Strafvollzug in NRW bekommt vier eigene Spürhunde. Die Ministerin will so das Einschmuggeln von Rauschgift stoppen.

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Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (links) mit den vier angehenden Justiz-Hunden und den Hundeführern, die jetzt gemeinsam mit ihren Tieren ausgebildet werden.

Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (links) mit den vier angehenden Justiz-Hunden und den Hundeführern, die jetzt gemeinsam mit ihren Tieren ausgebildet werden.

dpa

Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (links) mit den vier angehenden Justiz-Hunden und den Hundeführern, die jetzt gemeinsam mit ihren Tieren ausgebildet werden.

Düsseldorf. Die Lage ist alarmierend: Von den derzeit rund 17 600 Inhaftierten in NRW sind mehr als 35 Prozent abhängig von illegalen Drogen wie Heroin und Kokain - mehr als jeder Dritte. Rund 6400 Gefangene brauchen fast täglich ihren Stoff.

Jetzt will NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) den Drogenkonsum in den NRW-Gefängnissen eindämmen - mit tierischer Hilfe. Vier Justiz-eigene Drogenhunde sollen ab Ende April im Rahmen eines Pilotprojektes in den Justizvollzugsanstalten von Köln, Kleve, Hamm und Castrop-Rauxel zum Einsatz kommen und die bisherigen Überwachungsmaßnahmen verstärken.

Hunde mussten zweiwöchigen Eignungstest überstehen

Die vier Hündinnen Anni, Gina, Irma und Maja wurden sorgfältig ausgewählt. Sie mussten sich einem zweiwöchigen Eignungstest unterziehen. Gefragt waren Mut und Neugierde. Sie mussten etwa über Gittertreppen gehen, auf schwankende Spielgeräte klettern, durften keine Höhenangst zeigen.

Während der nun folgenden knapp viermonatigen Ausbildung in der Polizeihundeschule in Schloß Holte-Stukenbrock lernen sie Gehorsam und werden auf die verschiedenen Drogen konditioniert: Sie lernen die jeweiligen Gerüche kennen und bekommen für das Auffinden eine Belohnung.

Denn die Drogen kommen auf den unterschiedlichsten Wegen in die Justizvollzugsanstalten - in Lebensmittelpaketen versteckt in Tee- und Kaffeebeuteln, Kuchen, doppellagigen Schokokeksen, Orangen oder Gegenständen und manchmal auch bei Besuchen von Angehörigen als schnell und verdeckt weitergegebenes Tütchen. Problematisch sind auch Drogen, die Gefangene bei der Heimkehr von Ausgang oder Urlaub in ihrem Körper verbergen. "Wegen ihres extrem guten Geruchssinnes können Hunde auch gut versteckte Drogen aufspüren", sagt die Sprecherin des Justizministeriums, Andrea Bögge.

Nach dem Betäubungsmittelgesetz (BtmG) sind Anbau, Besitz, Handel und Schmuggel von Drogen mit zum Teil hohen Strafen belegt. Jedoch sieht das Gesetz keinen Tatbestand für das Einschmuggeln von Rauschgift in Haftanstalten vor.

Das Land NRW hat einen Gesetzentwurf erarbeitet, der Drogenschmuggel in Haftanstalten als besonders schweren Fall im Sinne des § 29 BtmG erfasst und dafür als Mindeststrafe ein Jahr Haft vorsieht.

Der Bundesrat hat am 27. November 2009 beschlossen, diesen Entwurf im Bundestag einzubringen und Justizministerin Müller-Piepenkötter dazu zur Beauftragten bestellt.

In der Polizeischule Holte-Stukenbrock werden seit vielen Jahren Diensthundeführer ausgebildet. Die Schnüffler auf vier Pfoten werden jeweils einem Justizvollzugsbeamten zugewiesen und dann gemeinsam mit ihm ausgebildet. Die künftigen Hundeführer, allesamt Justizvollzugsbeamte, die sich freiwillig gemeldet haben, werden von ihrer sonstigen Arbeit freigestellt.

Schnüffel-Einsatz auch bei Besuchern der Justizvollzugsanstalten

Zum Schnüffel-Einsatz sollen die Hunde in den Zellen der Inhaftierten kommen, aber auch in den für Besucher zugänglichen Räumen. Rechtliche Probleme gibt es dabei nach Ansicht von Bögge nicht: Die Zellen würden schon jetzt regelmäßig auf das Einschmuggeln von Drogen durchsucht. Dabei helfen auch schon jetzt Drogenspürhunde von Polizei und Zoll.

Die künftigen Justiz-Spürhunde allerdings werden auch in den für Besucher zugänglichen Räumen der Justizvollzugsanstalten schnuppern. Fällt dabei ein Besucher auf, der Drogen ins Gefängnis schmuggeln will, wird umgehend die Polizei informiert.

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