Vor 25 Jahren erlebte die Ukraine den Super-Gau.

Arbeiter messen im April 1986 die Radioaktivität rund um das Atomkraftwerk von Tschernobyl.
Arbeiter messen im April 1986 die Radioaktivität rund um das Atomkraftwerk von Tschernobyl.

Arbeiter messen im April 1986 die Radioaktivität rund um das Atomkraftwerk von Tschernobyl.

dpa

Arbeiter messen im April 1986 die Radioaktivität rund um das Atomkraftwerk von Tschernobyl.

Kiew. Als Igor Kostin die Bilder von Fukushima sieht, hat er wieder die Katastrophe von Tschernobyl vor Augen. „Der Mensch hat die Rolle Gottes an sich gerissen und spielt mit dem Feuer“, sagt der Kiewer Fotograf. „Doch er erntet nur Horror.“ Kostin fotografierte nach dem Super-Gau am 26. April 1986 in der damals zur Sowjetunion gehörenden Region, wie Arbeiter mit blanken Händen radioaktiv verseuchte Trümmer beiseite räumten.

Die Behörden alarmieren die Bevölkerung zunächst nicht

Während eines Tests explodiert an jenem verhängnisvollen Tag in dem ukrainischen Kraftwerk der Reaktor Nummer 4, eine riesige radioaktive Wolke entweicht. Die sowjetischen Behörden alarmieren die Bevölkerung zunächst nicht und treffen auch keine angemessenen Schutzvorkehrungen. Der Unfall wird erst öffentlich, als in Nordeuropa erhöhte Radioaktivität gemessen wird. Da ist es für viele Helfer und Anwohner schon zu spät.

Die durch das Unglück freigesetzte Strahlung ist 200 mal so hoch wie die der Atombombe auf Hiroshima. Auf der Internationalen Bewertungsskala für atomare Ereignisse wird Tschernobyl auf der höchsten Stufe sieben und damit als „katastrophaler Unfall“ eingeordnet. Es ist das bisher einzige Mal, dass diese Stufe erreicht wurde. Drei Stufen niedriger werden bisher die Probleme in Fukushima eingestuft.

Junge Soldaten entsorgen ungeschützt verstrahltes Material

Zwischen 500.000 und einer Millionen sogenannte Liquidatoren wurden zwangsverpflichtet, die meisten von ihnen junge Soldaten. In Minuten-Einsätzen bauten die oft ahnungslosen Männer eine provisorische Schutzhülle (Sarkophag) um den Reaktorkrater oder entsorgten verstrahltes Material. Etliche starben an der Strahlenbelastung oder erkrankten schwer. Noch heute sind weite Landstriche auf ewig verstrahlt, vor allem in Weißrussland.

„Wir wussten, dass sie uns nicht die Wahrheit sagen, aber wir konnten es nicht beweisen“, erzählt die Kiewer Hausfrau Maria Radschenko. Zunächst hatte Moskau das Ausmaß der Katastrophe tagelang verschwiegen. Doch plötzlich wurden Kinder in Ferienlager geschickt, Anwohner sollten Wodka trinken – der starke Alkohol helfe gegen alle Krankheiten, hieß es damals.

Studien über Opfer sind bis heute eine Definitions- und Glaubensfrage. Offiziell ist von 14.000 bis 17.000 Toten die Rede. Atomkraftgegner sprechen hingegen von bis zu 100.000 Todesopfern.

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