Viele Deutsche versuchen, das Land zu verlassen. Andere bleiben – und berichten mit gemischten Gefühlen über ihre Situation.

Stefan Göbel aus Mönchengladbach lebt in Tokio
Stefan Göbel aus Mönchengladbach lebt in Tokio

Stefan Göbel aus Mönchengladbach lebt in Tokio

Stefan Göbel aus Mönchengladbach lebt in Tokio

Düsseldorf. „Die Unfähigkeit, nichts tun zu können und warten zu müssen, ist das Schlimmste. Der Notkoffer ist gepackt und ich wäre bereit zu fahren.“ Stefan Göbel aus Mönchengladbach arbeitet seit 2009 in Tokio. Das Beben am Freitag hat er in seinem Büro im 28. Stock erlebt. Zu Fuß lief er runter auf die Straße und bis nach Hause. „Die Erde wackelt immer wieder und seit der Explosion im Atomkraftwerk Fukushima ist unklar, was ich machen soll“, schreibt er unserer Zeitung am Samstag. Am Sonntag schließlich meldet er, dass er sich in einen Zug ins südlich gelegene Osaka gesetzt hat. Aus Sicherheitsgründen.

Ein Deutscher versucht vergeblich, in Tokio an Jodtabletten zu kommen

Auch bei dem deutschen Übersetzer Rene von Rentzell ist die Verunsicherung groß. „Ich habe versucht, in einer Apotheke Jodpillen zum Schutz meiner Familie zu kaufen, aber die scheint es hier nicht im Handel zu geben“, schreibt er aus Tokio. Zuvor hatten die japanischen Behörden der Bevölkerung im etwa 240 Kilometer entfernten Fukushima zur Einnahme solcher Pillen geraten. Die Informationslage sei diffus. „Die Botschaft ist überlastet, die Leitung vom Auswärtigen Amt auch und auch die Sicherheitsgruppe meiner Firma konnte mir nicht weiterhelfen“, berichtet Stefan Göbel. Eine österreichische Sprachlehrerin, die in der Flughafenstadt Nagoya lebt, kritisiert die Zurückhaltung der japanischen Behörden: „Das Problem ist die Nicht-Information.“

Viele Deutsche wundern sich über die Ruhe der Japaner

Eine besondere Rolle schreiben alle drei der japanischen Kultur zu. Diese sei auf Zurückhaltung und Ruhe ausgelegt. Aber auch darauf, den Behörden blind zu vertrauen. Ein deutscher Übersetzer aus Tokio, der namentlich nicht genannt werden möchte, berichtet am Telefon: „Die Leute hier tun, was ihnen gesagt wird. Wenn es keine Informationen gibt, werden sie auch nicht eingefordert.“

Positiv sei dagegen, dass keine Unruhe ausbreche. Stefan Göbel berichtet, dass der Zug nach Osaka nicht voller gewesen sei als an einem normalen Sonntag. Kurz nach dem Beben sei es in Tokio erstaunlich geregelt zugegangen: „Die Straßen waren voll mit Menschen, die zielstrebig nach Hause gingen, an Supermärkten und Bushaltestellen anstanden, oder bei Hotels Zimmer suchten. Aber Panik war nicht zu spüren.“

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