350 Gymnasiasten verschließen ihre Mobiltelefone im Banktresor und verabreden sich wieder ganz altmodisch.

Experiment
Ab in die Tüte und in den Tresor: Die Schüler des Gymnasiums in Hersbruck verzichten aufs Handy.

Ab in die Tüte und in den Tresor: Die Schüler des Gymnasiums in Hersbruck verzichten aufs Handy.

David Ebener

Ab in die Tüte und in den Tresor: Die Schüler des Gymnasiums in Hersbruck verzichten aufs Handy.

Hersbruck. Sieben Tage ohne Handy – 350 Gymnasiasten aus Hersbruck in Mittelfranken haben sich dafür entschieden, eine Woche ohne ständiges Telefonieren und SMS-Schreiben auszuhalten. Das sogenannte Handyfasten soll zu einem bewussteren Umgang mit den allgegenwärtigen Mobiltelefonen führen, erklärt Initiator Jürgen Putzer vom Elternbeirat des Paul-Pfinzing-Gymnasiums.

Um auch sicherzustellen, dass nicht doch einer heimlich seinen Kumpel anruft oder der Angebeteten eine SMS schickt, werden die Geräte versiegelt und unerreichbar verwahrt – im Tresor der örtlichen Bank.

„Es geht darum, das Handy nicht nur nebenbei zu nutzen, sondern auch mal darüber nachzudenken“, erläutert Putzer. Denn die mobilen Geräte erschließen nicht nur neue Wege der Kommunikation, sondern verändern auch Verhaltensweisen.

Beim Abendessen wird nicht mehr nebenbei gesimst

So halten viele Jugendliche inzwischen Verspätungen für normal und entschuldigen sich dafür nur mit einem kurzen Anruf. „Wenn ich nicht anrufen kann, muss ich von vorneherein pünktlich sein“, schildert Putzer die Konsequenzen des Verzichts.

Auch in den Familien könnte das Handyfasten einiges verändern, schätzt Schulleiter Georg Fleischer. Wer beim Abendessen nicht mehr nebenbei simsen könne, unterhalte sich mehr. Im Pfinzing-Gymnasium hat das Thema schon viele Diskussionen angestoßen. Denn die 17 Klassen der Jahrgangsstufen sieben bis neun konnten selbst entscheiden, ob sie mitmachen. Ergebnis: 13 Klassen wagen das Experiment.

„Die meisten wollen das mal probieren“, berichtet die 13-jährige Helen Putzer. „Andere sagen, sie sind so abhängig von ihrem Handy, dass sie es nicht abgeben wollen.“ Nur zwei Siebtklässler kennen das Problem gar nicht – sie haben überhaupt kein Handy.

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