Stundenlang mussten Autofahrer in ihren Fahrzeugen auf Hilfe warten. Sturm- und Orkanböen sorgten für Ausnahmezustand.

wza_1500x877_611776.jpeg
Autobesitzer versuchen auf der Bundesstraße 501 bei Dahme (Kreis Ostholstein), ihre Autos freizubekommen.

Autobesitzer versuchen auf der Bundesstraße 501 bei Dahme (Kreis Ostholstein), ihre Autos freizubekommen.

dpa

Autobesitzer versuchen auf der Bundesstraße 501 bei Dahme (Kreis Ostholstein), ihre Autos freizubekommen.

Usedom/ Rügen/ Anklam. Sturmtief "Daisy" hat Autofahrer und Bahnfahrgäste in Vorpommern eiskalt erwischt. Hunderte saßen in der Nacht zu Sonntag in ausgekühlten Fahrzeugen fest. Um 3 Uhr machte sich Kraftfahrzeug-Mechaniker Ronny Schöning von Gützkow auf den Weg nach Grimmen, um eine dringend benötigte Motorsteuerkette abzuliefern.

Wenige Kilometer später endete die Fahrt im Schneechaos. Ein quergestellter Lkw versperrte dem 35-Jährigen an der Auffahrt der Autobahn A 20 den Weg. "Es ging nichts mehr", berichtet er.

Für eine Umkehr war es zu spät. Ronny Schöning setzte einen Notruf ab und kroch bei dem Lasterfahrer in der Fahrerkabine unter. Fast sechs Stunden dauerte es, bis das Technische Hilfswerk (THW) an die Spitze des Staus vordrang und seinen Golf, der bis zur Dachkante im Schnee steckte, mit einer Schneefräse befreite. Zuvor hatte das THW bereits einen Konvoi von 30Autos und 22Lastwagen von einem Parkplatz heruntergeleitet.

Unter den hunderten Autofahrern, die in der Nacht in ihren Fahrzeugen festsaßen, war auch eine junge Mutter mit einem sechs Wochen alten Baby. Die Urlauberin - auf dem Rückweg von der Insel Usedom - und ihr Säugling wurden nach mehreren Stunden in der Kälte unversehrt geborgen.

Auf dem Rügenzubringer bei Miltzow ging zeitweise nichts mehr

Der Landkreis Ostvorpommern rief Katastrophenalarm aus. Das Land rief einen Sonder-Führungsstab zusammen, um die Arbeiten der Einsatzkräfte zu bündeln. Vorpommern war nach Einschätzung von Wetterexperten in Deutschland am stärksten von den bitterkalten Wetterkapriolen betroffen.

Nur halb so viele Ski- und Rodelfans wie an normalen Schnee-Wochenenden haben sich am Samstag in die Skigebiete des Sauerlandes aufgemacht. Die Betreiber in Winterberg sprachen von herben Einbußen für Lifte, Gaststätten und Hütten. Viele Menschen scheuten offenbar die Anfahrt auf den verschneiten Straßen. Auch im Eifeler Skigebiet "Weißer Stein" verlief der Skibetrieb eher verhalten.

Sturmtief "Daisy" beschert allen Schülern in Mecklenburg-Vorpommern heute einen schulfreien Tag. Das teilte das Innenministerium gestern mit. Auch in einigen Landkreisen von Schleswig-Holstein gibt es schulfrei.

Jugendliche haben Schneebälle von Brücken in Nürnberg und Erlangen auf Fahrzeuge geworfen und damit Autofahrer in Gefahr gebracht. Die Frontscheibe eines Wagens ging zu Bruch, verletzt wurde niemand.

Die Oder wird wegen des Wetters in den nächsten Wochen nicht für die Schifffahrt freigegeben. "Wir rechnen nicht damit, dass vor Februar etwas geht", hieß es im Wasser- und Schifffahrtsamt in Eberswalde.

Weniger die Schneemassen, sondern die enormen Sturm- und Orkanböen sorgten an der Küste zwischen Rügen, Usedom und dem küstennahen Festland für einen Ausnahmezustand. "Über der flachen Ostsee konnte Sturmtief Daisy richtig an Geschwindigkeit gewinnen und von Nordost auf die Küste drücken", sagte Juliane Pestel vom Wetterdienst Meteomedia.

Am Kap Arkona peitschte sich "Daisy" zu Orkanspitzen von 122 Kilometern pro Stunde hoch, am vorpommerschen Festland erreichte das Tief immerhin noch Sturmgeschwindigkeiten von 83km/h. Zum Teil türmten sich Schneewehen bis zu drei Meter hoch wie in Wittow auf Rügen.

Viele Ortschaften waren nicht erreichbar. Zwischen Greifswald und Stralsund sorgte seit Samstagabend ein entgleister Zug für Stillstand auf den Gleisen, die Bundesstraße zwischen den Städten war auch am Sonntag nicht befahrbar.

Auf dem Rügenzubringer bei Miltzow blieben unzählige Autos in meterhohen Schneeverwehungen stecken. Von Sonntagmittag an hatten die Hilfskräfte mit einem weiteren Problem zu tun. Ihnen ging der Kraftstoff aus, die Hilfsfahrzeuge mussten selbst auf Hilfe warten.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer