Die EU verdoppelt das Limit für belastete Lebensmittel.

Düsseldorf. Als Folge der nuklearen Katastrophe in Japan gelten nun EU-weit höhere Grenzwerte für Radioaktivität in Lebensmitteln. In einem Eilverfahren haben die Mitglieder der EU-Kommission eine Verordnung verabschiedet, die teilweise doppelt so hohe Werte für Jod- und Cäsium-Isotope zulässt – für Gewürze wurde der Wert sogar um das Zwanzigfache angehoben.

Es gilt die Verordnung aus dem Jahr nach der Tschernobyl-Katastrophe

In den vergangenen Jahren durften keine landwirtschaftlichen Produkte in die EU eingeführt werden, die einen Höchstwert an Radioaktivität durch Cäsium 134 und 137 überschreiten. Für Säuglingsnahrung und Milchprodukte galt maximal 370 Bequerel pro Kilogramm (bq/kg) und für alle anderen Produkte 600 bq/kg.

Seit dem 25. März gilt die 1987 – ein Jahr nach der Katastrophe von Tschernobyl – verabschiedete Verordnung zur Festlegung von Höchstwerten an Radioaktivität in Nahrungsmitteln im Falle eines nuklearen Unfalls. Darin sind höhere Grenzwerte erlaubt. Für Säuglingsnahrung gilt der erlaubte Höchstwert von 400 bq/kg, für Milchprodukte 1000 und für andere Lebensmittel 1250 bq/kg. Bei Produkten wie Gewürze sind bis zu 12.500 bq/kg erlaubt.

Da die aktuell gültige Verordnung aus 1987 außerdem vorsieht, einem Lebensmittelnotstand in der Bevölkerung vorzubeugen, halten die Verbraucherschutzorganisation „Foodwatch“ und das Umweltinstitut München das Vorgehen für absurd. Von einem Lebensmittelnotstand könne in diesem Fall nicht die Rede sein, da lediglich 0,05 Prozent der in die EU importierten Lebensmittel aus Japan stammen. Dazu gehören Nori-Blätter zur Produktion von Sushi und getrockneter Thunfisch.

Unterschiedliche Werte hängen mit Häufigkeit des Verzehrs zusammen

„Die unterschiedlichen Werte ergeben sich aus der Häufigkeit und Masse, in der wir die Produkte verzehren“, erklärt Reinhard Lennartz vom Forschungszentrum Jülich. Säuglinge und Kleinkinder werden stärker geschützt. Man gehe davon aus, dass sie viel mehr Milch trinken, deshalb liege der erlaubte Höchstwert für Radioaktivität niedriger als bei anderen Lebensmitteln. „Gewürze zum Beispiel verzehren wir nur in sehr geringen Massen.“

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