Schnee auf der Autobahn
Schneetreiben auf der Autobahn. B ei Chemnitz schneiten Fahrzeuge auf glatten Fahrbahnen in kilometerlangen Staus ein. Foto: Ingo Wagner

Schneetreiben auf der Autobahn. B ei Chemnitz schneiten Fahrzeuge auf glatten Fahrbahnen in kilometerlangen Staus ein. Foto: Ingo Wagner

dpa

Schneetreiben auf der Autobahn. B ei Chemnitz schneiten Fahrzeuge auf glatten Fahrbahnen in kilometerlangen Staus ein. Foto: Ingo Wagner

Berlin (dpa) - Kälte und Schnee legen das Leben vielerorts in Europa lahm. In Sachsen haben Hunderte Menschen eingeschlossen von Schnee und Eis die Nacht auf einer Autobahn verbracht. Im Allgäu und in Oberbayern liegen örtlich 80 Zentimeter Schnee und mehr.

In der Ukraine rief die Hauptstadt Kiew nach Rekord-Schneefällen den Ausnahmezustand aus: Studenten und Soldaten sollen dort beim Schippen helfen. Von Westen rückt nun Regen an. Er bringt neue Glätte auf frostigen Böden. Am Wochenende folgt Schmuddelwetter.

Das Winterwetter verursachte vielerorts Unfälle - so auch auf der Autobahn bei Chemnitz. Die völlig zugeschneite Autobahn blieb dort in der Nacht zum Dienstag stundenlang für Bergungsarbeiten gesperrt. Der Stau war nach Polizeiangaben vom Dienstag bis zu 20 Kilometer lang. Als die Unfallstelle geräumt war, fiel neuer Schnee, wieder blieben Autos stecken. Probleme entstanden zudem, weil die Rettungsgasse blockiert war. Schließlich blieben auch drei Schneepflüge stecken.

Einsatzkräfte halfen den eingeschneiten Reisenden. «Wir haben Tee, Decken, Wasser und gute Zusprüche gebracht», sagte Johanniter-Helfer Jan Richtsteiger der Nachrichtenagentur dpa. Einige Autofahrer hätten zehn Stunden in ihren Autos verbringen müssen. Ihnen sei auch der Sprit ausgegangen. «Die Leute waren nervlich am Boden.» Der Stau löste sich am Dienstag erst in den Morgenstunden auf.

Viele Unfälle zählte die Polizei in Hamburg, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg. In Külsheim kam ein Lastwagen von der schneeglatten Straße ab, krachte in ein Wohnhaus und schob eine 72-Jährige im Sessel durch ihr Wohnzimmer. Die Frau verletzte sich nur leicht am Bein. In dichtem Schneetreiben verunglückte ein Reisebus mit deutschen Rentnern in Österreich. 19 Urlauber und die Reiseleiterin verletzten sich, als ihr Bus einen Laster rammte.

In der Ukraine schnitt heftiger Schneefall Zehntausende Menschen von der Stromversorgung ab. Im Gebiet um die Hauptstadt Kiew waren erneut etwa 200 Orte betroffen, wie das Zivilschutzministerium der Ex-Sowjetrepublik mitteilte. In Kiew selbst stürzten viele Bäume unter den Schneemassen um. Bürgermeister Alexander Popow rief den Ausnahmezustand aus. Er bat das Verteidigungs- und das Bildungsministerium um Hilfe, damit Studenten und Rekruten zum Schneeräumen eingesetzt werden können.

Das ukrainische Zivilschutzministerium verstärkte die kommunalen Dienste mit bis zu 700 Einsatzkräften und schwerer Technik. Allein in den vergangenen beiden Tagen seien in der Hauptstadt insgesamt rund 43 Zentimeter Neuschnee gefallen, so viel wie zuletzt 1930, sagte der Chef des Meteorologischen Zentrums, Nikolai Kulbida.

In Österreichs Bergen erhöhen starker Neuschnee und Sturm die Lawinengefahr. Schneebretter könnten sich spontan lösen oder von einzelnen Wintersportlern losgetreten werden, schrieb die Lawinenwarnzentrale. In manchen Teilen des Landes fielen am Montag bis zu 60 Zentimeter Neuschnee. Vorarlberg warnte vor großer Lawinengefahr - auf Stufe vier von fünf.

Unterdessen gibt Deutschlands höchstgelegenes Skigebiet auf der Zugspitze am Wochenende erstmals die Pisten frei. «Die konstant niedrigen Temperaturen versprechen optimalen Pulverschneespaß auf der Zugspitze», sagte eine Sprecherin der Zugspitzbahn. Auf dem Zugspitz-Gletscher liegt der Schnee zweieinhalb Meter hoch. In Oberbayern und im Allgäu liegen vielerorts mehr als 80 Zentimeter Schnee. Und es hört nicht auf. Nach einer kurzen Unterbrechung rechnen die Meteorologen mit weiterem Niederschlag.

Bundesweit wird es laut Deutschem Wetterdienst (DWD) von Donnerstag an spürbar milder. Regenwolken ziehen auf, und auf dem gefrorenen Boden kann sich Glatteis bilden. Am Wochenende seien im Westen zehn Grad plus möglich, sagte DWD-Meteorologe Thomas Ruppert in Offenbach. An diesem Mittwoch herrsche noch Hoch «Schorsch» mit ruhig-frostigem Winterwetter, gestört nur im Norden von Tief «Oxana» mit einigen Schneeschauern.

Am dritten Advent ziehe sich der Frost auf die Höhenlagen zurück, sagte Ruppert. Nur auf den Bergen dürfte sich der Schnee noch halten. Das milde, feuchte Wetter wird vermutlich bleiben. «Bis auf weiteres ist keine Rückkehr des Winters in Sicht», sagte der Fachmann. Wie das Weihnachtswetter wird, sei noch nicht klar.

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