Die Touristen lassen sich ihren Spaß nicht verderben. Sorge vor einer Ansteckung gibt es trotzdem.

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Keine Angst vor der Schweinegrippe: Diese Jugendlichen aus Geldern haben ihren Spaß am Playa de Palma in unmittelbarer Nähe zum Ballermann.

Keine Angst vor der Schweinegrippe: Diese Jugendlichen aus Geldern haben ihren Spaß am Playa de Palma in unmittelbarer Nähe zum Ballermann.

dpa

Keine Angst vor der Schweinegrippe: Diese Jugendlichen aus Geldern haben ihren Spaß am Playa de Palma in unmittelbarer Nähe zum Ballermann.

Palma. Angst vor der Schweinegrippe? Da brechen die fünf Jungs aus Geldern in Nordrhein-Westfalen in Lachen aus. Dann drehen sie ihren Ghettoblaster lauter. Die Bochumer Punk-Band "Die Kassierer" schallt über den für Mallorca-Partyurlaub bekannten Strandabschnitt rund um den Kiosk "balneario 6", in Deutschland kurz als Ballermann bekannt.

Die Clique grölt: "Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist", und dann noch etwas lauter: "In den großen Ferien infizierst Du dich mit Todesbakterien." Das Lied passe so gut zur aktuellen Panik vor der Pandemie. "Das hören wir jetzt öfter", sagen sie - grinsend über ihren Kalauer.

Die Spaß-Urlauber, alle um die 22, ziehen die Virus-Furcht ins Lächerliche und amüsieren sich dabei prächtig. Auf ihren Handtüchern mit Blick aufs Mittelmeer wippen sie mit, jeder hält ein Bier in der Hand. Bald wollen sie in ihr Hotel gehen und sich frisch machen für die Nacht: Weiterfeiern in den Trinkhallen und Diskotheken hinter dem Strand-Boulevard.

Reiserückkehrer haben oft die Schweinegrippe im Gepäck

Trotz der Verunsicherung in Deutschland über eine erhöhte Ansteckungsgefahr im Spanien-Urlaub ist am Ballermann auf den ersten Blick alles wie immer. "Ich habe nicht bemerkt, dass sich die Gäste in irgendeiner Form vorsichtiger verhalten", sagt Isabel García, die seit zehn Jahren an der Theke des "balneario 6" Sangría und Bier verkauft.

Allenfalls seien es insgesamt in diesem Sommer etwas weniger Touristen, aber das führt sie auf die Folgen der weltweiten Wirtschaftskrise zurück. Wenig los ist damit aber noch lange nicht. Allein in der vergangenen Woche reisten am Flughafen nach Schätzungen der zuständigen Behörde rund 695.000 Passagiere an und ab.

Die Landeshauptstadt Düsseldorf prüft, ob Bustouristen aus Spanien zu einem zentralen Punkt umgeleitet werden, um sie dort auf Schweinegrippe-Symptome hin zu untersuchen. Busunternehmern wird empfohlen, Reisende mit Mundschutz auszustatten.

Aus Furcht vor einer Ansteckung nach Schulbeginn in zweieinhalb Wochen fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, dass Lehrer entsprechende Verhaltensrichtlinien an die Hand bekommen. Nach Ansicht des Verbandes Bildung und Erziehung dürften im Ernstfall auch Schulschließungen nicht ausgeschlossen werden.

Mit Schweinegrippe haben sich laut der letzten Veröffentlichung des regionalen Gesundheitsministeriums vom vergangenen Freitag auf den balearischen Inseln bisher 58 Menschen infiziert - nicht mitgezählt die deutschen Urlauber, bei denen das Virus erst in der Heimat festgestellt worden ist.

Künftig wollen die spanischen Behörden die Zahl der Infektionen nicht mehr in absoluten Zahlen, sondern nur noch in Prozent angeben, wie dies auch bei der normalen Grippe üblich ist. Das Robert-Koch-Institut (RKI) schreibt unterdessen, ein Großteil der neuen Fälle in Deutschland gehe auf Reiserückkehrer aus Spanien zurück, etliche Landesbehörden melden importierte Fälle aus Mallorca.

"Die Hysterie kann ich nicht verstehen."

Iluna Ertz, Urlauberin

"Anstecken kann man sich doch auch in Deutschland. Die Hysterie kann ich nicht verstehen", sagt auch Iluna Ertz aus Wittlich in Rheinland-Pfalz. Die 40-Jährige sitzt mit ihrem Mann, ihren beiden Teenagertöchtern und ihrem Reisegepäck an einem Tisch der Terrasse des Strandkiosks.

Sie kommen gerade von einer Kreuzfahrt zurück, steigen noch am selben Tag in den Flieger nach Deutschland. Die wenigen Stunden auf der Insel verbringen sie bewusst am Ballermann. "Wir wollten den Kindern mal zeigen, wie das wirklich ist", sagt Ehemann Helmut Ertz (42).

Ein bisschen gezittert wird dann aber doch. In der Arztpraxis Salus, umgeben von Hotels, Restaurants und Bars, sind die Anfragen besorgter Urlauber merklich gestiegen. "Es kommen 20 Prozent mehr Leute als sonst", schätzt Brigitte Bremert-Heller, die am Empfang sitzt.

Dabei sind Symptome wie Hals-, Kopf- und Ohrenschmerzen nichts Neues in der Praxis, die sich im Sommer vorrangig um kranke deutsche Touristen kümmert. "Jetzt sind alle schon beim Hereinkommen überzeugt, dass sie die Schweinegrippe haben. Aber ernst nehmen muss man das natürlich trotzdem", sagt Bremert-Heller.

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