Kurz hinter der Grenze in Roermond haben die Geschäfte das ganze Jahr über geöffnet.

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Jeden Sonn- und Feiertag das gleiche Bild: Einkaufswütige Deutsche stehen schon vor der niederländischen Grenze auf der A52 im Stau.

Jeden Sonn- und Feiertag das gleiche Bild: Einkaufswütige Deutsche stehen schon vor der niederländischen Grenze auf der A52 im Stau.

Heike Ahlen

Jeden Sonn- und Feiertag das gleiche Bild: Einkaufswütige Deutsche stehen schon vor der niederländischen Grenze auf der A52 im Stau.

Roermond. Der Sonntag ist in Roermond wie ein ganz normaler Werktag. Nur die Hauptverkehrszeit liegt etwas später, wenn die Menschen am Niederrhein und im Ruhrgebiet in ihre Autos steigen, um im Nachbarland einzukaufen. Noch voller ist die A52 an deutschen Feiertagen, dann stauen sich die Autos kilometerlang über die Grenze bis nach Deutschland zurück. Der Grund: Mittlerweile lockt nicht nur das Design-Outlet-Center für Textilien und Schuhen mit ganzjähriger Öffnung, sondern auch Möbelhäuser und Gartencenter sowie aus Deutschland bekannte Discounter und Elektronik-Märkte.

Die Suche nach einem freien Parkplatz erfordert Geduld

Sämtliche Parkplätze sind voll, die Suche nach einer freien Lücke dauert. Nadine Meister aus Oberhausen ist mit Ehemann und zwei Söhnen zum Retail-Center gekommen, das von Deutschland aus gesehen noch vor der Stadt Roermond liegt. Zuerst haben alle vier im großen Spielzeugladen die Auslagen bestaunt, jetzt dürfen Yannik (3) und Ben (1) in einem roten Auto mit Ernie und Bert fahren, während Papa noch einmal schnell und unauffällig in den Laden hineinläuft, um einzukaufen, worüber er und seine Frau sich vorhin mit Blicken verständigt haben. "Danach machen wir noch einen Abstecher zum Designer-Outlet", sagt sie.

Nicht allen Deutschen macht das Geschiebe in der Masse Spaß

Christiane und Erich (beide 43) aus Grevenbroich haben ihre Mütter (71 und 77) im Schlepptau. Im Schneckentempo schieben sie sich mit der Masse durch das Gartencenter und schauen sich die Weihnachtsdekorationen an. "Das Gedränge nervt", sagt Erich, "das macht keinen Spaß." Zum Discounter gleich nebenan gehen sie nicht mehr. "Sonntags Milch und Wurst einkaufen", sagt Christiane, "das geht irgendwie nicht."

Roermond vermarktet seinen Kaufsonntag ganz offensiv

Roermond mit seinen rund 55 000 Einwohnern hat nicht nur das Designer-Outlet-Center und das Retail-Center. Roermond hat auch den Titel "Beste Innenstadt der Niederlande" im Bereich der mittelgroßen Städte. Neidisch ist Markus Ottersbach, Geschäftsführer des direkt angrenzenden Einzelhandelsverbands Krefeld-Kempen-Viersen, deshalb nicht: "Man muss anerkennen, wenn jemand seine Sache gut macht."

Roermond habe mit seiner idyllischen Lage am Wasser gute Voraussetzungen, die Einkaufszentren lägen sehr stadtnah. "Und bei den Öffnungszeiten am Sonntag sind die Niederländer deutlich liberaler als die Deutschen." Außerdem habe "Roermond auch viel Geld in die Hand genommen, um das Marketing voranzutreiben". Schon an der letzten deutschen Autobahnbrücke hängt das erste Schild, dass in Roermond die Geschäfte jetzt auch sonntags geöffnet sind.

In Neuss haben die Kunden bei der Sonntagsöffnung das Nachsehen

In Krefeld, Düsseldorf, Hilden und Mönchengladbach-Rheydt ist am kommenden Sonntag verkaufsoffen. Die Läden haben dann von 13 bis 18 Uhr geöffnet.

Mit der Freigabe der Ladenöffnungszeiten 2006 blieben in der Düsseldorfer City in der Vorweihnachtszeit viele Geschäfte bis 22 Uhr offen. Das ist vorbei: In den meisten Läden ist um 20 Uhr Schluss, in vielen Fachgeschäften schon früher.

In Mönchengladbach gibt es ein "Late-Night-Shopping" am Freitag, 17. Dezember, bis 22 Uhr.

In Remscheid kann am Samstag, 18. Dezember, bis 24 Uhr eingekauft werden.

In Kempen machen die Geschäfte samstags erst um 18 Uhr zu.

In Solingen haben die Händler mindestens bis 19 Uhr, an den Samstagen mindestens bis 18 Uhr geöffnet.

Wie man die Kundschaft verprellt, zeigt dagegen das deutsche Neuss. Hier tobte ein erbitterter Streit um die (vier möglichen) Kaufsonntage, die Kirchen schalteten sich massiv ein. Zunächst wurden nur zwei beschlossen. Dann boxte der Bürgermeister gegen den Stadtrat einen dritten durch. Am 2.Advent blieben die Läden dann aber zu: Zünglein an der Waage waren einige Christdemokraten, die nicht gegen ihr Gewissen stimmen wollten.

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