Schlagader des Ruhrgebiets ab Samstag für drei Monate lahmgelegt. Alternativprojekt zu langjähriger Baustelle.

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Baustellenschild

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Knappe, Jörg

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Essen. Drei Monate Vollsperrung statt einer sich über Jahre hinziehenden Dauerbaustelle: Im Ruhrgebiet erprobt die Straßenbauverwaltung des Landes NRW in diesem Sommer ein neues Konzept. Bauingenieurin Annegret Schaber (54) hat die Fäden bei einem bundesweit einmaligen Projekt in der Hand.

Für drei Monate soll die A 40 als „Lebensader des Ruhrgebiets“ ab dem 7. Juli für Bauarbeiten zwischen der Ausfahrt Essen-Zentrum und dem Autobahndreieck Essen-Ost komplett gesperrt werden. Täglich bis zu 80 000 Autofahrer und Brummi-Kapitäne müssen sich dann einen Schleichweg suchen – notfalls quer durch die Essener Innenstadt oder auf einer der großräumig ausgeschilderten Umleitungsstrecken. „Niemand weiß genau, was dann passieren wird“, so weit ist sich Schaber sicher.

„Die sagten alle, die sind ein bisschen verrückt.“

Annegret Schaber, Projektleiterin

Mit der Idee einer dreimonatigen Vollsperrung als Alternative zu einer sich über mindestens zwei Jahre hinziehenden Dauer-Großbaustelle sei man zunächst auch auf Unverständnis gestoßen, berichtet die Projektleiterin. „Die sagten alle, die sind ein bisschen verrückt.“ Schließlich sei die Überzeugungsarbeit bei den Verantwortlichen von Bund, Land, Bezirksregierung und der Stadt Essen erfolgreich gewesen.

Bei Terminüberschreitung droht Strafe von 10 000 Euro pro Tag

Ihr bestes Argument. Nach nur drei Monaten ist alles vorbei. Erst Ende Mai waren die staugeplagten Autofahrer auf der A 40 im nahe gelegenen Dortmund von einer Dauerbaustelle erlöst worden – nach fast sieben Jahren Bauzeit. Zuletzt hatte sich die Fertigstellung wegen des Funds eines Saurierskeletts verzögert.

Das Projekt werde von Verkehrsexperten aus ganz Deutschland mit Interesse beobachtet. „Die Erfahrungen sollen dokumentiert werden, um sie bei zukünftigen Planungen von Baumaßnahmen zu berücksichtigen“, so das NRW-Verkehrsministerium. In der Rekordzeit von drei Monaten stehen für 17 Millionen Euro neben der Erneuerung der Fahrbahndecke und einer kompletten Autobahnbrücke auch die sicherheitstechnische Ertüchtigung eines alten Tunnels auf dem Programm. Als Glücksfall gilt dabei die ebenfalls für den Sommer geplante vorübergehende Sperrung einer die Autobahn kreuzenden S-Bahn-Linie.

Als „Ruhrschnellweg“ führt die A 40 mitten durchs Revier: von Duisburg über Mülheim, Essen und Bochum bis nach Dortmund. Mit dem Bau der Schlagader wurde bereits 1928 begonnen. Die Reichsstraße 1 galt mit neun Metern Breite als sehr großzügig. In den 50er Jahren begann der Umbau zur Bundesstraße 1, die bis 1970 als vierspurige Kraftfahrstraße komplett war. Sieben Jahre später wurde sie zur Autobahn umgewidmet. Erst hieß sie A 430, bis sie 1992 mit einem Autobahnabschnitt zwischen Straelen an der Grenze zu den Niederlanden und dem Kreuz Duisburg-Kaiserberg zusammengelegt wurde. Seither heißt sie A 40.

Auf insgesamt 94 Kilometern zwischen der holländischen Grenze und Dortmund gibt es 45 Anschlussstellen. Bis zu 120 000 Autos quälen sich an den am meisten befahrenen Stellen über die Autobahn, für die es den Spottnamen „Ruhrschleichweg“ gibt. Ungewöhnlich: In Mülheim und Essen gibt es einen Mittelstreifen für Stadtbahnen und Busse.

Seit zwei Jahren wurde das Projekt im Detail geplant. Die Unternehmen, die täglich mindestens von 6 Uhr bis 22 Uhr auf der Großbaustelle arbeiten, stehen in den Startlöchern. Nun muss nur noch das Wetter mitspielen. Dauerregen im September wäre ein „Horror-Szenario“. Um sicherzugehen, wurden mit den Baufirmen Strafzahlungen von bis zu 10 000 Euro pro Tag bei Terminüberschreitungen vereinbart.

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