Der Betreiber bekommt die Lage nicht mehr in den Griff. In mehreren Reaktoren drohen nun Kernschmelzen.

Der Moment der Katastrophe in Fukushima: Die Explosion zerstört einen der vier Blöcke des Kraftwerks.
Der Moment der Katastrophe in Fukushima: Die Explosion zerstört einen der vier Blöcke des Kraftwerks.

Der Moment der Katastrophe in Fukushima: Die Explosion zerstört einen der vier Blöcke des Kraftwerks.

dpa

Der Moment der Katastrophe in Fukushima: Die Explosion zerstört einen der vier Blöcke des Kraftwerks.

Tokio. Eigentlich sollte Reaktor 1 im Atomkraftwerk Fukushima Eins bis April vom Netz gehen.

Um welchen Reaktor handelt es sich?

In Fukushima gibt es zehn Reaktoren. Am 17. November 1970 ging der vom Stromversorger Tokyo Electric Power Company (Tepco) betriebene Siedewasserreaktor Fukushima 1 ans Netz. Immer wieder gab es Pannen: 2006 trat radioaktiver Dampf aus einem Rohr aus, 2002 wurden Risse in Wasserrohren entdeckt. 2000 musste ein Reaktor wegen eines Lochs in einem Brennstab abgeschaltet werden. Und im September 2002 musste Tepco einräumen, Berichte über Schäden jahrelang gefälscht zu haben.

Was ist in Fukushima geschehen?

Durch das Erdbeben und den Tsunami kam es zum Ausfall der Stromversorgung. Zwar sprangen zunächst Dieselgeneratoren an, die die Siedewasserreaktoren mit Strom versorgten. Auch diese fielen aber aus, Batterien konnten nur notdürftig das Kühlsystem aufrechterhalten. Die Folge: Die Brennstäbe konnten nicht mehr genug gekühlt werden. Nach Angaben der Regierung fiel mittlerweile auch in Block 3 das Kühlsystem aus, es droht nun eine Kernschmelze in drei Reaktoren.

Was passiert bei einer Kernschmelze?

Wenn das Kühlwasser absinkt, überhitzt der Reaktorkern, die Brennstäbe werden beschädigt. Das könnte zur Schmelze führen: Die Brennelemente werden so heiß, dass sie sich in eine glühende Masse verwandeln. Die Temperaturen steigen auf 2000 Grad, die Schmelzmasse kann sich angesichts der steigenden Radioaktivität, erhöhten Drucks durch Gase und Wasserstoff durch die Stahlwände des Reaktorgefäßes fressen. Damit würde noch mehr Radioaktivität freigesetzt.

Lässt sich eine Kernschmelze aufhalten?

„Dieser Prozess ist nicht mehr zu stoppen, wenn das Kühlsystem versagt hat“, sagt der Physiker Lothar Hahn, Ex-Geschäftsführer der Gesellschaft für Reaktorsicherheit. Die Betreiber versuchen mit Meerwasser, das mit dem Halbmetall Bor versetzt wurde, den Meiler zu kühlen. Was mit dem radioaktiv verseuchten Meerwasser passiert, ist unklar. Als letztes Mittel bleibt, Sand über die Schmelzmasse zu kippen und sie möglichst von der Umwelt abzuschirmen. Für Experten sind die Versuche des Betreibers aber nur Verzweiflungstaten.

Zerstörte die Explosion am Samstag den gesamten Reaktor?

Nein. Aber Teile der äußeren Reaktorhülle aus Stahlbeton wurden beschädigt. Offenbar ist die innere Hülle aus Stahl intakt. Ein Super-Gau mit einem massiven Austritt von Radioaktivität scheint noch nicht vorzuliegen.

Was kann im Fall eines Super-Gaus getan werden?

200 000 Menschen im Umkreis von 20 Kilometern wurden bisher evakuiert. Greenpeace betont, der Fall sei in seinem Ablauf nicht mit dem Super-Gau 1986 in Tschernobyl vergleichbar, wo der Graphitreaktor tagelang gebrannt hatte und dadurch viel Radioaktivität in die Atmosphäre gelangte. Aber das Dramatische in Fukushima sei, dass es mehrere Kernschmelzen gebe und die Hauptstadt Tokio nur 240 Kilometer entfernt ist. Rund um Fukushima ist die Bevölkerungsdichte 20 Mal höher als 1986 in Tschernobyl.

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