Nach Anschlag auf die Sikh-Gemeinde in Essen gibt es eine dramatische Wende: Die mutmaßlichen Tatverdächtigen sind minderjährig und den Behörden bekannt.

Joginer Singh, ein Prediger des Sikh-Gemeindezentrums, zeigt den zerstörten Eingangsbereich des Gebetshauses.
Joginer Singh, ein Prediger des Sikh-Gemeindezentrums, zeigt den zerstörten Eingangsbereich des Gebetshauses.

Joginer Singh, ein Prediger des Sikh-Gemeindezentrums, zeigt den zerstörten Eingangsbereich des Gebetshauses.

Archivfoto: dpa

Joginer Singh, ein Prediger des Sikh-Gemeindezentrums, zeigt den zerstörten Eingangsbereich des Gebetshauses.

Essen. Es war eine friedliche Hochzeit mit 200 Gästen, Blumen und vielen Kindern am vergangenen Samstagabend. Bis eine Bombe am Eingang zum Tempel der Essener Sikh-Gemeinde detonierte, drei Menschen verletzte und für Entsetzen sorgte. Donnerstag nahm der Fall eine Wendung: Die Polizei hat zwei 16-Jährige mit Bezug zur islamistischen Szene festgenommen. „Wir müssen von einem Terrorakt ausgehen, von religiös eingefärbtem Terror der islamistischen Szene“, sagt Essens Polizeipräsident Frank Richter.

Die beiden Jugendlichen, die den Sicherheitsbehörden als Salafisten bekannt sind, räumen den Anschlag in Teilen ein. Doch warum sollten Islamisten eine Religionsgemeinschaft wie die Sikhs attackieren, die selbst zum friedlichen Umgang mit allen anderen Religionen verpflichtet ist? Darüber gab es zunächst nur Rätselraten. Die Sikh-Gemeinde in Deutschland ist klein und wenig organisiert. Die Schätzungen schwanken zwischen 8000 und 15 000 Mitgliedern. Die Gemeinde in Essen zählt mit mehreren hundert Mitgliedern zu den großen in NRW.

Die Polizei hatte nach dem Anschlag, der bis nach Asien für große Aufmerksamkeit gesorgt hatte, mit 120 Beamten nach den Tätern gefahndet. Die Suche konzentrierte sich zunächst auf Augenzeugenberichte über einen maskierten, etwa 1,80 Meter großen Mann. Nach Vernehmungen veröffentlichte die Polizei Fahndungsfotos. Die führten nun zu den Festnahmen, nachdem zwei andere Männer zuvor freigelassen worden waren. Einer der jungen Verdächtigen stellte sich freiwillig in Gelsenkirchen, bei dem anderen griffen Spezialeinsatzkräfte in der Nacht zu Donnerstag in Essen zu.

Daten minderjähriger Gefährder werden in NRW nicht gespeichert

Inzwischen ist klar, dass die beiden dem NRW-Staatsschutz bekannt waren. Nun werde geprüft, ob sie sich selbst radikalisiert hätten oder von Islamisten angeworben wurden, sagt NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD). Eine Sicherheitslücke schloss er aus. Zwar dürften in NRW die Daten minderjähriger Gefährder nicht gespeichert werden. Jäger betont aber: „Die Ermittlungsarbeit wurde nicht erschwert, weil die Sicherheitsbehörden eng zusammenarbeiten.“

Über mögliche Motive der jungen Männer konnten die Ermittler zunächst nichts sagen. Unmittelbar nach dem Anschlag hatte es noch geheißen, es gebe keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund. Tatsache ist jedenfalls, dass die Attacke nur durch großen Zufall nicht zu einer Katastrophe führte. Zum Zeitpunkt der Explosion waren nur wenige Menschen in dem Gebetsraum – darunter der Geistliche, der das Hochzeitspaar getraut hatte. Er wurde schwer verletzt und lag Donnerstag weiter im Krankenhaus.

Nun ist den deutschen Behörden ein erster Fahndungserfolg geglückt. Ein Richter erließ am Donnerstag Haftbefehl gegen die beiden jungen Männer. Die Behörden gehen davon aus, dass die 16-Jährigen nicht allein handelten: Weitere Festnahmen in den kommenden Tagen seien möglich.

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