Ein Ehepaar aus Sprockhövel wird durch doppelten Einschlag unsanft aus dem Schlaf gerissen.

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Etwas mehr als vier Zentimeter lang, rotbraun und zerklüftet: der mutmaßliche Meteoritensplitter.

Etwas mehr als vier Zentimeter lang, rotbraun und zerklüftet: der mutmaßliche Meteoritensplitter.

Andreas Fischer

Etwas mehr als vier Zentimeter lang, rotbraun und zerklüftet: der mutmaßliche Meteoritensplitter.

Sprockhövel. Alles Gute kommt angeblich von oben. Doch Hildegard und Gustav Wojke aus Sprockhövel widersprechen dem derzeit vehement. Der Grund: Mitten in der Nacht krachte ein mutmaßlicher Meteorit auf ihr Grundstück.

Um 3.20 Uhr schlug das Bröckchen Himmelsgestein auf dem Flachdach des Wojkeschen Bungalows ein, direkt über dem Schlafzimmer des Ehepaares - und das mitten im idyllisch gelegenen Wohngebiet.

Gesteinssplitter hat nur wenige Zentimeter Durchmesser

"Ein dumpfer Schlag riss mich aus dem Schlaf", schildert Gustav Wojke unserer Zeitung das Geschehen. "Ich dachte, es steigen uns Einbrecher aufs Dach." Schlaflos lagen er und seine Frau im Bett - "immer auf der Lauer", wie sie sagen.

Tatsächlich folgte um 5.50 Uhr ein weiterer Einschlag. Am Morgen darauf entdeckte Wojke einen der Gesteinsbrocken, beziehungsweise Brösel. Denn der Meteoritensplitter ist im Durchmesser nur etwas über vier Zentimeter groß.

Erste Untersuchung im Labor einer Wuppertaler Firma

Der 73-Jährige zögerte zunächst, den Einschlag, der bereits in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag der vergangenen Woche passiert war, öffentlich zu machen. Er wollte auf das Ergebnis einer chemischen Analyse warten.

Der Sprockhöveler Brösel stammt vermutlich von einem der kiloschweren Astraltrümmer, die ab und zu auf die Erde fallen. Sie stammen aus einer Sonnenumlaufbahn zwischen dem Mars und dem Jupiter.

Im sogenannten Asteroidengürtel schwebt der Bauschutt unseres Sonnensystems: Hunderttausende Kleinplaneten mit einem Durchmesser zwischen wenigen Metern und hundert Kilometern. Ab und zu krachen die unförmigen Brösel aufeinander oder werden durch Gravitationskräfte auseinander gerissen. Dann fliegen mitunter auch ein paar Splitter zur Erde.

Die Splitter bestehen, je nach Größe und Alter des Mutterkörpers, überwiegend aus Stein oder Eisen und Nickel, und sie verraten etwas über die Entstehung unseres Sonnensystems.

Nach der Untersuchung durch eine Wuppertaler Firma gilt mit hoher Wahrscheinlichkeit als bewiesen, dass es sich um einen Gesteinstrümmer außerirdischen Ursprungs handelt.

Der rostbraune Splitter besteht nämlich zu mehr als 90 Prozent aus Eisen, weist den charakteristischen Geruch nach Kohle auf, und die Oberfläche erinnert an die Kraterlandschaft des Mondes.

Expertisen von Fachinstituten sollen endgültig Klarheit bringen

"Grundsätzlich ist es möglich, dass der Sprockhöveler Steinfund ein Meteoritensplitter ist", sagt Dr.Thomas Presper, Mineraloge an der Sternwarte Neanderhöhe in Erkrath-Hochdahl.

Der Fachmann verweist aber auf weitere Analysen durch Experten von Fachinstituten, wie etwa dem der Planetologie in Münster und dem der Mineralogie in Köln. Erst deren Expertisen werden endgültige Gewissheit geben.

Im Durchschnitt fallen jährlich drei bis vier größere Meteoriten auf Deutschland nieder, so der Fachmann. Die Größe der Funde variiert enorm. Der Mineraloge erinnert an einen der größten Meteoriten, der im Jahr 2002 nahe des Schloss Neuschwansteins auf die Erde schlug.

Was aus dem Sprockhöveler Brösel wird, ist noch ungewiss. Die Finder wollen Kontakt zu Experten der Sternwarte aufnehmen. Derzeit liegt er noch auf ein Häkeldeckchen gebettet auf dem Couchtisch im Wohnzimmer, hat aber jetzt schon einen Ehrenplatz in der Vitrine sicher, sagt Wojke. Immerhin ist er ein Stück Erinnerung - an den Tag, als den Wojkes der Himmel auf den Kopf fiel.

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