Julian saß ahnungslos am Computer, da erschlug ihn sein Vater mit einem Hammer. Was den 35-Jährigen zu der furchtbaren Tat trieb, bleibt vorerst offen. Vor Gericht versagten dem Berliner die Worte.

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Andreas Bischof

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Berlin (dpa) - Neun Monate nach dem heimtückischen Mord an seinem Sohn hat sich der Vater zu Prozessbeginn in Schweigen gehüllt. Der 35 Jahre alte Täter hatte den Zwölfjährigen laut Anklage mit einem Hammer erschlagen. «Der Angeklagte möchte grundsätzlich aussagen, aber er schafft es nicht», erklärte sein Verteidiger Thomas Schräder am Freitag vor dem Berliner Landgericht.

Nach Angaben von Staatsanwalt Reinhard Albers hatte Julian am 18. April 2011 nachmittags in der Wohnung seines Vaters im Stadtteil Reinickendorf am Computer gespielt. Plötzlich habe der 35-Jährige von hinten dreimal kräftig zugeschlagen. Das Kind starb an den schweren Kopfverletzungen. Anschließend versteckte der Arbeitslose die Leiche im Kellerverschlag des Mietshauses in der Gotthardstraße.

Er floh ins Rheinland und wurde am 23. April in Düsseldorf verhaftet. Die Mutter hatte den Zwölfjährigen am Tag nach der Tat vermisst gemeldet. Julian und seine zehnjährige Schwester hatten den Vater in den Osterferien besucht. Das Mädchen hat von der Tat nichts mitbekommen. Die heute Elfjährige und ihre Mutter sind schwer traumatisiert, sagte Nebenklageanwältin Manuela Krahl-Röhnisch.

Der Tag sei absolut dramatisch. Die Mandantin sehe den Mann, der ihren Sohn umgebracht hat, erstmals nach der Tat. Die dringendste Frage sei die nach dem Warum. Die Berlinerin habe den Angeklagten als liebevollen Vater empfunden. Auch die Kinder hätten ihn geliebt. In früheren Vernehmungen hatte der Angeklagte eine allgemeine Lebensunzufriedenheit und schwere Depressionen als Motiv genannt. Nach Angaben von Ankläger Albers habe er auch von Selbstmordplänen gesprochen.

Er habe die Kinder mit in den Tod zu nehmen wollen, weil auch für sie das Leben nicht lebenswert erschien, habe der Angeklagte bei Vernehmungen erklärt. Nach der Tötung des Jungen habe ihm die Kraft gefehlt, auch die Tochter und sich umzubringen. Am ersten Verhandlungstag vernahm die Strafkammer Tatortbeamte der Polizei und eine Gerichtsmedizinerin.

Der mutmaßliche Täter, ein blasser Mann mit kurzen Haaren, saß geduckt in der Anklagebox, in seinen Parka gehüllt, den Blick von seiner früheren Frau abgewandt. Julians Mutter saß nur wenige Meter entfernt direkt gegenüber und wirkte äußerlich gefasst.

In Berlin wurde am Freitag ein anderer Fall bekannt, bei dem ein Vater seinen Sohn brutal verletzte. Der 44-Jährige schlug dem Zwölfjährigen am Donnerstagabend ins Gesicht und zog in an den Haaren, wie die Polizei mitteilte. Dann schleifte er ihn ins Badezimmer. Dort steckte der Vater das Kind kopfüber in die Badewanne und ließ kaltes Wasser über dessen Kopf laufen. Der Vater wurde von den alarmierten Beamten der Wohnung verwiesen. Gegen ihn wird nun wegen Kindesmisshandlung ermittelt. Die Mutter befand sich während der Vorfalls nicht in der Wohnung.

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