Kindermord: Kadir Ayaz spürte mit einem 20-Mann-Trupp in der Türkei den tatverdächtigen Ali Kur auf.

In Paderborn herrscht große Trauer um die ermordete Kardelen. Mit Erleichterung ist deshalb die Nachricht von der Festnahme des mutmaßlichen Mörders aufgenommen worden. Die Eltern der Achtjährigen bedankten sich für die Arbeit der Ermittlungsbehörden in der Türkei und in Deutschland.
In Paderborn herrscht große Trauer um die ermordete Kardelen. Mit Erleichterung ist deshalb die Nachricht von der Festnahme des mutmaßlichen Mörders aufgenommen worden. Die Eltern der Achtjährigen bedankten sich für die Arbeit der Ermittlungsbehörden in der Türkei und in Deutschland.

In Paderborn herrscht große Trauer um die ermordete Kardelen. Mit Erleichterung ist deshalb die Nachricht von der Festnahme des mutmaßlichen Mörders aufgenommen worden. Die Eltern der Achtjährigen bedankten sich für die Arbeit der Ermittlungsbehörden in der Türkei und in Deutschland.

dpa

In Paderborn herrscht große Trauer um die ermordete Kardelen. Mit Erleichterung ist deshalb die Nachricht von der Festnahme des mutmaßlichen Mörders aufgenommen worden. Die Eltern der Achtjährigen bedankten sich für die Arbeit der Ermittlungsbehörden in der Türkei und in Deutschland.

Paderborn/Istanbul. Polizeibeamte aus zwei Ländern waren am Werk, dazu die internationale Polizeibehörde Interpol - doch am Ende war es die eigene Verwandschaft, die den mutmaßlichen Mörder der kleinen Kardelen (8) aus Paderborn aufspürte. Der gesuchte Ali Kur (29) stellte sich nicht ganz freiwillig, nachdem er vom Vater seiner Ehefrau in der westtürkischen Kleinstadt Didim aufgespürt worden war.

"Das war für mich eine Frage der Ehre", sagte Schwiegervater Kadir Ayaz (49) der Tageszeitung "Hürriyet". Er habe Kur aber immer der Justiz übergeben wollen. In Deutschland hatte es Befürchtungen gegeben, es könne zu einem sogenannten Ehrenmord an Kur kommen.

"Als er uns gesehen hat, ist er zur Polizei geflohen."

Kadir Ayaz (49), Schwiegervater von Ali Kur, dem mutmaßlichen Mörder der achtjährigen Kardelen

Ayaz wollte alles für eine Festnahme des Schwiegersohnes unternehmen: Er reiste in die Türkei und stellte ein Team aus 20 Männern zusammen, darunter mehrere Privatdetektive, wie er sagte. "Fünf Tage lang folgten wir seiner Spur. Wir suchten alle möglichen Verstecke ab", sagte der Schwiegervater, der mit einer Deutschen verheiratet ist und selbst vier Kinder hat.

Ali Kurs eigener Vater lebt in der Provinzhauptstadt Aydin im Westen der Türkei. Von dort sind es mit dem Auto etwa 100 Kilometer bis nach Didim, einem auch bei Touristen beliebten Küstenort mit mehreren schönen Buchten und 42 000 Einwohnern. Kurs Tante, eine Schwester des Vaters, hat dort ein Haus.

Über die Eltern von Ali Kur kam es zum entscheidenden Telefonkontakt. Der Untergetauchte stimmte einem Treffen in Didim zu, verlangte aber, der Schwiegervater müsse allein kommen. "Ich weiß, dass er ein Psychopath ist", sagte Ayaz. Deswegen habe er drei Männer zu dem Treffen mitgenommen.

Mit der Begründung, er wolle seinen kranken Vater im westtürkischen Aydin besuchen, hatte sich der mordverdächtige Ali Kur am 12.Januar zusammen mit seiner Frau Zehra von einem Bekannten zum Flughafen Köln-Bonn fahren lassen und war in die Ägäis-Stadt Izmir geflogen. Seit der vergangenen Woche wurde er von der Polizei in der Westtürkei gesucht.

Kur war zusammen mit seiner Frau zunächst bei Verwandten in Aydin untergekommen. Als er hörte, dass er mit internationalem Haftbefehl gesucht wurde, ließ er seine 24-jährige Frau bei der Familie zurück und machte sich alleine auf die Flucht, bevor die Polizei ihn finden konnte. Angeblich versteckte er sich im Haus einer Tante in Didim.

Ob Kur nur Angst vor einer gehörigen Tracht Prügel hatte oder vor einem Ehrenmord, stand am Mittwoch noch nicht fest. Die beteiligten Familien hatten der deutschen Polizei letzte Woche versichert, dass sie den Mord an Kardelen als Einzeltat betrachten und keine Art von Ehrenschuld sehen, die mit einem weiteren Mord gesühnt werden müsse.

Für Schwiegervater Ayaz ist der Fall mit der Festnahme von Kur erledigt. Es gebe auf der ganzen Welt keinen glücklicheren Menschen als ihn, sagte er. Nun will er zusammen mit seiner Tochter Zehra nach Deutschland zurückkehren - wo so schnell wie möglich die Scheidung eingeleitet werden soll.

Kur selbst muss nun mit einem Mordprozess in der Türkei und mit lebenslanger Haft rechnen; eine Auslieferung des türkischen Staatsbürgers an Deutschland kommt nach der türkischen Verfassung nicht in Betracht. Allerdings dürfte sich der türkische Prozess auf die in Deutschland gesammelten Beweismittel stützen, darunter auch DNA-Spuren, die am Fundort der Leiche und in Kurs Wohnung gefunden wurden.

In einem Auto ohne Kennzeichen sei Kur auf dem Atatürk Boulevard in Didim angefahren gekommen. Als er die Begleiter seines Schwiegervaters sah, gab er Gas und fuhr direkt zur Polizei, heißt es in türkischen Berichten. Provinz-Gouverneur Mustafa Malay widersprach dieser Darstellung. Kur sei vielmehr bei einer Straßenkontrolle in einem Fahrzeug identifiziert und festgenommen worden.

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