetalle und Reifenabrieb in die Müllverbrennungsanlage.

In Münster sammelt die Stadtreinigung an wenig befahrenen Straßen aber das saubere Laub und verarbeitet es zu Kompost. 300Tonnen Laub kommen zusammen. Dabei machen die Straßenreiniger Überstunden. Je schlechter das Wetter wird, desto schwieriger die Beseitigung. Und noch komplizierter wird das Einsammeln, wenn Frost und Schnee einsetzen.

Rechen und Besen sind für die Tierwelt ungefährlich

Das Verbrennen von Laub ist in den meisten Städten und Gemeinden verboten. Darauf weist die Verbraucherzentrale NRW hin. Brennendes Laub raucht und stinkt wegen seines hohen Wassergehalts, und es wird Feinstaub freigesetzt.

Wer einen Garten hat, kann das Laub fast überall liegen lassen. Eine Blätterdecke bietet den Pflanzen Schutz vor Frost. Auch bei starkem Regen bleiben so mehr Mineralien in der Erde, erläutert die Verbraucherzentrale.

Wer seinen Rasen sauber haben will, sollte das Laub über die Biotonne entsorgen. Im Restmüll haben die Blätter dagegen nichts zu suchen. In vielen Gemeinden gibt es auch spezielle Säcke für Gartenabfälle, die kostenlos abgeholt werden. Auch an den Betriebshöfen können Laubabfälle in der Regel abgegeben werden.

Immobilienbesitzer müssen nasses Laub auf dem Gehweg vor ihrem Haus entfernen. Andernfalls könnten Fußgänger ausrutschen und stürzen, warnt die Eigentümerschutzgemeinschaft Haus & Grund. Laub von Bäumen an der Straße werde in der Regel von der örtlichen Straßenreinigung beseitigt. Die Eigentümer müssten das Laub aber zu Haufen zusammenfegen, so dass Straßenrinnen und Gullys nicht verstopft werden.

Allerdings stehen den Straßenarbeitern lautstarke Helfer zur Verfügung: Kehrmaschinen, Laubbläser und Laubsauger. Die "Luftbesen" bringen den Nabu auf die Palme. "Laut wie Presslufthämmer" seien die Geräte mit Zweitakt-Motoren. Die starke Saug- oder Strahlwirkung wird in Parks oder Gärten für Käfer, Spinnen, Regenwürmer oder Asseln gefährlich. "Selbst für Igel und ihre Jungen können diese gefährlichen Luftbesen lebensbedrohlich sein", sagt der Nabu. Die Naturschützer appellieren, in Gärten oder Parks lieber zu Rechen und Besen zu greifen oder das Laub als natürlichen Wintermantel gleich liegenzulassen.

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