In 2016 haben einige Politiker auf sich aufmerksam gemacht - positiv wie negativ.

Sahra Wagenknecht
Gehört zu den Gewinnern des Jahres: Sahra Wagenkecht ließ sich zur Spitzenkandidatin der Linken für die Bundestagswahl aufstellen.

Gehört zu den Gewinnern des Jahres: Sahra Wagenkecht ließ sich zur Spitzenkandidatin der Linken für die Bundestagswahl aufstellen.

dpa

Gehört zu den Gewinnern des Jahres: Sahra Wagenkecht ließ sich zur Spitzenkandidatin der Linken für die Bundestagswahl aufstellen.

Berlin. 2016 war kein leichtes Jahr. Einige Politiker konnten dennoch glänzen und sich profilieren, andere wiederum tappten entweder in ein Fettnäpfchen oder wurden nicht gerade vom Glück verfolgt. Die Gewinner und Verlierer des Jahres - eine (unvollständige) Übersicht.

JENS SPAHN - ein Gewinner. Der 36-Jährige ist ein Rednertalent. Er sorgte dafür, dass sich die Mehrheit auf dem CDU-Parteitag für die Abschaffung des Doppelpasses aussprach. Im Regen stand ein alter Polit-Hase, Innenminister Thomas de Maizière. Er war dagegen. Spahn gilt als konservativ. Aber eigentlich ist er ein liberaler Katholik, bekennender Homosexueller und Freund schwarz-grüner Bündnisse. In der Union ist er Fürsprecher der Frustrierten. Ein Hoffnungsträger, weil Angela Merkels Störenfried.

SAHRA WAGENKNECHT - eine Gewinnerin. Streng, strenger, Sahra. Die an Rosa Luxemburg erinnernde Linke hat es tatsächlich geschafft, sich für die Bundestagswahl als Spitzenkandidatin ihrer Partei durchzudrücken. 2016 war ihr Jahr. Als Fraktionschefin im Bundestag singt die 47-Jährige zwar immer dieselben Elendslieder, aber sie ist zum Gesicht und zur Marke der Linken geworden. Wobei man nicht genau weiß, wer da manchmal spricht: Sie selber - oder ihr Ehemann Oskar Lafontaine.

WINFRIED KRETSCHMANN - ein Gewinner. Als der baden-württembergische Ministerpräsident mit der knarzenden Stimme kürzlich bei der Bambi-Verleihung die Laudatio auf Jogi Löw hielt, da war man doch froh, dass er nicht Bundespräsident geworden ist. Bei der Wahl im Ländle verteidigte der 68-Jährige aber in diesem Jahr seinen Posten des einzigen grünen Regierungschefs. Er konnte die CDU sogar zum Juniorpartner degradieren. Mit ihm können Merkel und Seehofer. Und das will schon was heißen.

MARTIN SCHULZ - ein Gewinner. Von null auf hundert. Anfang des Jahres kannten den 60-Jährigen vor allem Insider der europäischen Politik. Dass Silvio Berlusconi ihn schon 2003 im Europaparlament beleidigte ("Lagerführer") nutze ihm freilich. 2014 wurde er Präsident des Europaparlamentes. Nun wird er womöglich SPD-Kanzlerkandidat und Außenminister. Das sagt zweierlei: Die Personaldecke bei den Genossen ist ziemlich dünn. Und die Sehnsucht nach einem Hoffnungsträger ziemlich groß.

VOLKER BECK - ein Verlierer. Die Basis will ihn nicht mehr, seine Bundestagskarriere muss Beck nach 23 Jahren mit der nächsten Wahl beenden. Anfang des Jahres war der 56-Jährige mit Drogen erwischt worden, das Verfahren wurde gegen Geldstrafe eingestellt. Doch das war nicht der Grund für das Aus. Die Partei ist seiner schlichtweg überdrüssig geworden. Kann passieren. Obwohl er sich stets für Minderheiten einsetzte, ein leidenschaftlicher Kämpfer für die Rechte der Homosexuellen und für die deutsch-israelische Aussöhnung war.

HANNELORE KRAFT - eine Verliererin. Unter den Ministerpräsidenten ist die nordrhein-westfälische Landesmutter die Unauffälligste. Auch in 2016. Selbst ihr Amtskollege aus dem kleinen Schleswig-Holstein, Torsten Albig, meldete sich bundespolitisch häufiger zu Wort als die Chefin des bevölkerungsreichsten und besonders wichtigen Landes NRW. Krafts Fauxpas des Jahres war im Dezember ihre Aussage, sie wisse, wer SPD-Kanzlerkandidat werde. Aber sagen wollte sie es dann nicht. Ätsch.

ALEXANDER GAULAND - ein Verlierer. Sein Hinweis darauf, dass man einen Boateng nicht zum Nachbarn haben wolle, löste einen Sturm der Empörung aus. Gaulands Eigentor. Klar, wie immer bei der AfD, war nicht so gemeint, ist nicht so gesagt worden - und überhaupt hat er nicht gewusst, dass Jerome Boateng ein toller deutscher Fußballnationalspieler ist. Wirklich geschadet hat das üble Foulspiel dem 75-Jährigen und seiner Partei aber nicht. Jedenfalls nicht in den Umfragen.

ANGELA MERKEL - eine Verliererin. "Mutti" hatte es in den letzten Jahren schön gemütlich gehabt, die eingeschläferte Republik folgte ihr wohin auch immer. 2016 hat sich das verändert. Angela Merkel musste kämpfen, streiten, ihr schlägt Zorn und Ablehnung wegen ihrer Flüchtlingspolitik entgegen. Auch innerparteilich war es das schwerste Jahr der Kanzlerin - nicht nur wegen des Dauerfeuers der CSU. Ihre Aufforderung an die Delegierten des CDU-Parteitag: "Ich müsst mir helfen", spricht Bände.

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