Von Stillstand kann zumindest auf den NRW-Baustellen im kommenden Jahr keine Rede sein. In Düsseldorf kommt das automatisierte Fahren, auf Autobahnen werden Standstreifen freigegeben und der Bau an der neuen Autobahnbrücke bei Köln beginnt. Gebaggert wird auch im Rhein.

Rheinbrücke Leverkusen
Die Rheinbrücke bei Leverkusen. Im Frühjahr sollen die Fundamente für die neuen Brückenpfeiler gebaut werden.

Die Rheinbrücke bei Leverkusen. Im Frühjahr sollen die Fundamente für die neuen Brückenpfeiler gebaut werden.

Henning Kaiser

Die Rheinbrücke bei Leverkusen. Im Frühjahr sollen die Fundamente für die neuen Brückenpfeiler gebaut werden.

Düsseldorf. Automatisiertes Fahren, Standstreifenfreigabe und der Rheinbrücken-Neubau bei Leverkusen: Ein Überblick über wichtige Verkehrsprojekte in Nordrhein-Westfalen im neuen Jahr.

AUTOBAHN: Für den Rheinbrücken-Neubau bei Leverkusen werden im Frühjahr die Fundamente für die ersten Brückenpfeiler gebaut. Das 740 Millionen Euro-Projekt an der A1 wird eines der größten und schwierigsten Bauprojekte in NRW in den kommenden 20 Jahren. Die alte Brücke ist marode, weil viel mehr Verkehr darüber fährt, als einst angenommen. Die erste Hälfte des Mammutbaus soll Ende 2020 fertig sein. Dann werden erstmals seit Jahren wieder Lastwagen an der Stelle dne Rhein überqueren können. An der Rheinbrücke Neuenkamp an der A40 bei Duisburg werden 2018 Schranken für größere Lastwagen angebracht.

STANDSTREIFEN: Weitere Standstreifen an Autobahnen werden zeitweise freigegeben. Zwischen dem Autobahnkreuz Hilden und dem Dreieck Ratingen-Ost an der A3 soll das zwischen April und Juni 2018 geschehen. Die temporäre Seitenstreifenfreigabe gibt es in NRW bisher auf zwölf Kilometern an drei Autobahn-Abschnitten: der A4 östlich von Köln, der A57 nördlich von Köln und der A45 bei Hagen. Anfang 2019 kommt auf der A52 die Strecke zwischen Mönchengladbach-Nord und dem Autobahnkreuz Neersen dazu. Das wären dann insgesamt 45 Kilometer.

AUTOMATISIERTES FAHREN: Das Projekt startet im Sommer 2018 in Düsseldorf unter realen Bedingungen mit Testfahrtzeugen. Dafür werden 750 Fahrzeuge mit Sensoren für das Datensammeln ausgestattet, in 16 Bussen der örtlichen Verkehrsbetriebe wird die Kommunikation zur Anmeldung an Ampeln getestet. Die Strecke reicht vom Autobahnkreuz Meerbusch über eine Bundesstraße, einen Tunnel und eine Rheinbrücke bis nach Düsseldorf hinein. Das Projekt kostet fast 15 Millionen Euro. Neue Teststrecken gibt es im nächsten Jahr auch in Berlin, dem bayerischen Bad Birnbach und auf Sylt.

FAHRVERBOTE: Wird es 2018 Diesel-Fahrverbote in Innenstädten geben? Laut Bezirksregierung Düsseldorf werden an 60 von 127 Messstellen in NRW die Jahresmittelwerte von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid nicht eingehalten. In Düsseldorf werden mögliche Fahrverbote für Diesel- Fahrzeuge nicht vor dem Sommer kommen: Der neue Luftreinhalteplan wird hier erst am 1. Juli 2018 in Kraft gesetzt. Zwar sollen die Grenzwerte mit Hilfe von anderen Maßnahmen eingehalten werden. Experten hatten sich jedoch erst vor kurzem skeptisch darüber geäußert, dass das in Düsseldorf ohne Fahrverbote gelingen kann.

RADWEGE: Das Land fördert Projekte in Kommunen mit einem zweistelligen Millionenbetrag, unter anderem in den Kreisen Kleve und Düren, in Witten, Herne, Bochum und Bonn. Am Prestigeprojekt Radschnellweg wird in Mülheim weitergebaut. Künftige Radschnellwege durch das Westmünsterland und Ostwestfalen-Lippe werden weiter geplant.

FLUGHÄFEN: Die beiden großen Airports in Köln und Düsseldorf schließen 2017 mit Zuschauerrekorden ab. In Köln wird von April bis November die fast vier Kilometer lange große Start- und Landebahn saniert. Gearbeitet wird bei laufendem Betrieb und nur jeweils 30 Stunden an Wochenenden. In Düsseldorf wird ein «Self-Baggage-Drop off»-System getestet. Damit soll der Check-In-Prozess am größten NRW-Flughafen weiter automatisiert werden.

BAHN: Es gibt nicht nur ein Großprojekt, die Bahn arbeitet am größten Infrastrukturprogramm ihrer Geschichte. Gearbeitet wird weiter am Milliardenprojekt RRX, der schnellen Schienenstrecke zwischen Köln und Dortmund. Weiter geht es an der Bahnstrecke Betuwe von der holländischen Grenze ins Ruhrgebiet und an der S-Bahn, die Bonn besser mit dem Köln/Bonner Flughafen verbinden soll. Im Dortmunder Bahnhof werden Unterführungen, Aufzüge und Bahnsteige modernisiert. «Der Wiederaufbau West geht weiter», erklärt Werner Lübberink, der Chef der Bahn in Nordrhein-Westfalen.

KANÄLE UND FLÜSSE: In den Ausbau des Dortmund-Ems-Kanals fließen 2018 fast 27 Millionen Euro. Der Kanal ist das Rückgrat des westdeutschen Kanalnetzes und verbindet das Ruhrgebiet mit der Nordsee. Von 2019 bis zur Fertigstellung werden weitere 211,5 Millionen Euro verbaut: Brücken werden erhöht, Schleusen neugebaut. Der Kanal soll für Schiffe mit einer Länge von bis zu 110 Metern befahrbar sein. Auch der Rhein ist Baustelle. Zwischen Duisburg und Dormagen wird gearbeitet, damit der Fluss bei verschiedenen Wasserständen verlässlich von der Güterschifffahrt befahren werden kann. Dafür sind 2018 fast 8 Millionen Euro vorgesehen.

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