Täter verraten sich oft durch ihren Dialekt. Phonetiker geben der Polizei die entscheidenden Hinweise.

Münster. Um Verbrechen aufzuklären, braucht die Polizei oft Fachleute – vom Gerichtsmediziner über den Chemiker bis zum Psychologen. Einen Germanisten würden die meisten wohl eher nicht als Ganovenjäger einsetzen. Doch Sprachexperten spielen eine wichtige Rolle in der Kriminaltechnik. In Hunderten von Fällen analysieren sie jedes Jahr Stimme, Sprache und Sprechweise von Tätern und helfen so, Verbrechen aufzuklären.

Rund 20 Experten gibt es in Deutschland in der forensischen Sprecher-Erkennung. Einer davon ist Olaf Köster. Der Phonetiker wertet Tonmaterial etwa aus Telefonüberwachungen für das Bundeskriminalamt BKA in Wiesbaden aus und weiß, was Täter besonders oft verrät: ihr Dialekt.

Ermittlungen können sich auf bestimmte Regionen konzentrieren

„Man verrät sich grundsätzlich durch seine Aussprache“, erklärt Köster. Wenn der 42-Jährige Stimmenprofile von Tätern erstellt, dann spielen nicht nur Geschlecht, Alter und Auffälligkeiten in der Aussprache eine Rolle. In vielen Fällen ist der Dialekt der entscheidende Hinweis. „Wenn nur eine Stimme zu hören ist, dann kann man eine regionale Eingrenzung des Sprechers vornehmen und die Ermittlungen in einer bestimmten Region konzentrieren“, so der stellvertretende Leiter der „Sprecher-Erkennung und Tonträgeranalyse“ beim BKA.

Ein Dialekt lässt sich nur sehr schwer wieder ablegen

Seinen Dialekt komplett ablegen und einen anderen übernehmen, ist laut Köster sehr schwierig: „Versuchen Sie mal mit links zu schreiben, wenn Sie Rechtshänder sind.“ Weit kommt ein sächselnder Bayer bei den Sprachprofis also nicht: „Verstellungsversuche können wir in der Regel sofort erkennen.“ Gerade Kriminellen falle es schwer, ihre Herkunft zu verbergen. „Während der Verübung eines Verbrechens muss man sich auf vieles konzentrieren und sicher nicht auf seine eigene Sprache“, erklärt der 42-Jährige.

Da helfen auch die besten Tricks nicht: Der Kaufhaus-Erpresser „Dagobert“ etwa dachte, er könne die Polizei täuschen, wenn er in besonders hoher Kopfstimme spricht – an seinen verräterischen Berliner Akzent hatte der Mann dabei nicht gedacht.

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