Die Tschechen schenken der EU ein provokantes Kunstwerk.

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Deutschland auf dem Kunstwerk des Bildhauers David Cerny als Netz aus Autobahnen dargestellt.

Deutschland auf dem Kunstwerk des Bildhauers David Cerny als Netz aus Autobahnen dargestellt.

dpa

Deutschland auf dem Kunstwerk des Bildhauers David Cerny als Netz aus Autobahnen dargestellt.

Brüssel. Gleich zu Beginn ihrer Ratspräsidentschaft sorgen die Tschechen für Wirbel - mit einem Kunstwerk. Im Brüsseler Ratsgebäude, wo Staats- und Regierungschefs zusammenkommen und Minister wichtige Entscheidungen treffen, hängt seit Anfang der Woche eine Installation des Bildhauers David Cerny. Sie zeigt ein Puzzle mit den Umrissen der EU-Staaten und ist für viele ein echte Provokation: Auf der Fläche von Polen stehen vier katholische Priester, die eine Regenbogenfahne hissen - eine Anspielung auf die Homophobie von erzkonservativen Kirchenkreisen im Land. Bulgarien wird als türkische Toilette dargestellt und Italien als Sportplatz, auf dem Fußballer mit Bällen kopulieren. Deutschland kommt auf den ersten Blick glimpflicher davon: Das Land besteht aus einem Netz von Autobahnen, das einige Betrachter allerdings an ein Hakenkreuz errinnert.

Morgen soll das Gemeinschaftswerk von 27 Künstlern aus allen Mitgliedstaaten offiziell eingeweiht werden. Doch einigen Diplomaten wäre es lieber, es würde gleich wieder verschwinden. Die bulgarische Vertretung in Brüssel erklärte bereits, sie werde alles in Bewegung setzen, um das Puzzleteil entfernen zu lassen. Jahrhunderte lang war das Land von Türken besetzt; das Kunstwerk ist aus Sicht vieler Bulgaren schlichtweg eine Beleidigung. Die Spanier wiederum sind sauer, dass ihr Land als Baustelle mit einer Bombe im Baskenland dargestellt wurde, sagen Diplomaten.

Die Tschechen hingegen verweisen auf die künstlerische Freiheit. Der EU-Vorsitz wollte die 27 Mitgliedstaaten aus eigener Perspektive porträtieren lassen, sagt Vizepremier Alexandr Vondra und nennt das Motto der Ratspräsidentschaft: Europa ohne Grenzen. Aufgabe der Künstler sei es gewesen, typische Vorurteile zu porträtieren, erklärt die tschechische EU-Botschafterin Milena Vicenová. "Wenn wir auf Vorurteile hinweisen, beginnen wir, sie abzubauen." Zudem hat Tschechien nicht mit Kritik am eigenen Land gespart. Cerny lässt auf dem Puzzle-Teil eine Leuchtschrift flimmern; ab morgen werden dort umstrittene Aussagen des Staatspräsidenten und EU-Kritikers Vaclav Klaus zu lesen sein. Nur Großbritannien ist fein raus: Der Künstler hat für das Land einfach ein freies Feld gelassen - was ja auch wieder für sich spricht.

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