Nach den Ereignissen in der Kölner Silvesternacht feilen die Kommunen in unserer Region an neuen Konzepten. Die Sicherheit der Narren steht an erster Stelle.

Nach den Ereignissen in der Kölner Silvesternacht feilen die Kommunen in unserer Region an neuen Konzepten. Die Sicherheit der Narren steht an erster Stelle.
Auch in Düsseldorf werden die Sicherheitsvorkehrungen für die närrischen Tage verschärft. Hier ist der Rosenmontagszug aus dem vergangenen Jahr zu sehen. Archiv

Auch in Düsseldorf werden die Sicherheitsvorkehrungen für die närrischen Tage verschärft. Hier ist der Rosenmontagszug aus dem vergangenen Jahr zu sehen. Archiv

Sergej Lepke

Auch in Düsseldorf werden die Sicherheitsvorkehrungen für die närrischen Tage verschärft. Hier ist der Rosenmontagszug aus dem vergangenen Jahr zu sehen. Archiv

Düsseldorf. Im Düsseldorfer Präsidium feilt man noch am Sicherheitskonzept für die tollen Tage – und lässt sich auch nicht hetzen, weil die Kölner Kollegen schon Details bekanntgegeben haben. Im Polizeibeirat vergangene Woche war aber bereits von einer Verdopplung der eingesetzten Kräfte für Altweiber und Rosenmontag die Rede – bislang waren es in der Spitze stets 900 Polizisten.

Polizeipräsident Norbert Wesseler hatte angekündigt, für das Sicherheitsgefühl massiv Präsenz zu zeigen, aber auch mit zivilen Kräften für die schnelle Aufklärung etwaiger Straftaten sorgen zu wollen. Installiert sind bereits zwei Kameras am Burgplatz sowie in der Kurze Straße, deren Bilder in Echtzeit zur Führungsgruppe in der Inspektion Mitte übertragen werden sollen, um sofort eingreifen zu können, sollten sich mutmaßliche Gefährder zusammenrotten. Fünf solcher Kameras gibt es bereits in der Bolkerstraße; sie sind an jedem Wochenende in Betrieb.

Man befinde sich bei der finalen Planung des Sicherheitskonzeptes in enger Abstimmung mit der Stadt, sagt Andreas Czogalla, Sprecher im Düsseldorfer Präsidium. „Das ist ein dynamischer Prozess.“ Bis zuletzt sollen weitere Erkenntnisse einfließen. So ist etwa die Anzahl der Anzeigen wegen Übergriffen in der Silvesternacht in der Düsseldorfer Altstadt aktuell noch einmal auf 96 gestiegen, derzeit werden erste Tatverdächtige überprüft. In der nächsten Woche werde aber „rechtzeitig die Öffentlichkeit informiert“, versichert Czogalla.

In Wuppertal ist die Einsatzplanung noch nicht abgeschlossen

„Wir sind nach den Vorfällen in Köln natürlich sensibilisiert, verstärkt Augenmerk auf verdächtige Personen oder Gruppen zu legen“, sagte Polizeihauptkommissarin Anja Meis, Sprecherin im Wuppertaler Polizeipräsidium. Die Einsatzplanung für den Rosensonntagszug ist laut Meis noch nicht abgeschlossen. In der Vergangenheit habe die Polizei aber keine besonderen Probleme mit den Wuppertaler Karnevalisten gehabt.

In Krefeld stellt die Polizei ihr Sicherheitskonzept am Mittwoch vor

Die Krefelder Polizei will ihr Sicherheitskonzept für den Rosenmontagszug am Mittwochnachmittag bei einer Pressekonferenz vorstellen. Es ist aber schon absehbar, dass das Personal aufgestockt wird.

In Remscheid sorgten betrunkene Jugendliche für Ärger

In Köln und Düsseldorf bereitet die Justiz für bestimmte Delikte Schnellverfahren an den Karnevalstagen vor. Staatsanwaltschaften und Gerichte seien darauf eingestellt, „viele Straftäter an den Festtagen in U-Haft zu nehmen und dann in der Woche darauf direkt abzuurteilen“, sagte Nordrhein-Westfalens Justizminister Thomas Kutschaty (SPD).

Voraussetzung für das besonders schnelle Verfahren mit Haft bis zur Hauptverhandlung sei allerdings, dass die Tat leicht beweisbar sei, beispielsweise bei Diebstählen oder Körperverletzung. Zudem dürfe die Strafe nicht mehr als ein Jahr Haft betragen. Außerdem komme das Verfahren nur für Menschen infrage, die keinen festen Wohnsitz hätten.

Jochen Borst, Leiter der Polizeiinspektion Remscheid, sieht den Lenneper Rosenmontagszug nicht gefährdet. „Wir haben in Remscheid keine Kölner Verhältnisse“, sagt er. Für den reibungslosen Ablauf der Großveranstaltung, die um 14.11 Uhr in der Altstadt beginnt, rechnet Borst wie in den Vorjahren mit einem Zug der Bereitschaftspolizei, bestehend aus 38 Beamten. „Sie sind von uns angefordert, ob wir sie tatsächlich bekommen, ist aber noch nicht sicher.“

Dazu werden Kripo, Verkehrspolizei und das Ordnungsamt ein wachsames Auge auf die Jecken werfen. 2015 waren es mit der Bereitschaftspolizei in Lennep insgesamt 78 Polizisten, die ihren Dienst versahen. Wahrscheinlich werden es zu Altweiber am 4. Februar ein paar mehr sein. Denn fest steht, so Borst, dass Polizei-Azubis im dritten Lehrjahr mit eingesetzt werden. In Remscheid sind es elf.

Obgleich die Lage beim Lenneper Zug im Vergleich zu den Hochburgen ruhig sei, soll am Personal nicht gespart werden. Borst weiß: „Der Rosenmontagszug kann eine Bühne für Gewalttäter sein.“ In der Regel sind es die Jüngeren, die alkoholisiert für Ärger sorgen. „Wir achten besonders auf Kinder und Jugendliche“, betont Ordnungsamtsleiter Jürgen Beckmann. Durch den Nachwuchs ausgelöste Exzesse und gefährliche Situationen sollen vermieden werden.

Greifen die Kontrollgruppen betrunkene Jugendliche auf, werden sie in die Jugendschutzstelle gebracht. „Dort ist ein Arzt, der schaut, ob die betrunkenen Minderjährigen ins Krankenhaus müssen oder direkt an die Eltern übergeben werden können“, sagt Beckmann. Vergangenes Jahr wurden rund 25 Jugendliche aufgegriffen. Die Jüngsten waren 14 Jahre alt.

In Solingen wurde der Zug in Burg wegen Randale gestrichen

Beim Rosenmontagszug in der Solinger Innenstadt sind keine allzu großen Änderungen zu erwarten. Der Festausschuss Solinger Karneval kündigte an, eigene Ordner im Einsatz zu haben. Dazu sind Mitglieder der Jugendfeuerwehr vor Ort und Verkehrskadetten. Polizei und Ordnungsamt sind ebenfalls beim Zug vor Ort. Allerdings wollen sich die beiden Behörden erst untereinander abstimmen, bevor Informationen über das Sicherheitskonzept veröffentlicht werden.

Klar ist, dass Mitarbeiter beider Behörden gemeinsam auf Streife gehen werden. Alle Beteiligten werden vermehrt ein Auge auf Jugendliche und deren Alkoholkonsum haben. In der Vergangenheit gab es Zwischenfälle, sowohl beim zentralen Zug am Montag in der Innenstadt als auch beim weitaus kleineren Zug in Solingen-Burg. Randalierende Jugendliche hatten sich für den Zug gezielt im Internet verabredet. Der Zug findet seitdem nicht mehr statt.

In Köln sollen Dolmetscher die Kommunikation verbessern

Köln rüstet zum Straßenkarneval auf. An allen Tagen zwischen Weiberfastnacht und dem Karnevalsdienstag wird ein Koordinierungsgremium zusammenkommen. Dort werden alle Probleme von den Einsatzkräften gemeldet und dann die erforderlichen Maßnahmen eingeleitet. Insgesamt 360 000 Euro will die Stadt zusätzlich an den Karnevalstagen in die Sicherheit investieren. Das komplette Maßnahmenpaket von Stadt, Polizei, Deutscher Bahn und Festkomitee wird am Montag vorgestellt.

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