Das Kühlsystem eines dritten Meilers ist ausgefallen. Opferzahl nach Erdbeben und Tsunami steigt stündlich.

Ärzte untersuchen die Strahlenbelastung von Kleinkindern aus den evakuierten Gebieten nahe des Atomkraftwerks Fukushima Eins.
Ärzte untersuchen die Strahlenbelastung von Kleinkindern aus den evakuierten Gebieten nahe des Atomkraftwerks Fukushima Eins.

Ärzte untersuchen die Strahlenbelastung von Kleinkindern aus den evakuierten Gebieten nahe des Atomkraftwerks Fukushima Eins.

Zehntausende Atomkraftgegner haben mit einer Menschenkette von Stuttgart nach Neckarwestheim für den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie demonstriert.

Reuters, Bild 1 von 2

Ärzte untersuchen die Strahlenbelastung von Kleinkindern aus den evakuierten Gebieten nahe des Atomkraftwerks Fukushima Eins.

Tokio. Die Erdbeben-Katastrophe in Japan nimmt immer verheerendere Ausmaße an. In einem dritten Kernkraftwerk fiel gestern das Kühlsystem aus. In der schwer beschädigten Anlage Fukushima I droht über eine Kernschmelze in zwei Reaktoren Gefahr durch hochgiftiges Plutonium.

In der Nacht zu heute (Ortszeit) versagte eine Pumpe für das Kühlsystem im Atomkraftwerk (AKW) Tokai ihren Dienst. Die Anlage steht 120 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokio, sie hatte sich bei dem Beben am Freitag abgeschaltet.

Allein in der Region Miyagi werden 10.000 Tote befürchtet

Gestern wurde zudem für das AKW Onagawa der nukleare Notstand ausgerufen. Berichte über Kernschmelzen in den Reaktoren 1 und 3 der Atomanlage Fukushima I schürten die Angst vor einem Super-Gau.

Der Evakuierungsradius wurde auf 20 Kilometer um das Kernkraftwerk ausgeweitet, 180.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Allein in der Katastrophenregion Miyagi, in der das Werk Onagawa liegt, sind mehr als 10.000 Menschen durch das Erdbeben und den Tsunami ums Leben gekommen.

Japan drohen massive Engpässe in der Stromversorgung

Auch zwei Tage nach dem Beben waren gestern große Gebiete an der Ostküste Japans noch von der Umwelt abgeschnitten. Dem Hightech-Land drohen nach dem Erdbeben und den Schäden an den Atomanlagen im Nordosten des Landes massive Engpässe in der Stromversorgung. Um große Stromausfälle zu vermeiden, soll Energie rationiert werden.

In Deutschland und anderen Industrieländern hob eine Debatte über die Zukunft der Atomenergie an. Als Konsequenz aus dem dramatischen Atomunfall in Japan ordnete Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Überprüfung der Sicherheitsstandards bei den deutschen Atomkraftwerken an. Grünen-Chefin Claudia Roth geißelte die Atomkraft als „nicht beherrschbare hochgefährliche Risikotechnologie“.

Ähnlich argumentierte SPD-Chef Sigmar Gabriel. Auch er forderte die sofortige Abschaltung älterer Atomkraftwerke. Andere wie Philippsburg I, Unterweser oder Krümmel sollten 2012 folgen. Sie seien gegen Flugzeugabstürze am schlechtesten geschützt. Ein Super-Gau sei auch in Deutschland „keine rein theoretische Rechengröße“.

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