Smartphone-Schutz
Kriminelle haben es immer öfter auf Smartphones abgesehen. Über Schadsoftware versuchen sie, an sensible Daten wie Kreditkartennummern zu kommen.

Kriminelle haben es immer öfter auf Smartphones abgesehen. Über Schadsoftware versuchen sie, an sensible Daten wie Kreditkartennummern zu kommen.

Warnecke/dpa/tmn

Kriminelle haben es immer öfter auf Smartphones abgesehen. Über Schadsoftware versuchen sie, an sensible Daten wie Kreditkartennummern zu kommen.

Hannover (dpa/tmn) - Angriffe von Online-Kriminellen auf Smartphones werden schon lange befürchtet. Jetzt wird es ernst: Google musste mehr als 50 Apps aus dem Android Market entfernen, weil sie die Nutzer ausspionierten. Wird Sicherheitssoftware für Handys Pflicht?

Pünktlich zur CeBIT (1. bis 5. März) passierte, wovor Sicherheitsexperten seit langem gewarnt haben: Online-Kriminelle starteten einen massiven Angriff auf ein Smartphone-Betriebssystem. Betroffen war Android: Vor mehr als 50 böswilligen Apps, die darauf ausgelegt seien, sensible Nutzerdaten abzugreifen, warnte der US-Sicherheitssoftware-Spezialist Lookout.

Google habe die Schadprogramme zwar rasch aus der Download-Plattform Android Market entfernt. Das Technologieblog «Mashable» empfahl betroffenen Nutzern aber vorsorglich, bei ihrem Mobilfunkanbieter den Umtausch des Handys zu beantragen. Begründung: Man werde sich nie mehr sicher sein können, ob sich nicht irgendwo tief in betroffenen High-Tech-Handys noch Reste der jeweiligen Spionage-Werkzeuge versteckten.

Sicherheitssoftware-Hersteller werben zwar schon seit Jahren beim Verbraucher darum, ihre Smartphones mit Virenscanner und Firewall zu versehen - bisher aber weitgehend vergeblich. Viele Nutzer wiegt auch in Sicherheit, dass es bislang kaum breit angelegte Angriffe auf die schlauen Telefone gab. Die meisten Online-Kriminellen sind immer noch auf erprobten PC-Pfaden unterwegs.

Doch dabei werde es nicht bleiben, warnt die Branche: Mit dem Siegeszug der Smartphones werde unweigerlich das Ausmaß der Attacken zunehmen. «Die Angreifer gehen dorthin, wo die Nutzer und das Geld sind», sagt der russische Software-Entwickler Eugene Kaspersky. «Ich hoffe, wir können das Sicherheitsbewusstsein der Verbraucher wecken, bevor es zum großen Knall kommt», erklärt sein US-Kollege Adam Palmer vom Branchenführer Symantec, der Hersteller der Norton-Programme.

An Software, die Smartphones sicherer machen soll, mangelt es nicht. Symantec zum Beispiel bietet eine Betaversion von Norton Mobile Security kostenlos im Android Market an. Kaspersky Mobile Security gibt es - nach Versionen für Symbian und Windows Mobile - nun auch für Android und die Blackberry-Plattform für 25 Euro.

Neben dem üblichen Virenschutz wollen die Russen mit zusätzlichen Funktionen punkten. So sollen sich mit einem Knopfdruck bestimmte Kontakte und mit ihnen verbundene Datensätze wie SMS-Mitteilungen verstecken lassen. Neu ist auch eine Sperrfunktion: Wird in einem verlorenen oder geklauten Gerät die SIM-Karte ausgetauscht, sperrt die Software das Gerät sofort - und verschickt heimlich eine SMS und eine E-Mail mit der Nummer der neuen Karte an den ursprünglichen Besitzer. Auch eine GPS-Ortungsfunktion steht zur Verfügung - zum Beispiel für Eltern, die im Notfall ihre Kinder lokalisieren wollen.

Der Anbieter G Data präsentierte auf der CeBIT in Hannover eine Sicherheitslösung für Android: Mit G Data Mobile Security sollen sowohl Smartphones als auch Tablet-Rechner geschützt werden. Eine integrierte Berechtigungskontrolle überwacht alle Apps und soll den ungewollten Versand von SMS-Nachrichten oder heimliche Internet-Zugriffe unterbinden können. Das Programm kostet 10 Euro.

Eugene Kaspersky erzählte auf der CeBIT eine Urlaubsgeschichte: Auf Zypern habe er sich in das Hotel-WLAN einwählen wollen, sagte der Russe. Dabei habe die Sicherheitssoftware in seinem Telefon Alarm geschlagen - statt eines rechtschaffenen Telekom-Anbieters habe sie am anderen Ende eine Phishing-Seite identifiziert, die seine Kreditkarten-Daten abgreifen wollte. Nutzer mit «ungeschützten» Handys wären blind in die Falle getappt, meint Kaspersky.

Symantec-Mann Palmer räumt ein, dass es keinen hundertprozentigen Schutz geben könne. Man müsse den Online-Kriminellen aber das Leben schwerer machen: «Wenn einem in der U-Bahn das Portemonnaie aus der Hosentasche hängt, lädt man Räuber förmlich ein. Es reicht oft schon aus, die Geldbörse tiefer in die Tasche zu schieben.»

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