Besonders in der Hauptstadt Tokio ist es ruhig. Heute beginnt für viele wieder der Arbeitsalltag – mit rationiertem Strom.

Tokio. Von einer Katastrophe ist in den abendlichen Straßen von Tokio wenig zu spüren. An der Haltestelle Yurakucho rumoren Bauarbeiter mit einem Presslufthammer an einem Loch im Boden. Direkt dahinter schlürfen Geschäftsmänner heiße Suppe in einem Imbiss unter den Gleisen.

Oben an den Schienen wartet Tatsuki Hasegawa. Der 24-Jährige schiebt seine Sonnenbrille ins gestylte Haar. Ja, von der Explosion im Atomkraftwerk habe er gehört. „Wir können uns hier nicht vorstellen, wie groß das werden könnte“, sagt er. Ein riesiger Atomunfall? „Aber ich selbst mache mir noch keine Sorgen. Das ist jetzt noch nicht mein Problem.“ Schließlich müsse er am Montag wieder zur Arbeit.

„Ich selbst mache mir noch keine Sorgen. Das ist jetzt noch nicht mein Problem.“

Tatsuki Hasegawa aus Tokio über die drohende Atomgefahr

An der Tokio-Station ganz in der Nähe ist auch alles ruhig. Nur vor dem Ticket-Schalter des Superschnellzugs Shinkansen in Richtung Süden hat sich eine Schlange gebildet. Zwischen ihnen steht John Sparks. Der Brite wohnt in Tokio. „Ich saß den ganzen Tag vor dem Fernseher und kam dann hier her, um zu schauen, ob die Züge fahren.“ Sie fahren, also fährt er mit, nach Kyoto, weil es da sicherer sei. In den Abteilen des Schnellzugs ist etwas von der Nervosität zu spüren, die in der Stadt kaum vorhanden scheint.

Dort ist es ruhiger als üblich, was nicht nur am Schock liegen dürfte: Im Land drohen Engpässe in der Stromversorgung. Um große Blackouts zu vermeiden, planen die Stromkonzerne, Energie zu rationieren. Die Maßnahme müsse wohl mehrere Wochen angewendet werden, sagten Regierungsbeamte. Red/dpa

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer