Panik am Tunnel. Menschen kümmern sich um Menschen, die am Boden liegen.
Panik am Tunnel. Menschen kümmern sich um Menschen, die am Boden liegen.

Panik am Tunnel. Menschen kümmern sich um Menschen, die am Boden liegen.

Lukas Zdrzalek

Panik am Tunnel. Menschen kümmern sich um Menschen, die am Boden liegen.

Duisburg/Mönchengladbach. Es ist 16.40 Uhr am Samstag. Meine Freunde und ich diskutieren, ob wir uns auf den Heimweg machen sollen. Einige sind dagegen. Andere wollen nach Hause, sind erschöpft vom Tanzen. Schließlich möchte eine Mehrheit zurück nach Gladbach.

Wir machen uns auf den Weg und laufen zur großen Auffahrt, die in die Unterführung führt. Für uns der einzig erkennbare Ausgang. Schließlich hängen dort große, bunte Schilder, die den Weg zu den Zügen weisen.

Ein junger Mann stürzt ab

Unten steht eine riesige Menschenmasse. Hinter den Bauzäunen, die einen Weg von der tiefer liegenden Auffahrt trennen, stehen ungewöhnlich viele Menschen. Ich wundere mich, denn eigentlich ist dieser Bereich gesperrt.

Kurz darauf fallen uns Menschen auf, die über ein Metallgerüst in den abgesperrten Bereich klettern. Wieso diese Menschen nicht einfach die Auffahrt hinauf gehen, frage ich mich. Den normalen Weg.

Durch die Massen bahnen wir uns einen Weg zur Auffahrt. Zum Ausgang. Wir gehen die Auffahrt hinunter. Eine Polizeikette versperrt uns den Weg: "In der Unterführung geht nichts mehr. Die Leute, die rein und raus möchten, haben sich verkeilt. Ihr könnt hier nicht weiter", sagt ein junger Polizist.

Die Polizeikette ist eine Farce. Auf der linken Seite der Kette ist eine zwei Meter große Lücke, zwischen einem Polizisten und einer Mauer. Wir gehen weiter hinunter. Am Ende der Auffahrt steht eine riesige Menschenmasse. Die Menge steht. Menschen versuchen, die Wände zu erklimmen, um der Masse zu entkommen. Sie flüchten über eine kleine Treppe oder ein Metallgerüst.

Beide führen auf das Gelände. Je näher wir kommen, desto bedrückender werden die Bilder. Die Flucht über die Treppe ist chaotisch. Sie ähnelt einem Kampf um Leben und Tod. So sehr zerren die Leute aneinander, um der Masse zu entkommen.

Mira beginnt zu weinen

Ordner und Polizisten ziehen Leute aus der Menge hinauf auf die Treppe. Christian, ein Freund aus meiner Gruppe, will in die Unterführung gehen. Doch wir können ihn davon abhalten.

Menschen klettern auf einen Container und weiter über eine Wand auf das Loveparade-Gelände. Ein Polizist hilft und versucht, Menschen auf den Container zu ziehen. Doch der ist überfüllt. Eine andere Szene fesselt unseren Blick. Ein junger Mann versucht an einem dünnen Kabel die Mauer empor zu klettern. Zwei, drei Meter schafft er es. Dann stürzt er in die Menge. Nach und nach kommen weinende und schreiende Menschen aus der Menge. Manche humpeln. Polizisten rennen an uns vorbei: "Haut ab! Geht nach oben!", schreien sie.

In der Unterführung bietet sich ein schreckliches Bild. Sanitäter und Ärzte laufen umher. Ein Mädchen schreit und weint. Ein Junge liegt zitternd am Boden. Sanitäter versorgen ihn. Mira aus unserer Gruppe beginnt zu weinen. Marius kann nur den Kopf schütteln. "Katastrophal", sagt er. Alle rufen ihre Eltern an. "Ja, mir geht es gut."

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