In Dortmund entsteht bis 2012 auf einem ehemaligen Fabrikgelände ein neues Wohn- und Büroquartier. Mittendrin: ein See, viel größer als die Hamburger Binnenalster.

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Fast die gleiche Perspektive: So sieht das Gelände heute noch aus, doch die Konturen des Gewässers sind schon klar zu erkennen.

Fast die gleiche Perspektive: So sieht das Gelände heute noch aus, doch die Konturen des Gewässers sind schon klar zu erkennen.

dpa

Fast die gleiche Perspektive: So sieht das Gelände heute noch aus, doch die Konturen des Gewässers sind schon klar zu erkennen.

Dortmund. Die Idee klang ziemlich kühn: Mitten im Ruhrgebiet ein Stahlwerk abzureißen und stattdessen einen See mit Segelhafen, Büros, Wohnhäusern und einer "Kulturinsel" anzulegen, hielten viele Bürger für undurchführbar.

Zehn Jahre nach den ersten Planungen wird das Areal in Dortmund seit Freitag offiziell geflutet. Startschuss für den Phoenix See - und Anlass für ein großes "Seefest", bei dem auch Sängerin Amy Macdonald auftritt.

Bagger bewegten für den See mehr als 2,5 Millionen Kubikmeter Erde

Dereinst soll der See mit 24 Hektar deutlich größer sein als die Hamburger Binnenalster. Den noch fast trockenen Hafen für 45 Segelboote gibt es schon. Und auch einen neuen Yachtclub - mit bereits 345 Mitgliedern. 2012 ist die erste richtige Segelsaison geplant.

Mehr als 2,5 Millionen Kubikmeter Boden haben die Bagger bewegt: sie legten Terrassen an, auf denen im kommenden Jahr die ersten Häuser entstehen, sie modellierten zwei kleine Inseln, auf denen schon Bäume wachsen. Im Westen entsteht der Hafen, ein bisschen weiter die "Kulturinsel", die über eine Brücke mit dem Ufer verbunden wird und Platz für Konzerte oder Theateraufführungen bieten soll.

Im Osten geht es ruhiger zu: Zwischen den beiden Wohngebieten entsteht eine Grünanlage mit einem großen Hügel. 67 Millionen Euro werden die Dortmunder Stadtwerke (DSW21) für das ganze Projekt aufwenden - "Wir sind optimistisch, einen Großteil des Geldes über Grundstücksverkäufe wieder herein zu bekommen", sagt Sprecher Bernd Winkelmann.

Die Emscher wurde aus ihrem unterirdischen Gefängnis entlassen

Strukturwandel im Stahlstandort Phoenix-Ost: Mehr als 160 Jahre wurde das 99 Hektar große Gelände von einem Stahlwerk beherrscht. 2001 wurde es geschlossen, Teile davon gingen nach China und wurden dort wieder aufgebaut.

2005 wurde der erste Spatenstich für den Phoenix See gefeiert, anschließend vier Jahre gebaggert: Die alten Anlagen und ihre massiven Fundamente mussten ausgegraben, Bergwerksstollen verfüllt werden.

Wie See und Umgebung in naher Zukunft aussehen werden, zeigt ein animierter Film, der kostenlos im Internet heruntergeladen werden kann, Link siehe unten.

Nicht nur der See bestimmt das Areal, sondern auch ein Fluss: die Emscher. Mehr als 160 Jahre lang musste sie als Abwasserfluss durch einen Kanal sieben Meter unter dem Gelände hindurch. Jetzt darf sie sich - frei von Abwässern - am See entlang durch neue Auen schlängeln, durch eine Promenade vom Phoenix See getrennt. 32 Millionen Euro ließ sich der Wasserwirtschaftsverband Emschergenossenschaft die Offenlegung kosten, weitere 30 Millionen Euro flossen in den Bau von neuen Abwasserkanälen.

Die Hauptattraktion wird der See mit vielen Wassersport-Möglichkeiten

Vor einem Jahr begann die Vermarktung der ersten Grundstücke für Wohnhäuser. 900Wohneinheiten sollen entstehen, darunter Einfamilienhäuser, Doppelhäuser und "Stadtvillen" mit mehreren Wohnungen.

Hauptattraktion wird der See mit viel Wassersport: Eine Regattastrecke für Ruderboote ist geplant. Wer für seine Jolle keinen Platz im Hafen bekommt, kann auf einen Liegeplatz am Südufer ausweichen. Dort hat sich eine kleine Bootswerft niedergelassen. Motorboote sind nicht erlaubt, auch schwimmen darf man nicht.

Der See hat so viel Wasser, wie in fünf Millionen Badewannen passt

Der See ist bereits ein bisschen zu sehen. Schon vor einigen Wochen wurden die Pumpen abgestellt, die das Grundwasser niedrig hielten. Seitdem füllt sich das Seebecken auf natürliche Weise. Die "Flutung", die jetzt gefeiert wird, ist daher eigentlich eine "Speisung". Ein Jahr lang soll sie dauern. 600.000 Kubikmeter Wasser wird der See einst fassen - so viel, wie in rund fünf Millionen Badewannen passt.

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