Geizige Feinschmecker können ganz preiswert und schnell zu ihrem Genuss kommen.

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Zwei Kursteilnehmerinnen schneiden in der VHS Bergisch Gladbach Fleisch und Zwiebeln für den preisgünstigen Hähnchen-Bauerntopf.

Zwei Kursteilnehmerinnen schneiden in der VHS Bergisch Gladbach Fleisch und Zwiebeln für den preisgünstigen Hähnchen-Bauerntopf.

dpa

Zwei Kursteilnehmerinnen schneiden in der VHS Bergisch Gladbach Fleisch und Zwiebeln für den preisgünstigen Hähnchen-Bauerntopf.

Bergisch Gladbach. Drei Euro fünfzig bezahlen und sechs Gänge essen - das gibt’s wirklich. Nach dem Motto "Geiz ist geil" bietet Helga Schmidt ab diesem Monat an mehreren Volkshochschulen im Rheinland "Kochkurse für Geizhälse" an. Die Kurse sind gut besucht. Schnell und günstig soll es sein, aber dennoch gut schmecken.

"Mein Prinzip ist es, mit einem Minimum an Einsatz ein Maximum an Ergebnis zu bekommen", sagt die studierte Wirtschaftsingenieurin. Auch privat lebe sie nach dieser Devise. So hat sie ihre mit Glitzersteinchen besetzte, vergoldete Brille auf einem französischen Flohmarkt erstanden.

Die Lebensmittel für die Kochkurse kauft sie bei Discountern ein. Aber sie greift auch auf wild wachsende und somit kostenlose Pflanzen zurück. Das erklärt den ersten Gang an diesem Abend in Bergisch Gladbach: gebratene Brennnesseln umhüllt von einem Teigmantel.

Zum Kochkurs kommen vor allem Frauen aus gutsituierten Familien

Die neun Kursteilnehmerinnen hören sich gespannt den weiteren Speiseplan an. Dem ersten Gericht folgen eine Gurkencremesuppe und Bratkartoffeln mit Erbsen und Joghurt auf indische Art. Als Hauptgericht wird ein Hähnchen-Bauerntopf serviert. Brasilianische Milchpralinen und ein Pfirsichparfait sollen das Menü abrunden.

"Lasst uns anfangen. Ich habe Hunger", sagt Teilnehmerin Jutta. Sie ist eine von fünf Freundinnen, die gemeinsam den Kochkurs besuchen. Einige sind schon zum zehnten Mal dabei. Leute mit geringem Einkommen nehmen kaum an den Kursen teil. "Es kommen eher Gutsituierte", stellt Schmidt zu ihrer eigenen Überraschung fest.

Hähnchen-Bauerntopf: ein Hähnchen (in vier Teilen), 500 g Zwiebeln, drei bis vier Selleriestangen, Kidneybohnen (255g), Schältomaten (240g), Öl, 50 ml Weißwein , zwei EL Sellerieblätter, zwei TL Paprikapulver, ein bis zwei Knoblauchzehen.

Selleriestangen in Scheiben schneiden, Zwiebeln halbieren oder vierteln. Bohnen abgießen und abspülen. Tomaten durchschneiden, Saft aufheben. Sellerieblätter und Knoblauch fein schneiden. Backofen auf 200C vorheizen. Öl in einem ofenfesten Kochtopf erhitzen. Hühnerteile anbraten, herausnehmen und beiseite stellen. Zwiebeln anbraten, Sellerie hinzufügen. Fleisch sowie Bohnen, Tomaten, Paprikapulver, Sellerieblätter, Knoblauch, Wein und Tomatensaft zugeben. Salzen und pfeffern. Zum Kochen bringen, ohne Deckel in den Backofen stellen und 35-45 min. backen, bis das Fleisch gar ist.

Auch ist der Kurs fest in Frauenhand. "Männer sind eher beim Kochkurs für außerirdische Speisen anzutreffen", erklärt die Spar-Köchin. Schmidt bietet in einem anderen Kurs Gerichte zum Nachkochen an, die Mister Spock und Co. in den TV-Episoden "Star Trek" zu sich nehmen.

Dann gibt es schon mal Schupfnudeln mit klingonischen Würmern. Die Rezepte werden nun verteilt, Schürzen angelegt. Heike widmet sich den Brennnesselstielen. Jutta und Martina raspeln Gurken, und Martina erklärt dabei, warum sie zum wiederholten Mal teilnimmt. "Ich lerne hier viele neue Rezepte kennen, die nicht viel Zeit zur Zubereitung brauchen." Ein richtiger Sparfuchs sei hier keiner.

Kursteilnehmerin Alexandra fügt hinzu: "Es geht auch darum, mit wenig Zeit gut und gesund zu kochen." Schmidt schaut derweil an den einzelnen Kochzeilen vorbei und gibt den einen oder anderen Tipp. Nach anderthalb Stunden bittet sie zu Tisch. "Volle Punktzahl für die Gurkencremesuppe", schwärmt Schmidt. "Die Bratkartoffeln sind nicht würzig genug", bemerkt eine Kursteilnehmerin. Die anderen stimmen ihr zu.

Übrig bleibt von den Gerichten nichts. Nach dem Essen holen die Frauen ihre mitgebrachte Tupperware hervor, um die unverzehrten Reste mit nach Hause zu nehmen. Da hat man gleich wieder was gespart!

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